https://www.faz.net/-gqe-a93er

Sputnik V : Einer der gefragtesten Impfstoffe der Welt

Vergleiche zum Zweiten Weltkrieg

Die Studie aus „The Lancet“ hat nicht alle, aber viele Fragen beantwortet. Auch der Kreml nutzt die Veröffentlichung, um im eigenen Land für den Impfstoff zu werben; Präsident Wladimir Putin lobte das Fachjournal für seine „Objektivität“. Als „The Lancet“ im Dezember eine Studie über die Vergiftung des Oppositionellen Alexej Nawalnyj mit dem Kampfstoff Nowitschok publiziert hatte, hatte Putins Sprecher dazu noch gesagt: „Wir lesen keine medizinischen Zeitschriften“. Nun bietet der Erfolg von „Sputnik V“ Russland Gelegenheit, sein angeschlagenes Bild in der Welt aufzubessern. Dafür werden große Vergleiche bemüht. So zog der RDIF eine Verbindung zum Zweiten Weltkrieg: „Sputnik V“ wolle mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zusammenarbeiten, um dieser Herausforderung an die Menschheit zu begegnen, „genau wie wir es im zweiten Weltkrieg getan haben“.

Auch die EU-Zulassung strebt Moskau nach eigenen Angaben an. Doch kamen hierzu widersprüchliche Angaben aus Russland, die neue Zweifel an der Seriosität der Verantwortlichen säen: Schon Ende Januar hatte der RDIF bekannt gegeben, die EU-Zulassung beantragt zu haben. Dies wies die Arzneimittelagentur EMA zurück: Es habe lediglich eine „wissenschaftliche Beratung“ stattgefunden und die Entwickler hätten ihr Interesse am Beginn eines „Rolling-Review“-Verfahrens ausgedrückt.

In Russland ist das Vertrauen in Sputnik V gering

In diesem Prüfverfahren, das in der Pandemie angewandt wird, um Zeit zu sparen, senden die Impfstoffentwickler schon während der klinischen Studien fortlaufend Daten an die EMA. Vorher prüft aber die EU-Agentur, ob der Impfstoff vielversprechend ist und ausreichend Daten vorliegen. Erst wenn die EMA ihr Einverständnis gibt, können die Entwickler einen Antrag auf „Rolling Review“ stellen. Der RDIF twitterte Mitte Februar, dieser Antrag sei gestellt. Die EU-Arzneimittelagentur bestätigte aber der F.A.Z., dass dies nicht der Fall sei. Man definiere „im Dialog mit dem Unternehmen“ nächste Schritte.

Klar ist, dass die Anforderungen der EMA sehr hoch sind; so müssen etwa alle Patientendaten aus den Studien eingereicht und die Produktionsstätten inspiziert werden. Zudem fordert die EMA inzwischen auch belastbare Daten zur Wirksamkeit der Vakzine gegen die neuen Virus-Mutationen. Laut dem staatlichen Moskauer Gamaleja-Institut, das „Sputnik V“ entwickelt hat, sollen Auffrischungsimpfungen auch gegen die britischen und südafrikanischen Varianten helfen. Daten sind hierzu aber noch nicht veröffentlicht worden.

In Russland spielen die Mutationen bisher fast keine Rolle. Die Infektionszahlen sinken, obwohl es kaum Einschränkungen gibt, Abstands- und Maskenregeln nur halbherzig befolgt werden und bisher nur 2,7 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfstoffdosis erhalten haben. Zwar können sich in vielen Regionen inzwischen alle Erwachsenen impfen lassen, doch das Vertrauen ist gering.

Weitere Themen

San Marino bietet Impfurlaub an

Sputnik V für 50 Euro : San Marino bietet Impfurlaub an

Zwei Impfungen mit Sputnik V im Abstand von drei Wochen: Touristen in San Marino können sich dort mit dem russischen Impfstoff impfen lassen. Sputnik V ist in der EU noch nicht zugelassen.

Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

Topmeldungen

Rettungskräfte in der südisraelischen Stadt Sderot versorgen eine Frau nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen am 12. Mai

Angriffe in Israel und Gaza : Wenn man die Angst hören kann

Die Heftigkeit der Angriffe der Hamas und des israelischen Militärs, aber auch der Gewalt in Israel selbst haben viele überrascht. Und alle fragen sich: Wird diese „Runde“ bald vorüber sein und wird sich etwas ändern?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.