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Ryanair interessiert : Londoner Flughafen Stansted steht zum Verkauf

  • Aktualisiert am

Ryanair-Maschine in London Stansted Bild: DPA

Vier Jahre lang hat sich die größte britische Flughafenbetreibergesellschaft gegen den Verkauf gewehrt. Doch die Kartellbehörde will, dass die drei größten Flughäfen in London nicht alle demselben Eigentümer gehören. Nun beugt sich das Unternehmen und verkauft. Ryanair würde gerne einsteigen.

          Der Betreiber des Londoner Flughafens Stansted verkauft nun doch. Die Betreibergesellschaft BAA beugt sich nach vier Jahren Widerstand der Entscheidung der britischen Wettbewerbsbehörden und trennt sich von dem nach Passagieraufkommen drittgrößten Londoner Flughafen.

          Die drei großen Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted gehörten lange Zeit allesamt dem Flughafenbetreiber BAA. Der britischen Wettbewerbskommission ist die starke Stellung des Betreibers schon lange ein Ärgernis, sie fürchtet Monopolmacht. Im Jahr 2009 hat die britische Wettbewerbsbehörde die Betreibergesllschaft BAA schließlich aufgefordert, zwei der drei Flughäfen in London abzugeben. BAA hat sich daraufhin vom Flughafen Gatwick getrennt, Londons Flughafen mit dem zweitgrößten Passagieraufkommen. Der Gesellschaft gehört mit Heathrow aber noch der größte Londoner Airport und eben Stansted. Außerhalb  Londons gehören dem britischen Flughafenbetreiber noch die Flughäfen Southampton, Aberdeen und Glasgow.

          Die BAA mit ihrem spanischen Großaktionär Ferrovial hält die Entscheidung der Kartellbehörde aus dem Jahr 2009 zum Verkauf von Stansted zwar immer noch für falsch, weil die Flughäfen Heathrow  im Westen Londons und Stansted im Nordosten unterschiedliche Märkte bedienen würden, wird nun aber nach eigenen Worten den Verkaufsprozess einleiten.

          Obwohl der Flughafen Stansted derzeit nicht sonderlich gut läuft, gibt es seit einigen Jahren bei Investoren ein reges Interesse an britischen Infrastrukturobjekten. BAA hat für den Flughafen Edinburgh im April 807 Millionen Britische Pfund von Global Infrastructure Partners LLC erhalten. Derselbe Käufer hat sich zuvor Gatwick für 1,5 Milliarden Pfund gesichert.

          Am Freitag haben sich auch die Araber aus Katar in den Flughafen-Sektor vorgewagt. Der Staatsfonds Qatar Holding LLC hat sich für 900 Millionen Pfund ein Fünftel der BAA-Anteile gesichert. Trotz des Stansted-Verkaufs sei BAA für Katar interessant, sagte Investec-Analyst John Lawson. „Heathrow ist einer der wichtigsten und geschäftigsten Flughäfen der Welt“, fügte er hinzu.

          Ryanair gilt als Interessent - mit geringen Chancen

          Als potenzieller Käufer für Stansted gilt die Manchester Airports Group. Der Besitzer einer Handvoll britischer Flughäfen ist derzeit auf der Suche nach einem Partner, um den Kauf zu finanzieren. Stansted wurde zuletzt mit rund 1 Milliarde Pfund bewertet. Auch die Billigfluglinie Ryanair hat bereits vor vier Jahren Interesse an Stansted bekundet.  Die Airline ist der Hauptnutzer des Flughafens. Zwei Drittel der Sitzkapazität, die Ryanair verkauft, sind Flüge von und nach Stansted. Damals war von einem Kaufpreis von rund 2,5 Milliarden Euro die Rede. Inzwischen geht es wohl nur noch um einen kleineren Anteil: Vor etwa zwei Wochen hat Ryanair-Finanzchef Howard Millar gesagt, dass mehrere Interessenten an sein Unternehmen herangetreten seien mit dem Angebot, sich an einer Offerte zu beteiligen. Berichten zufolge würde die Fluggesellschaft gerne 25 Prozent an Stansted übernehmen. Wegen Kartellbedenken räumen Experten den Iren aber nur geringe Chancen ein.

          Bis zum Verkauf von Stansted wird es noch etwas dauern. „Der Verkaufsprozess ist in einem sehr frühen Stadium und bisher sind noch keine Banken mit dem Verkauf mandatiert worden“, sagte eine BAA-Sprecherin.

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