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F.A.Z. exklusiv : Das kommt nun auf Opel zu

Produktion des Opel Ampera in den Vereinigten Staaten: das Elektroauto hat keine Zukunft in den Unternehmen. Bild: AFP

Der Automobilhersteller Opel legt nun seinen Sanierungsplan vor. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat erfahren, was darin steht. Eine Quintessenz: Opel setzt künftig voll auf französische Technik.

          Der Autohersteller Opel wird all seine Fahrzeuge Stück für Stück auf die Technik seines neuen französischen Mutterhauses PSA Peugeot-Citroën umstellen. Die Modellvielfalt soll reduziert und auf margenträchtige Segmente konzentriert werden. Neue Märkte, die unter dem vorherigen amerikanischen Eigentümer General Motors tabu waren, sollen erschlossen werden. Die Kräfte im Einkauf sollen gebündelt und die Arbeitskosten gesenkt werden. Der Standort Rüsselsheim soll ein Kompetenzzentrum für Ingenieurleistungen werden, hier steht insbesondere die teilweise oder vollständige Elektrifizierung aller Fahrzeuge im Fokus. Das sind nach Informationen dieser Zeitung die Kernpunkte des Sanierungsplans, den der Opel-Vorsitzende Michael Lohscheller am kommenden Donnerstag in Rüsselsheim vorstellen wird. Opel orientiert sich damit stark an dem Sanierungsplan, den PSA für sich selbst unter seinem Vorstandsvorsitzenden Carlos Tavares 2014 auf den Weg gebracht hatte und der bis heute beeindruckende Erfolge zeitigt.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Den Mitarbeitern stellt sich die bange Frage, ob es wie seinerzeit bei PSA zu einem gravierenden Stellenabbau kommen wird. Und ob betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Tavares hat stets betont, nach all dem Mitarbeiterabbau der vergangenen Jahre müsse eine andere Lösung gelingen können. Dem Vernehmen nach hat Opel inzwischen in Deutschland mehr Rentner als Mitarbeiter. Es wird wohl zunächst versucht werden, mit Einstellungsstopp, der Ausweitung von Altersteilzeit und Abfindungsangeboten die Mitarbeiterzahl zu reduzieren und auf Kündigungen zu verzichten. Wie es heißt, seien die Arbeitskosten in allen Bereichen zu hoch. Es solle gleichwohl keinen Kahlschlag geben. Zudem will Opel an strategisch wichtigen Stellen weiterhin Personal einstellen.

          Die Autos von Opel werden sukzessive auf Plattformen von PSA gestellt und somit deren Antriebe nutzen. Mit den Motoren und Getrieben von Opel seien die CO2-Ziele nicht zu erreichen, heißt es. Die Antriebe von Peugeot und Citroën seien deutlich effizienter. Im Design soll Opel freilich eigenständig bleiben. Ein Dorn im Auge ist Tavares auch die Preispolitik von Opel. Die Autos werden unter anderem über Eigen- und Händlerzulassungen mit hohen Nachlässen in den Markt gedrückt. Dieses Gebaren hat Tavares seinerzeit unter großen Klagen der Händler auch bei Peugeot und Citroën drastisch reduziert. Opel soll den gleichen Weg gehen und Verkaufspreise, die dichter an den Listenpreisen sind, durchsetzen. Damit würden auch die Restwerte gestützt. Die Kunst wird es sein, die damit drohende Minderauslastung der Fabriken auszubalancieren. Tavares hatte vor kurzem in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, er habe in allen Fabriken von Opel Effizienzdefizite erkannt. Die Prozesse seien umständlich, die Flächenausnutzung verschwenderisch.

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          Opel hat mit seinem Angebot zu kämpfen. Einzige echte Lichtblicke im Portfolio sind die SUV-Modelle Crossland und Grandland, beide tragen aus einer noch vor der Übernahme angeschobenen Kooperation bereits französische Gene. PSA hat sein Angebot von einst 42 Personenwagen auf 26 reduziert. Grundsätzlich gilt als Ziel: ein neues Fahrzeug in jedem Jahr in jeder Region für jede Marke. Zu PSA gehören Peugeot, Citroën und DS. In allen Bereichen, von der Verwaltung bis zur Neuwagenlogistik, arbeitet PSA nach außen mit markenspezifischen Vertretern, nach innen indes mit einheitlich geführten Abteilungen. Hier wird sich Opel eingliedern. Tavares misst jedes Projekt rücksichtslos an der Rendite. Das ist ein Grund, warum das gerade neu aufgelegte Elektroauto Ampera keine Zukunft hat. Es fahre „rote Tinte“ ein, sagt er.

          Messerscharfes Controlling in allen Bereichen ist sein Credo. Mit diesen Maßnahmen ist es ihm gelungen, aus dem Insolvenzkandidaten PSA mit 5 Milliarden Euro Jahresverlust binnen drei Jahren ein profitables Unternehmen zu machen. Der gleiche Fahrplan, der unter offenbar unvermeidlichen Titeln wie „Back in the race“ und „Push to pass“ lief, soll nun für Opel gelten. Schon 2019, lautet die Hoffnung, werde im operativen Geschäft mindestens eine schwarze Null geschrieben. Im Jahr 2020 sollen 2 Prozent Umsatzrendite erreicht werden. PSA wird in diesem Jahr vermutlich 6 Prozent und damit einen Milliardenüberschuss erreichen.

          In Rüsselsheim gibt es derweil erste Klagen, die Franzosen mischten sich in jedes noch so kleine Detail ein. Kekse in Besprechungen seien verboten worden und iPhones als Diensthandys abgeschafft. Die aus Paris entsandten Kollegen wiederum verweisen auf die horrenden Verluste der vergangenen Jahre, die so keinesfalls fortgeschrieben werden könnten. Wie viel Spielraum sich Opel wird bewahren können, auch dazu hat Tavares eine klare Vorstellung. „Die Eigenständigkeit des Opel-Managements ist proportional zu dessen Erfolg“, sagt er.

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