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SAP-Kommentar : Baustellen in Walldorf

  • -Aktualisiert am

Glücklich sieht anders aus: SAP-Gründer Hasso Plattner Bild: ddp

Der Aktienkurs des Softwarekonzerns SAP bleibt seit geraumer Zeit deutlich hinter dem Dax zurück. Der Kapitalmarkt ist zu Recht skeptisch. Manche sehen sogar schon ein Ende der Wachstumsstory.

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          Es gibt keinen besseren Indikator als den Aktienkurs, um den unternehmerischen Erfolg von SAP zu messen. Die Aussage stammt von Hasso Plattner. Wenn man den Softwarekonzern an den Maßstäben seines Mitgründers und Aufsichtsratsvorsitzenden misst, dann steht das deutsche Vorzeigeunternehmen heute alles andere als gut da. Der Aktienkurs des einstigen Lieblings der Börse bewegt sich in Regionen, in denen er schon vor vier Jahren notierte. Noch schlimmer: Er bleibt seit geraumer Zeit sogar deutlich hinter dem Dax zurück.

          Der Kapitalmarkt ist zu Recht skeptisch. Manche sehen schon ein Ende der Wachstumsstory von SAP. Das scheint zu pessimistisch. Doch bei SAP gibt es derzeit viele, vielleicht sogar zu viele Baustellen, die da heißen: Mittelstand, Mietsoftware, Integration von Business Objects, Dollarkurs und Wechsel an der Unternehmensspitze.

          Eine Art Paradigmenwechsel

          Da wäre zunächst das SAP-Dauerthema Mittelstand. Seit Jahren schon tut sich SAP schwer, auf diesem Markt mit einer praktikablen Software Fuß zu fassen. Die umworbene Kundschaft ist traditionell skeptisch. Was kostet es, was bringt es, und was soll das Ganze überhaupt, sind die klassischen Fragen aus dem Mittelstand. SAP scheint noch keine überzeugenden Antworten gefunden zu haben. „Erst wird es schwer, und dann geht erst mal gar nichts mehr“ ist ein Kundenspott über die Einführung von SAP-Software, der unter Mittelständlern die Runde macht. Mit der neuen Software Business by Design versucht es SAP abermals. Dass die avisierte und nicht besonders ambitionierte Kundenzahl nicht erreicht und die breite Markteinführung der neuen Software kürzlich sogar verschoben wurde, passt in die Klischees über SAP. Da hilft auch der Hinweis „Gut Ding will Weile haben“ wenig.

          Doch Business by Design ist nicht nur ein neuer Anlauf für das Marktsegment Mittelstand. Es ist für SAP gleichzeitig eine Art Paradigmenwechsel. Statt wie bisher Software an Kunden zu verkaufen, wird sie über das Internet vermietet. Gut möglich, dass Mietsoftware aus dem Internet einmal das Geschäftsmodell der Zukunft wird. Doch ausgerechnet bei seit jeher skeptischen Mittelständlern sein Glück mit einer neuen Technologie zu versuchen ist schon ein gewagtes Unterfangen.

          Neue Software, Milliardenübernahme und Chefwechsel

          Großbaustelle Nummer zwei ist Business Objects. SAP hat das Unternehmen, das Programme zur Analyse von Unternehmensdaten anbietet, vergangenes Jahr für 4,8 Milliarden Euro übernommen. Zuvor hatte Vorstandssprecher Henning Kagermann immer wieder gepredigt, dass organisches Wachstum, zusammen mit kleinen, die eigene Technologie ergänzenden Übernahmen, der Königsweg unternehmerischen Tuns sei. Das war auch immer ein Seitenhieb in Richtung des amerikanischen Konkurrenten Oracle, der in den letzten Jahren gleich mehrfach Milliardenübernahmen stemmte. Nun sieht es so aus, als habe eher Oracle und nicht SAP den richtigen Weg gefunden. Hinzu kommt: Mit der Integration solcher Übernahmen hat SAP keinerlei Erfahrung, ganz zu schweigen von Integrationskosten und fälligen Abschreibungen. Das Geschäft von Business Objects ist auch noch margenschwächer als das von SAP.

          Als hätte SAP mit neuer Software und Milliardenübernahme nicht schon genug zu tun, steht bis zum nächsten Frühjahr auch noch ein Chefwechsel an. Das mag noch so harmonisch nach außen dargestellt werden, schließlich ist der Neue, Léo Apotheker, schon seit 20 Jahren im Vorstand. Und doch ist es eine Zäsur. Der Kopfmensch Henning Kagermann wird durch den Bauchmenschen Léo Apotheker abgelöst. War Kagermann derjenige, der in den letzten Jahren die Marge zugunsten von Investitionen und Wachstum opferte, wird Apotheker den umgekehrten Weg gehen. Marge, Marge, Marge ist das Credo des Vertriebsmanns Apotheker. Mit Erwin Gunst als Chief Operating Officer hat er schon eine Art Spar-Vorstand installiert, der sich um Effizienz kümmern soll. Mit einem Sparkurs wird Apotheker zwar kurzfristig die Margen nach oben treiben, auf den SAP-Großbaustellen wird er damit nicht vorankommen.

          Auch die Marge ist ansehnlich

          Neben den hausgemachten Problemen kämpft SAP wie viele deutsche Unternehmen mit dem starken Euro in einem Dollar-Wettbewerbsumfeld und den Unwägbarkeiten der Weltkonjunktur. Das erste Quartal 2008 verlief nicht allzu gut. Wichtige Kennzahlen lagen unter den Erwartungen der Analysten. Schon wird spekuliert, dass die Wachstumsziele im gesamten Geschäftsjahr verfehlt werden könnten. Als eine Art psychologische Altlast schleppt SAP noch die im Jahr 2006 verfehlten eigenen Prognosen mit.

          Ungeachtet der Baustellen, Altlasten, des aktuellen Geschäfts und der Euro-Sorgen wächst der Produktumsatz von SAP das 17. Quartal in Folge zweistellig und damit noch doppelt so schnell wie der Markt für Unternehmenssoftware. Auch die Marge ist ansehnlich. Doch das scheint an der Börse derzeit eher eine Kursabsicherung nach unten zu sein. Vermutlich wird erst mit nachhaltigen Erfolgen bei Business by Design und Business Objects sowie einem Vorstandssprecher Apotheker, der mehr als Marge und Vertriebsdruck anbieten kann, die Skepsis am Kapitalmarkt weichen.

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