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Provinz Xinjiang : Sanktionen gegen Sklavenarbeit in China

In Deutschland zeigt sich der Modehersteller Hugo Boss alarmiert: „Wir nehmen die Berichte um mögliche Menschenrechtsverletzung in der chinesischen Region Xinjiang sehr ernst. Allgemein setzen wir uns und unseren Lieferanten hohe ethische Standards und tolerieren entsprechend keine Form von Zwangsarbeit, Pflichtarbeit oder moderner Sklaverei“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Wie angekündigt habe man von allen direkten Lieferanten Nachweise angefordert, ob ihre Materialien einen Bezug zur Region Xinjiang haben. Falls ja, wolle man die Produktion „schnellstmöglich auf andere Ursprungsregionen oder Länder umstellen“, so Hugo Boss. So könne man sicherstellen, dass die neue Kollektion ab Oktober 2021 „keine Baumwolle oder sonstige Materialien aus der Region Xinjiang enthalten“. Andere Marken konnten das aber nach der BBC-Anfrage nicht ausschließen. Es sei zu schwierig, den Ursprung des Rohstoffs herauszufinden. Nach Schätzungen stammen 80 Prozent der chinesischen Baumwolle auch der Uiguren-Provinz.

Chinas Regierung streitet jegliche Form der Zwangsarbeit in Xinjiang einfach ab. Dies sei ein Gerücht, das von westlichen Medien und China-Hassern in die Welt gesetzt worden sei, heißt es regelmäßig. Doch dass die Führung ein Problem mit den Uiguren hat, die meist muslimischen Glaubens sind, können selbst uigurische Geschäftsleute und Ärzte in Schanghai erzählen: Jedes Mal, wenn sie zu einem Termin in eine andere chinesische Stadt wie etwa Peking reisen, tauche nach dem Einchecken per Personalausweis früher oder später die Polizei auf – manchmal mitten in der Nacht, wo die Sicherheitskräfte in Verhören wissen wollen, wen man alles zu treffen gedenke.

Umerziehung als Teil staatlicher Arbeitsprogramme

Kehren Uiguren aus dem Ausland nach China zurück, werden sie am Flughafen oft stundenlang festgehalten. Jüngst beschrieb Gulbahar Haitiwaji, eine frühere Mitarbeiterin eines chinesischen Ölkonzerns, in der britischen Zeitung „Guardian“, dass sie nach der Rückkehr nach China wegen einer bürokratische Routineangelegenheit festgenommen und dann für mehr als zwei Jahre in eines der berüchtigten Umerziehungslager gesteckt wurde, wo die Insassen der Kommunistischen Partei ihre Treue schwören müssen. Dem Bericht zufolge werden sie geschlagen, wenn die Wärter den Eindruck haben, es werde heimlich gebetet.

Dem deutschen Xinjiang-Forscher Adrian Zenz zufolge ist diese Umerziehung auch Teil der staatlichen Arbeitsprogramme, mit denen die Regierung in Xinjiang nach seiner Schätzung mehr als eine halbe Million Uiguren zur Baumwollernte per Hand einsetzt. In Berichten des Staatsfernsehens zum Beginn der Ernte Ende September waren riesige Erntemaschinen zu sehen, die über die Felder fahren.

In Wahrheit jedoch wird die hochwertigste Baumwolle, die am auch in der Kleidung westlicher Modehersteller landen könnte, meist von Hand gepflückt. Uigurische Bauern werden dazu in Lagerunterkünften nahe der Felder untergebracht und zur Ernte monatelang auf die Felder geschickt. Die Regierung bezeichnet das Ganze als Teil ihres Kampfes gegen die Armut. Forscher Zenz hingegen ist überzeugt, dass die eigentliche Motivation ist, die Menschen zu überwachen und herkömmliche Strukturen in der Gesellschaft der Uiguren zu zerschlagen.

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