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Oberster Industrielobbyist : Russwurm wird BDI-Präsident

Siegfried Russwurm Bild: dpa

Der Bundesverband der Deutschen Industrie - kurz: BDI - hat einen neuen Präsidenten gewählt. Nachfolger von Dieter Kempf wird der frühere Siemens-Manager Siegfried Russwurm.

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          Die deutsche Industrie hat eine Allzweckwaffe. Ob in verschiedenen Ämtern bei Siemens, als Aufsichtsratsvorsitzender bei Voith oder Thyssen-Krupp oder als intellektueller Vordenker der Industrie 4.0 – Siegfried Russwurm hat in vielen Rollen überzeugt. Und da er überdies ein Netzwerker und Kommunikator ist, scheint es geradezu folgerichtig, dass er im Januar als Nachfolger des IT-Spezialisten Dieter Kempf als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie antreten soll. Mitte Juni schlug ihn Kempf vor, am Montag beschloss das BDI-Präsidium die Personalie.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Russwurm ist ein typisches Siemens-Gewächs. Geboren und aufgewachsen in Franken, hängt er dem Fußballverein 1. FC Nürnberg an und studierte an der Universität Erlangen-Nürnberg Fertigungstechnik. Als promovierter Ingenieur stieg er zunächst in der Medizintechniksparte auf. Nach einem Auslandsaufenthalt in Schweden wurde er Bereichsvorstand und rückte unter dem Konzernchef Peter Löscher in den Zentralvorstand auf. 

          Als Personalvorstand hatte er mit schmerzhaften Einschnitten durch den Konzernumbau zu tun. Doch seine damaligen Gesprächspartner betonen, dass er immer mit ihnen auf Augenhöhe verhandelt habe. Sogar ein Bier trinken würden Weggefährten mit ihm, was längst nicht für alle Siemens-Vorstände gilt.

          Als bekennender Technikfreak konnte er auch bald wieder für andere Aufgaben gewonnen werden. Zwei Jahre später übernahm er als Vorstand die Industriesparte von Siemens, weitere drei Jahre später erhielt er die Zuständigkeit für Technologie und ein weiteres Mal für Personal. Doch mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser war sein Verhältnis spannungsreich. Mit seiner Vita und seiner Kompetenz konnten sich einige bei Siemens auch ihn an Kaesers Stelle an der Spitze vorstellen.

          Im Jahr 2016 kam es zum Bruch. Russwurm wurde abermals für Spitzenpositionen in der deutschen Industrie gehandelt, doch er begnügte sich mit Aufsichtsratsmandaten beim Machinenbau-Unternehmen Voith und beim Technologiekonzern Thyssen-Krupp. Vor allem aber zog er als Berater durch die Lande, der Rat des verheirateten Vaters zweier Kinder beim Umbau der Industriegesellschaft auf eine digitalisierte Produktion war gefragt.

          Auch in seinem neuen Amt wird dieses Wissen gefragt sein, denn der künftige Wohlstand Deutschlands hängt nicht zuletzt davon ab, ob die starke Industrie die technologische Transformation hinbekommt. Dabei kommt ihm neben der praktischen Erfahrung zugute, dass er an seiner Heimatuniversität seit 2009 als Honorarprofessor aktiv war und somit auch die akademischen Hintergründe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz kennt. Auch in der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) hat er sich engagiert.

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