https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/russland-schwimmendes-atomkraftwerk-soll-strom-liefern-16321282.html

Russland : Atomkraftwerk vor Anker

Das schwimmende Atomkraftwerk „Akademik Lomonossow“ in einem Hafen der Stadt Murmansk. Bild: dpa

Eine kleine Stadt im Osten Russlands soll bald von einem schwimmenden Atomkraftwerk mit Strom versorgt werden. Der Erbauer will die Idee exportieren.

          4 Min.

          Am Hafen von Murmansk im Nordwesten Russlands liegt derzeit ein ungewöhnliches Schiff vor Anker: Die „Akademik Lomonossow“, 144 Meter lang und 30 Meter breit, gestrichen in freundlichem Weiß mit hübschen roten und blauen Streifen. Nichts deutet darauf hin, dass dieses Schiff ein Atomkraftwerk ist, das „einzige schwimmende der Welt“, wie der Erbauer, die staatliche russische Atomgesellschaft Rosatom, stolz verkündet. Noch in diesem Jahr soll es in Betrieb gehen. Dafür muss es aber, da es selbst keinen Antrieb hat, noch ein paar tausend Kilometer bis an seinen Zielort geschleppt werden: nach Pewek, den nördlichsten Hafen Russlands auf der spärlich besiedelten Halbinsel Tschukotka.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Dort soll das Schiff die kaum 5000 Einwohner von Pewek sowie einige Bohrinseln vor der Küste mit Strom versorgen. Nun brüstet sich Rosatom damit, dass die beiden Reaktoren mit einer Leistung von je 35 Megawatt Strom für 100.000 Menschen oder 20 Städte der Größe von Pewek generieren könnten. Doch dient die Akademik Lomonossow noch einem anderen Zweck: Sie ist eine Art Ansichtsexemplar für potentielle Kunden aus Afrika und Südostasien. Das Interesse sei groß, sagte ein Vertreter von Rosenergoatom, dem Betreiber der zivilen russischen Kernkraftwerke, schon vor zwei Jahren; schwimmende Atomkraftwerke seien für alle Länder interessant, die viel Küste und zu wenig Energiequellen hätten. Doch den Kunden sei es wichtig, das Schiff zuerst in Aktion zu sehen. Auch in Russland soll irgendwann eine ganze Flotte solcher schwimmender Kraftwerke Öl- und Gasbohrungen in schwer zugänglichen Gegenden ermöglichen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Andirj Melnyk in seinem Büro in der ukrainischen Botschaft in Berlin.

          Botschafter Melnyk : Verschwinden wird er sicher nicht

          Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk wird Deutschland zum Herbst verlassen. Zuletzt hat der Diplomat überzogen, stand in der Kritik. Gegenüber der F.A.Z. weist er die Vorwürfe von Antisemitismus und Polenfeindschaft zurück.

          Appell der Intellektuellen : Putins nützliche Idioten

          Deutsche Intellektuelle fordern einen Waffenstillstand im Ukrainekrieg und leugnen den Unterschied zwischen dem Aggressor und denen, die Widerstand leisten. Das spielt dem Machthaber im Kreml in die Hände. Ein Gastbeitrag.