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Lee Jae-yong verhaftet : Unruhe in der Samsung-Republik

Lee Jae-yong in seinem Auto nach einer Anhörung Bild: dpa

Der faktische Führer der Samsung-Gruppe, Lee Jae-yong, ist wegen Bestechungsvorwürfen in Untersuchungshaft. Die Märkte reagieren sofort und Aktivisten jubeln.

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          Die Samsung-Gruppe, Südkoreas Vorzeigeunternehmen, ist wie die anderen großen Konglomerate des Landes in seiner Geschichte nicht frei von Korruptionsvorwürfen und staatsanwaltschaftlicher Verfolgung. Die jüngste Entwicklung aber ist auch für Samsung etwas Neues. Zum ersten Mal seit Gründung von Samsung 1938 sitzt ein Spitzenmanager von Samsung hinter Gittern. Das Bezirksgericht in Seoul-Mitte hat am frühen Freitagmorgen der Verhaftung des Samsung-Erben Lee Jae-yong zugestimmt. Die Staatsanwaltschaft hat nun 20 Tage, um Lee anzuklagen. Eine eventuelle Verhandlung kann sich über Monate hinziehen. Dem 48 Jahre alten Lee wird in Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal um Präsidentin Park Geun-hye Bestechung, Veruntreuung und Meineid vorgeworfen. Park wurde im Dezember vom Parlament des Amtes enthoben und wartet seither auf einen Entscheid des Verfassungsgerichts, das die Amtsenthebung bestätigen oder verwerfen muss.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Wir werden unser Bestes tun, damit in künftigen Gerichtsverfahren die Wahrheit aufgedeckt wird“, erklärte eine Sprecherin von Samsung per Email. Lee hat den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen, die anderen Vorwürfe aber nicht kommentiert. Samsung wird vorgeworfen, 43 Milliarden Won (34 Millionen Euro) unter anderem über zwei Stiftungen an eine Vertraute von Präsidentin Park gezahlt zu haben.

          Im Gegenzug sollen Park und ihre Mitarbeiter den Nationalen Pensionsfonds angewiesen haben, der umstrittenen Fusion zweier Unternehmen der Samsung-Gruppe zuzustimmen. Mit dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen hatte Lee seinen Einfluss als Aktionär auf die Samsung-Gruppe und vor allem auf das Kernstück, Samsung Electronics, gestärkt. Am Aktienmarkt in Seoul wurde die Verhaftung mit Verlusten quittiert. Die Aktie von Samsung Electronics verlor zeitweise 1,8 Prozent. Analysten betonen ein Führungsvakuum, das sich mit der Verhaftung Lees zeigen könnte.

          „Ein Wendepunkt für Koreas Gesellschaft“

          Seit sein Vater im Frühjahr 2014 einen Herzinfarkt erlitt und als Führungskraft ausfiel, hat Lee, der Gründerenkel, schrittweise die Leitung des Konglomerats übernommen. Im Herbst wurde der Vize-Vorsitzende Mitglied im Direktorium von Samsung Electronics, dem Juwel der Samsung-Gruppe. Lees Aufgabe im Konglomerat wird in Seoul weitgehend als strategischer Natur beschrieben. Das Tagesgeschäft wird bei Samsung von anderen Managern geführt. Eine Inhaftierung dürfte damit eher langfristige Folgen zeigen. Freilich haben andere inhaftierte Konglomerate in Südkorea auch schon aus dem Gefängnis heraus ihre Unternehmen gelenkt. Die Untersuchungen gegen Samsung aber forderten schon kurzfristig ihren Tribut. Im Dezember verschob das Unternehmen eine großes Stühlerücken im Management, bei dem regelmäßig hunderte von Führungskräften versetzt werden.

          In die großen Bürgerproteste gegen Präsidentin Park haben sich in den vergangenen Wochen auch Rufe nach dem Rücktritt oder der Verhaftung Lees gemischt. „Die Verhaftung Lees ist eine wichtige Entscheidung, die zu einem Wendepunkt in der koreanischen Gesellschaft werden kann“, sagte Kim Chul-soo, ein Vorstandsmitglied von Transparency International in Seoul. Kim verspricht sich von der Verhaftung mehr Transparenz in den Beziehungen Samsungs zur Politik. Der führende Oppositionskandidat für die Nachfolge von Präsidentin Park, Moon Jae-in, wirbt für einen harten Kurs gegen die Intransparenz und Macht der Chabeols.

          ZALANDO SE

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          Die Samsung-Gruppe ist das größte Unternehmenskonglomerat Südkoreas. Der Umsatz der Gruppenunternehmen summiert sich auf rund 20 Prozent des Bruttosozialprodukts. In fast allen Lebensbereichen können Koreaner auf Samsung-Produkte zurückgreifen; oft ist von der Samsung-Republik die Rede. Auch Kim von Transparency International sieht einen großen Einfluss Samsungs auf die nationale Politik. Samsungs Lee betonte dagegen im Dezember in einer öffentlichen Anhörung, dass die Zahlungen an die Stiftungen auf Druck von Park geleistet wurden.

          Wichtiger Erfolg für den Sonderermittler

          Die für Samsung wichtigste Frage ist, ob Lee mit einer Anklage und eventueller Haftstrafe noch als künftiger Vorsitzender der Samsung-Gruppe infrage kommt. Doch zeigen Südkoreas familiengeführte Konglomerate (Chaebols) sich in solchen Fällen üblicherweise recht resistent. Lees Vater, Lee Kun-hee, wurde zwei Mal wegen Bestechung oder Steuerhinterziehung verurteilt, die Haftstrafe aber wegen der großen wirtschaftlichen Bedeutung ausgesetzt und er selbst später vom Präsidenten begnadigt. Seiner Rückkehr an die Unternehmensspitze stand das nie im Wege.

          Für den Sonderermittler, der seit der Jahreswende den Korruptionsskandal gegen Präsidentin Park untersucht, ist die Verhaftung von Lee ein großer Erfolg. Im Januar war er mit einem ersten Antrag auf Haftbefehl vor demselben Gericht gescheitert. Neue Indizien für die vermutete Bestechung führten nun zur Verhaftung. Im Bemühen, die Amtsräume der Präsidentin zu durchsuchen, erlitt der Sonderermittler dagegen in dieser Woche eine juristische Niederlage. Offen ist, wie lange der Sonderstaatsanwalt die Untersuchung noch fortführen kann. Regulär endet das Mandat Ende Februar. Den Antrag auf Verlängerung um einen Monat ist von der Regierung noch nicht gebilligt. Davon könnte abhängen, ob und in welchem Ausmaß der Sonderermittler auch noch gegen andere Konglomerate vorgeht, die gleichfalls verdächtige Zahlungen an die von der Park-Vertrauten beeinflussten Stiftungen gezahlt haben.

          Das Bezirksgericht lehnte am Freitag zugleich einen Haftbefehl für Park Sang-jin, einen hochrangigen Manager von Samsung Electronics, ab. Park wird neben anderem auch Bestechung vorgeworfen. Er leitet die Koreanische Reitsportstiftung und hat Samsungs Zahlungen an ein Unternehmen in Deutschland abgewickelt, mit denen das Reittraining der Tochter der Park-Vertrauten finanziert wurde.

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