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Christoph Schmidt : Der Kaiser der Volkswirtschaftslehre dankt ab

Christoph Schmidt war seit März 2013 Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, auch „Wirtschafsweisen“ genannt. Bild: dpa

Elf Jahre gehörte Schmidt zu den ehrwürdigen fünf Wirtschaftsweisen, die vergangenen sieben Jahre als Vorsitzender. Diese Amtszeit endet nun. Es ist ein Abschied, den im politischen Berlin nicht jeder bedauert.

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          Verbitterung ist Christoph Schmidt fremd, dabei hätte er Grund dazu. Fast könnte man meinen, die Zeit im Sachverständigenrat der Bundesregierung, dem wichtigsten wirtschaftspolitischen Beratergremium im Land, hätten dem Ökonomen mit dem gutmütigen Lächeln nur Freude bereitet. Allein wegen der Sitzungsmarathons bei der Erstellung der Jahresgutachten kann davon keine Rede sein. Elf Jahre gehörte Schmidt zu den ehrwürdigen fünf Wirtschaftsweisen, die vergangenen sieben Jahre als Vorsitzender. Das ist nun vorbei: An diesem Samstag endet seine Amtszeit; Schmidt, von Ifo-Präsident Clemens Fuest auf seiner jüngsten Abschiedstournee hochachtungsvoll als „Kaiser der deutschen Volkswirtschaftslehre“ tituliert, dankt ab.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist ein Abschied, den im politischen Berlin nicht jeder bedauert. Ob Energiewende, Mindestlohn oder Rentenpolitik – nicht selten lag der Rat mit Kanzleramt und Wirtschaftsministerium über Kreuz, und nicht selten war es Schmidt, der der Regierung öffentlich am lautesten die ordnungspolitischen Leviten las. „Man muss als Politikberater querdenken, aber konstruktiv bleiben“, lautet seine Devise, die er auch seit knapp 20 Jahren als Präsident des RWI-Leibniz-Instituts in Essen beherzigt. Zu fundamentalistisch zu sein, sei ebenso verkehrt wie sich beleidigt zurückzuziehen, wenn man nicht gehört wird. Vor allem aber müsse man „schon erhebliches Frustrationspotential mitbringen“, sagt Schmidt. Denn ein unabhängiges wissenschaftliches Begleitgremium dürfe nicht nur Ermöglichungsinstanz sein. Vielmehr sollte es auch mal gegen den Zeitgeist unangenehme Wahrheiten aussprechen.

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