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Helmut Bünder (bü.)

Energiewende : Grüner Sinneswandel bei RWE?

  • -Aktualisiert am

Windkraftanlagen ragen in der Nähe von Alpen-Veen an der Dickstraße aus dem Morgennebel. Bild: dpa

RWE verabschiedet sich von seinen Plänen für einen neuen Braunkohlemeiler – und verkauft das als Beleg für das Ergrünen des Konzerns. Doch das Projekt war sowieso erledigt.

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          Willkommen in der Realität: Es hat ein wenig gedauert, aber nun hat auch RWE eingesehen, dass neue Kohlekraftwerke in Deutschland keine Zukunft mehr haben. Ein Vierteljahr nach dem Abschlussbericht zum Ausstieg aus der Kohleverstromung legt er seine Pläne für einen neuen Braunkohlemeiler im Rheinischen Revier endgültig zu den Akten.

          Betrieben mit Brennstoff aus den benachbarten Tagebaugebieten Hambach und Garzweiler sollte die Anlage in Niederaußem ältere und weniger effiziente Blöcke ersetzen. Schon der Verfall der Strompreise in den vergangenen Jahren hatte die Kalkulationen für die Anlage, laut RWE das „modernste und umweltfreundlichstes Kraftwerk“ im Revier, ins Schleudern gebracht. Mit dem Bericht der Kohlekommission, nach deren Empfehlungen nicht einmal der fast fertige Steinkohlenmeiler von Uniper in Datteln ans Netz gehen darf, war das Projekt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch erledigt.

          Das hält Vorstandschef Rolf Martin Schmitz nicht davon ab, die Einstellung der Bauplanungen als weiteren Beleg für das Ergrünen des Braunkohlekonzerns zu preisen: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und treiben die Energiewende konsequent voran. Neue Kohlekraftwerke haben in unserer Zukunftsstrategie keinen Platz mehr“, tat er per Pressemitteilung kund. Durch die geplante Übernahme der Ökostrom-Aktivitäten von Innogy und Eon werde RWE zu einem der „global führenden Erzeuger“ erneuerbarer Energien.

          Das heißt freilich nicht, rasch endgültig aus der Kohle auszusteigen. Bei Windflaute und bedecktem Himmel wird sich damit nämlich gutes Geld verdienen lassen. Und für die alten Meiler, die auf Geheiß des Staates für den Klimaschutz doch vorzeitig vom Netz sollen, pokert Schmitz um Entschädigungen in Milliardenhöhe.

          Aber vielleicht wird die Kohle auch noch sehr viel länger gebraucht. Schmitz ist jedenfalls noch nicht davon überzeugt, dass es bis zum Jahr 2030 gelingen wird, 65 Prozent des Strombedarfs aus regenerativen Quellen zu decken. Ausgerechnet beim Ausbau der Windkraft, einem seiner neuen Hoffnungsträger hakt es, weil die Genehmigungsverfahren so lange dauern. Und deshalb ruft der RWE-Chef – nach einer neuen Regierungskommission. 

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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