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RWE : Gewinnsprung trotz hoher Kundenverluste

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So ändern sich die Zeiten: RWE-Chef Jürgen Großmann an der Ökostrom-Zapfsäule Bild: dpa

Trotz hoher Kundenverluste hat der RWE-Konzern 2007 einen kräftigen Gewinnsprung verbucht. In diesem Jahr rechnet der zweitgrößte deutsche Energieversorger jedoch nur mit einem stagnierenden Ergebnis. Die Börse reagierte enttäuscht.

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          Der Energiekonzern RWE hat wegen des wachsenden Wettbewerbs auf dem deutschen Strommarkt im vergangenen Jahr etwa 250.000 Kunden verloren. Das entspricht einem Minus von rund 3,6 Prozent. „Die See wird rauer“, sagte Konzernchef Jürgen Großmann am Freitag bei der Vorstellung der Bilanz 2007 in Essen. Nun will der Energieriese mit innovativen Angeboten wie beispielsweise Strom mit einer dreijährigen Preisgarantie gegensteuern. Außerdem will der Konzern nach Jahren der Konsolidierung wieder im Ausland wachsen.

          Gedämpfte Gewinnerwartungen

          Unter Druck sieht sich RWE auch zunehmend durch staatliche Auflagen und die Regulierungsbehörden. Die verschärften Rahmenbedingungen im CO2-Emmissionshandel und weitere Kürzungen der Netzentgelte werden das RWE-Ergebnis Großmann zufolge im laufenden Jahr mit mehr als 1,5 Milliarden Euro belasten. Der Konzern geht deshalb mit deutlich gedämpften Gewinnerwartungen in das Jahr 2008.

          Beim Betriebsgewinn rechnet der RWE-Konzern nicht - wie in den vergangenen Jahren mit deutlichen Zuwächsen, sondern will lediglich „mindestens das Niveau des Vorjahres“ erreichen. Im Jahr 2007 bescherten die hohen Strompreise dem Konzern trotz der Kundenverluste noch ein deutliches Plus. Der zweitgrößte deutsche Energieversorger steigerte sein Betriebsergebnis um fast 15 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Die Börsen honorierten dieses Ergebnis allerdings nicht (siehe dazu auch: Stromschlag für die RWE-Aktie).

          Stagnierender Umsatz

          Das um Einmaleffekte bereinigte nachhaltige Nettoergebnis erhöhte sich sogar um 21 Prozent auf knapp 3 Milliarden Euro. Das in der Bilanz ausgewiesene Nettoergebnis lag mit 2,7 Milliarden Euro um fast ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Dies begründete der Konzern mit Einmaleffekten wie dem Verkauf der britischen Wasser-Tochter Thames Water, die 2006 das Ergebnis um 1,6 Milliarden Euro aufgebläht hatten. Der Umsatz des Energieriesen stagnierte 2007 bei 42,5 Milliarden Euro.

          Die Zeit der Umsatzstagnation soll nach dem Willen des neuen Konzernchefs schon bald der Vergangenheit angehören. Großmann verordnete RWE eine neue Zukunftsstrategie unter dem Motto „Mehr Wachstum, weniger CO2!“.

          Ausbau der Auslandsmärkte

          Vor allem das Auslandsgeschäft soll kräftig ausgebaut werden. Geplant ist der Markteintritt in der Türkei und die Ausweitung des Engagements in Südosteuropa. Aber auch in Russland prüft RWE die Optionen. Insgesamt soll der Ergebnisanteil des Auslands bis 2012 von derzeit 36 auf rund 50 Prozent steigen.

          Deutlich ausbauen will der Konzern auch sein Engagement bei erneuerbaren Energien. Die Kapazitäten bei Windkraft, Wasserkraft und Co. sollen von derzeit 1.100 Megawatt auf 4.500 Megawatt im Jahr 2012 und mehr als 10.000 Watt im Jahr 2020 ausgebaut werden. Dadurch und durch neue, effizientere Kraftwerke will der Konzern seinen CO2-Ausstoß bis 2012 um mehr als 20 Prozent reduzieren.

          600 Millionen jährliche Einsparungen

          Auch im Gasgeschäft will RWE wachsen. Die Öl- und Gasgewinnung soll bis 2013 verdoppelt werden, der Anteil am deutschen Gasmarkt von 8 auf 10 Prozent steigen. Die Ertragsziele sind mittelfristig ebenfalls ehrgeizig. Das betriebliche Ergebnis soll durch organisches Wachstum bis 2012 um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr gesteigert werden. Das nachhaltige Nettoergebnis will der Konzern bis 2012 im Schnitt um 5 bis 10 Prozent erhöhen. Dabei helfen sollen auch Einsparungen, die sich bis 2010 auf 600 Millionen Euro jährlich summieren sollen. Zudem seien weitere Effizienzsteigerungen geplant, hieß es. Konkrete Details nannte der Vorstandsvorsitzende nicht.

          Vorläufig als gesichert sieht Großmann die Zukunft des Kernkraftwerks Biblis an. „Wir werden beide Blöcke bis über das Endes des Jahres 2009 in Betrieb halten“, kündigte der Manager an. Damit kann der Konzern weiter hoffen, nach der nächsten Bundestagswahl von einer möglichen Verlängerung der Kraftwerkslaufzeiten zu profitieren.

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