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Obdachlose und Drogendealer : Der Niedergang von San Francisco

Dieser Tage lugt der Glanz von San Francisco nur gerade so aus dem Sumpf der Probleme hervor. Bild: mauritius images / Yun gao / Ala

Der Boom der Tech-Konzerne hat die Stadt in Kalifornien reich gemacht. Der Reichtum der Technologiebranche steht in krassem Gegensatz zum Elend auf der Straße. Doch jetzt zieht auch die IT-Elite weg.

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          Vor kurzem hat Jayson Hill noch einmal in seiner alten Wohnung vorbeigeschaut. Er spürte keine Wehmut, dass er seit Ende August nicht mehr in San Francisco lebt. Stattdessen dachte er an all die Dinge, die er nicht vermissen wird: Die Dealer an jeder Ecke, die ihren Geschäften so unverblümt nachgehen, dass Passanten sehen können, wie Geld und Drogen ihre Besitzer wechseln. Die überall herumliegenden Spritzen. Die menschlichen Fäkalien auf der Straße und den unerträglichen Kloakengeruch. Einmal sah Hill auf dem Bürgersteig einen Toten, der offensichtlich an einer Überdosis gestorben war, ein Gerichtsmediziner war gerade zum Ort des Geschehens gekommen. Hill lief so häufig Drogenabhängigen über den Weg, dass er sich schulen ließ, Narcan zu verabreichen, ein Gegenmittel zu Heroin und anderen Opiaten. Ohne Narcan im Rucksack ging er nicht mehr aus dem Haus.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Corona-Krise hat die Lage noch verschlimmert. Die Bürgersteige in Jayson Hills altem Viertel Tenderloin in der Innenstadt von San Francisco, auf denen sich vorher schon viele Obdachlose tummelten, verwandelten sich in regelrechte Zeltlager. Die Stimmung wurde feindseliger. Hill wurde einmal auf offener Straße bedroht und hatte immer mehr Angst, im Dunkeln sein Haus zu verlassen. „Es fing an, sich wie ein schrecklicher Albtraum anzufühlen“, sagt Hill.

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