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Sambia : Kupfer als Segen und Fluch

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Kupfer ist das wirtschaftliche Rückgrat Sambias Bild:

Sambia, ehedem der viertgrößte Kupferproduzent der Welt, sucht seine Abhängigkeit von dem roten Metall zu reduzieren. Das Land empfiehlt sich als Produktionsstandort für das gesamte südliche Afrika. Doch trotz Kupfer, Kobalt, Tabak und Fotosafaris: Sambia ist bisher ein Land am Tropf.

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          Das Wissen über Sambia beschränkt sich häufig auf den schottischen Missionar und Afrika-Forscher David Livingstone und der nach ihm benannten Stadt im Süden des Landes. Dort entdeckte der Schotte 1855 die mächtigen Wasserfälle des Sambesi, benannte sie nach der britischen Königin „Victoria Falls“ - und verpasste dabei die eigentliche Attraktion des Landes, nämlich den Kupfergürtel im Norden.

          Die großen Kupfer- und Kobaltvorkommen im sogenannten Copperbelt sind Sambias Segen und sein Fluch zugleich. Zurzeit läuft es dank der Nachfrage aus China wieder einmal ganz gut, doch Sambia möchte nicht noch einmal in eine Situation kommen ähnlich der in den neunziger Jahren, als die zuvor verstaatlichten Kupferbergwerke so heruntergewirtschaftet waren, dass sie dem Preisverfall des roten Metalls nichts mehr entgegenzusetzen hatten und das Land so gut wie bankrott war. Seit dieser Zeit sind die Kupferbergwerke wieder privatisiert, die Exporterlöse liegen derzeit jenseits von 2 Milliarden Dollar, wovon die Regierung aber nur 0,3 Prozent erhält. Angesichts der Hausse bei Kupfer investieren die Bergwerke in neue Minen und scheinen dabei nicht sonderlich erschüttert zu sein über die Forderung der Regierung, statt 0,3 Prozent der Bruttoexporterlöse künftig 3 bis 5 Prozent zu zahlen. Für 2 Milliarden Dollar brachten die Konzerne alleine im zurückliegenden Jahr Ausrüstung ins Land.

          Auf dem Papier eine der liberalsten Volkswirtschaften

          Dennoch will Sambia die einseitige Abhängigkeit von Kupfer und Kobalt beenden und sucht sein Glück in der Diversifizierung. Die Vorzeichen dafür sehen zunächst gut aus. Auf dem Papier verfügt Sambia über eine der liberalsten Volkswirtschaften des Kontinents. Es gibt keine Devisenexportkontrolle, und bis zu 100 Prozent der in Sambia erzielten Gewinne können ausgeführt werden. Nachdem das Land mehr als drei Jahrzehnte mit zweistelligen Inflationsraten leben musste, hält sich dieser Wert seit einigen Jahren konstant unter 10 Prozent. Dadurch verbilligten sich auch Privatkredite von ehedem 48 Prozent Zinsen auf akzeptable 16 bis 18 Prozent.

          Die Binnenverschuldung liegt mit etwa 100 Millionen Dollar im Rahmen, und die Auslandsschulden, die sich ehedem auf rund 7 Milliarden Dollar summierten, betragen nach einem umfangreichen Entschuldungsprogramm von Weltbank und Internationalem Währungsfonds noch etwa 700 Millionen Dollar. Das Wirtschaftswachstum betrug im vergangenen Jahr 6 Prozent, das Land gilt als politisch stabil, und seinem Präsidenten Levy Mwanawasa scheint es ernst mit dem Kampf gegen die Korruption. Sichtbarstes Zeichen dafür ist der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten Frederick Chiluba.

          Die Augen sind größer als der Magen

          Daneben hat Sambia nach Ansicht von Dora Siliya, der Handels- und Industrieministerin, unbezahlbare geographische Vorteile. „Schauen Sie auf eine Karte“, sagt sie und zählt die acht Nachbarländer Sambias auf. Geht es nach Siliya, soll Sambia so etwas wie eine Produktions- und Handelplattform für alle diese Länder werden. Abgesehen davon, dass Sambia unter Facharbeitermangel leidet und die Energieversorgung schon lange nicht mehr den Bedarf decken kann, was das Land nicht unbedingt attraktiv für Investitionen macht, offenbart ein Blick auf ebenjene Landkarte eine gehörige Portion Naivität: Zimbabwe kann wohl kaum zu den verlässlichen Handelspartnern gezählt werden, Botswana und Namibia treiben ebenso wie Moçambique Handel überwiegend mit Südafrika, Tansania und Malawi sind nach Kenia ausgerichtet, das boomende Angola ist sich selbst genug, und Kongo wirbt wie Sambia um Industrieansiedlungen, um seine gewaltige Arbeitslosigkeit zu senken.

          Bei einem Unternehmensteuersatz von 35 Prozent (Südafrika: 34 Prozent) und einem Mehrwertsteuersatz von 17,5 (Südafrika: 14 Prozent) halten sich die Anreize ohnehin in Grenzen, in Sambia zu produzieren, anstatt von Südafrika aus nach Sambia zu exportieren. Insofern hat der Weltbankdirektor für Sambia, der Ghanaer Ohene Owusu Nyanin, vermutlich recht, wenn er glaubt, dass in Sambia die Augen größer sind als der Magen.

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