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SAP : „Wir halten Oracle auf Trab“

  • Aktualisiert am

Bittet um ein faires Urteil: SAP-Vorstandschef Henning Kagermann Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

SAP wird beschuldigt, dass Beschäftigte des deutschen Software-Konzerns dem amerikanischen Konkurrenten Oracle Daten gestohlen haben. SAP-Vorstandschef Henning Kagermann nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

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          Der deutsche Software-Konzern SAP wird in den Vereinigten Staaten beschuldigt, bei seinem schärfsten Wettbewerber, Oracle, Daten gestohlen zu haben (siehe auch: SAP-Tochter hat bei Oracle geklaut). SAP-Vorstandsvorsitzender Henning Kagermann nimmt seine amerikanischen Beschäftigten in Schutz. „Ich gehe nach wie vor davon aus, dass einzelne Mitarbeiter beim Herunterladen Fehler gemacht haben, und das ohne Absicht“, sagt Kagermann im Gespräch.

          Herr Kagermann, warum hat SAP es nötig, geistiges Eigentum bei der Konkurrenz zu klauen?

          Das hat SAP überhaupt nicht nötig. Wir sind unangefochtener Markt- und Technologieführer bei betriebswirtschaftlichen Softwarelösungen. Darüber hinaus, es ist nicht bewiesen, dass durch unsere Tochtergesellschaft Tomorrow Now geistige Eigentumsrechte verletzt wurden.

          Sieht sich als Opfer von Industriespionage: Oracle-Chef Larry Ellison
          Sieht sich als Opfer von Industriespionage: Oracle-Chef Larry Ellison : Bild: dpa

          Aber Sie haben zugegeben, bei Ihrem Wettbewerber Oracle über das Internet illegal Programme heruntergeladen zu haben.

          Wir haben gesagt, dass unsere amerikanische Tochter Tomorrow Now in einigen Fällen mehr Support-Material heruntergeladen hat, als angemessen gewesen wäre. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass einzelne Mitarbeiter beim Herunterladen Fehler gemacht haben, und das ohne Absicht.

          Ist es normal für Firmen wie Tomorrow Now, Konkurrenzprodukte aus dem Internet zu laden?

          Ja - das ist Kernbestandteil des Geschäftsmodells. Viele andere Unternehmen bieten ähnliche Dienstleistungen an. Unternehmen beauftragen Fremddienstleister, die Wartung ihrer Software zu übernehmen. Das Material wird dann in Absprache mit dem Kunden aus dem Internet heruntergeladen und in die Software des jeweiligen Auftraggebers eingebaut. Diese Praxis wird auch von Oracle akzeptiert. Wenn man da zu viel Material herunterlädt, ist das natürlich nicht richtig, keine Frage.

          Sind Sie insgeheim froh, dass der aggressive Oracle-Chef die brave deutsche SAP auf Trab hält?

          Mit Verlaub: Wir halten Oracle auf Trab. Wir gewinnen seit Jahren Marktanteile, Oracle dagegen kauft sich seine Marktanteile zusammen. Schauen Sie sich die Situation an: Unser Marktanteil liegt bei rund 25 Prozent, der von Oracle bei 14 Prozent. Wir wachsen aus eigener Kraft, und unser Fokus liegt auf dem langfristigen Erfolg unserer Kunden. Das macht die SAP so erfolgreich.

          SAP hatte bislang einen glänzenden Ruf als sauberes Unternehmen, Ellison stand als der böse Cowboy da. Dreht sich das jetzt?

          Ich bitte hier um eine faire Beurteilung. Zum einen ist nicht bewiesen, ob und welcher Schaden tatsächlich für Oracle entstanden ist. Zum Zweiten erwarte ich, nicht von vornherein böse Absicht zu unterstellen. Ich gehe bisher davon aus, dass einzelne Mitarbeiter Fehler gemacht haben. Das ist bedauerlich und ärgerlich. Wir verfolgen mögliche Verstöße gegen Gesetze und gegen unsere internen Unternehmensrichtlinien konsequent.

          SAP ist eine Firma, von der viele noch immer nicht wissen, was sie genau macht. Können Sie das mal ganz einfach erklären?

          Gerne - also: Unternehmen bestehen aus vielen unterschiedlichen Geschäftsprozessen, durch die Lieferketten, Produktionsabläufe, Vertriebswege oder die Buchhaltung logisch miteinander verbunden sind. SAP bildet diese Geschäftsprozesse durch Software ab.

          Was haben die Unternehmen konkret davon?

          Abläufe im Unternehmen werden standardisiert, und sie werden effizienter. Übertragen gesagt: Wir produzieren keine Milch, aber wir tragen dazu bei, dass ein Betrieb die Milch schneller, preiswerter und schonender von der Kuh in den Laden bringen kann und der Bauer schneller sein Geld bekommt.

          Die Börse scheint dieses Geschäftsmodell nicht mehr zu faszinieren. Auf Jahresbasis ist die SAP-Aktie Schlusslicht im Dax.

          Sie müssen sich die Historie anschauen. Wir haben das, was jetzt im Dax passiert, vor einigen Jahren vorweggenommen. Allein zwischen Anfang 2003 und Ende 2006 haben wir den Aktienkurs mehr als verdoppelt. Dementsprechend hoch sind die Markterwartungen an uns. Allerdings können wir mit dem Kursverlauf in diesem Jahr natürlich nicht zufrieden sein.

          Die guten alten Zeiten sind vorbei.

          Das sehe ich anders. Aber natürlich wachsen mit dem Erfolg in der Vergangenheit auch die Erwartungen für die Zukunft. Deshalb kommt es darauf an, dass wir wie in der Vergangenheit auch gute Ergebnisse liefern.

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