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Samsung-Niederlage gegen Apple : „Das ist das schlimmste Szenario für uns“

Konkurrenten: Apple und Samsung
          3 Min.

          Mit einem Erfolg ausgerechnet vor einem Gericht im Herzen des amerikanischen Silicon Valley haben die Manager des südkoreanischen Elektrokonzerns Samsung nie ernsthaft gerechnet. Das harte Urteil des Gerichts in Kalifornien, das Samsung wegen Patentverletzungen zu Schadensersatzzahlungen von 1,05 Milliarden Dollar (838 Millionen Euro) an Apple verpflichtete, hat das Unternehmen dann aber doch überrascht. „Das ist absolut das schlimmste Szenario für uns“, sagte ein Samsung-Vorstand knapp, als er am Sonntag zu einer Krisensitzung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eintraf.

          „Niederlage für den amerikanischen Verbraucher“

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Geleitet wurde die kurzfristig einberufene Krisensitzung von Choi Gee-sung, dem einstigen Samsung-Vorstandschef, der jetzt für die Unternehmensstrategie des Unternehmens verantwortlich ist. Schon dieses Treffen der Samsung-Spitze an einem Sonntag zeigt, wie sehr der südkoreanische Konzern von dem Urteil getroffen worden ist.

          Entsprechend verschnupft fielen die offiziellen Stellungnahmen aus. „Das heutige Urteil sollte nicht als ein Sieg für Apple, sondern als Niederlage für den amerikanischen Verbraucher betrachtet werden“, teilte Samsung in einer ersten Stellungnahme trotzig mit. Der Spruch der amerikanischen Richter werde zu weniger Auswahl, weniger Innovationen und möglicherweise zu höheren Preisen führen. Es sei „bedauerlich, dass das Patentrecht so manipuliert werden kann, dass ein Unternehmen ein Monopol über Rechtecke mit abgerundeten Ecken bekommt“, fügte Samsung dann noch hinzu.

          „Dies ist nicht das letzte Wort in diesem Fall“

          Gleichzeitig gab sich das Unternehmen, das weltweit mit großem Abstand Marktführer im Bereich von Smartphones - vor Apple - ist, kämpferisch. Samsung wird das Urteil der amerikanischen Jury anfechten. „Dies ist nicht das letzte Wort in diesem Fall oder Auseinandersetzungen, die vor Gerichten und Tribunalen weltweit ausgefochten werden“, erklärte der Konzern. Samsung, hieß es in Seoul, sei bereit, den Konflikt notfalls bis zum Obersten Gerichtshof zu tragen. Für die Südkoreaner ist das Urteil nicht mehr und nicht weniger als amerikanischer Protektionismus.

          Samsung hat Apple seit einiger Zeit von Platz 1 auf dem weltweit wachsenden Markt für Smartphones verdrängt. Der südkoreanische Elektrokonzern hat dank des andauernden Smartphone-Booms im zweiten Quartal 2012 abermals ein Rekordergebnis eingefahren. Im Jahresvergleich stieg der Nettogewinn um 48 Prozent auf 5,2 Billionen Won (3,7 Milliarden Euro). Damit brach Samsung seine bisherigen Rekorde bei Umsatz und Gewinn. Samsung hat noch nie in einem Vierteljahr so viel verdient wie im abgelaufenen Quartal.

          Diese Quartalsgewinne zeigen, dass das Urteil der kalifornischen Richter für Samsung schmerzhaft, aber auch verkraftbar wäre. „Die Auswirkungen auf Samsung werden sehr begrenzt sein“, erklärten daher viele Analysten in Seoul. Am Montagmorgen zeigte sich allerdings, dass der Börsenwert des Unternehmens um zwölf Milliarden Dollar sank. Die Aktie rutschte am Aktienmarkt in Seoul rund sieben Prozent in die Tiefe.

          Unbestrittener Marktführer

          Der Konzern profitierte bei Umsatz und Gewinn wie schon in den vergangenen Quartalen vor allem von der bleibend starken Nachfrage nach Smartphones der Galaxy-Reihe. Die Verkäufe des neuen Modells, des Galaxy S III, seien sehr stark, und Samsung rechnet damit, dass auch dieses Smartphone ein großer Erfolg wird, der im kommenden Quartal wieder zu einem sehr guten Ergebnis führen werde, sagte der Vizepräsident des Mobiltelefongeschäfts, Kim Hyunjoon, in Seoul nach der Vorstellung der Quartalszahlen. Samsung werde alles tun, die Möglichkeiten des Smartphone-Marktes auszuschöpfen.

          Das Unternehmen hat seine Verkäufe im vergangenen Quartal auf 50,5 bis fast 52 Millionen Smartphones - die Zahlen der Analysten variieren leicht - fast verdoppelt. Das hat noch kein anderer Anbieter geschafft. Samsung ist damit mit einem Marktanteil von 34,6 Prozent unbestritten Marktführer, der amerikanische Wettbewerber Apple liegt mit rund 26 Millionen verkauften iPhones und einem Marktanteil von 17,8 Prozent mittlerweile weit abgeschlagen auf Rang 2. Smartphones und einfache Mobiltelefone zusammengerechnet, hat Samsung in den vergangenen drei Monaten 93 Millionen Geräte verkauft. Auch das ist weltweit Platz 1.

          Schneller als die Gerichte

          Das wird auch durch das Urteil nicht ernsthaft gefährdet. Zwar schadet es dem Image Samsungs, jetzt als Unternehmen gebrandmarkt worden zu sein, dass seine Wettbewerber dreist kopiert. Doch in Asien ist Samsung mittlerweile eine bekanntere Marke als Apple. Selbst ein mögliches Verkaufsverbot würde den Höhenflug des südkoreanischen Konzerns nach Ansicht von Marktbeobachtern nicht ernsthaft gefährden. Das Unternehmen ist bekannt dafür, schnell zu reagieren und dürfte im Falle eines Verbots schnell leicht veränderte, angepasste Produkte auf den Markt bringen. In früheren Patentstreitigkeiten hatte Samsung neue Produkte bereits fertig entwickelt, bevor die Gerichtsverfahren abgeschlossen waren.

          Der Analyst Chang-Won Chung von der japanischen Investmentbank Nomura kommentierte das Urteil sogar so, dass es Samsung am Ende stärken könnte. Mit allen Berufungen werde das Verfahren noch Jahre dauern, sagte er. Nach Chungs Szenario könnten sich Samsung und Apple, die sich jetzt auf der ganzen Welt vor den Gerichten streiten, am Ende gegenseitig Lizenzen gewähren. So würden sie gemeinsam eine Patentmauer um ihren Teil des Weltsmartphonemarkts aufbauen - immerhin ein Markt mit einem Umsatz von derzeit mehr als 200 Milliarden Dollar.

          Für alle anderen Wettbewerber wäre das eine ernsthafte Bedrohung. Die jetzt verhängten Strafzahlungen könnte Samsung problemlos auffangen. Kleinere Wettbewerber würden angesichts des Preiskampfes vom Markt verdrängt werden, wenn Apple ähnliche Klagen gegen andere Hersteller von Android-Mobiltelefonen anstrebte. Wie in Seoul zu hören war, ist die Stimmung bei Samsung am Ende der Krisensitzung deswegen auch nicht mehr so gedrückt gewesen.

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