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Folgen der Sanktionen : Wenn der Rettungswagen im Embargo liegen bleibt

Noch sind sie gefüllt: Öl-Waggons vor der Total-Raffinerie in Leuna warten auf die Abfahrt. Bild: Getty

Robert Habeck erweckt den Eindruck, als wäre Schwedt der letzte Stolperstein auf dem Weg zum Ölembargo. Doch auch in anderen Teilen von Ostdeutschland ist die Lage heikel. In Leuna wird der Wirtschaftsminister einiges zu hören bekommen.

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          Angesichts des geplanten Ölembargos der EU gegen Russland bangen Politik, Unternehmen und Arbeitnehmerschaft um die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt. Noch ist unklar, ob die Anlage in der Uckermark ausreichend nichtrussische Lieferungen an Land ziehen kann, um am Netz zu bleiben. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) erweckt den Eindruck, als wäre Schwedt der letzte Stolperstein auf dem Weg zum Embargo: Wenn die dort verarbeiteten 12 Prozent des deutschen Ölverbrauchs gesichert seien, könne Deutschland die Importblockade verkraften. Diese Einschätzung blendet jedoch aus, dass sich das Rohöl an den anderen Standorten zwar theoretisch aus alternativen Quellen ersetzen lässt, weshalb die Kunden ihre russischen Verträge auslaufen lassen, aber diese Loslösung noch lange nicht vollzogen ist. Denn die Umstellung führt sowohl zu technisch-logistischen als auch zu finanziellen Schwierigkeiten.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Heikel ist die Lage auch in anderen Teilen Ostdeutschlands, genauer in Sachsen-Anhalt. In Leuna südlich von Halle steht eine große Rohölraffinerie des französischen Total-Konzerns, die bisher aus derselben Pipeline und vom selben Lieferanten versorgt wird wie Schwedt, vom russischen Staatskonzern Rosneft. In der Nachbarschaft befindet sich der Chemiepark Infra-Leuna, der neben den Ölprodukten auch Unmengen russischen Gases verbraucht. Zum Mitteldeutschen Chemiedreieck gehören außerdem der Dow Olefinverbund in Schkopau sowie der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen mit Unternehmen wie Akzo Nobel, Bayer, Degussa, Heraeus oder Lanxess. Keine fünfzig Kilometer nordöstlich davon siedelt das Stickstoffwerk SKW Piesteritz bei Wittenberg, einer der größten deutschen Gasverbraucher überhaupt.

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