https://www.faz.net/-gqe-9mb4a

Energieversorgung : Russland schickt verunreinigtes Öl nach Westen

Blick auf eine Pumpanlage am Ende der Erdöl-Pipeline „Druschba“ (Freundschaft) in der Raffinerie PCK Schwedt. Bild: AP

Polen nimmt derzeit kein Öl aus russischen Leitungen mehr ab, weil die Flüssigkeit zu stark verunreinigt ist. Der Preis für Rohöl steigt auf den höchsten Stand in diesem Jahr.

          4 Min.

          Eine Unterbrechung russischer Öllieferungen Richtung Westen durch Polen nährt Sorgen vor Lieferengpässen in den neuen Ländern. Der Mineralölwirtschaftsverband sprach von einer „besonderen Situation“. Man müsse abwarten, wie sich die Lage in den kommenden Tagen entwickeln werde. Ein Beteiligter sagte der F.A.Z.: „In Ostdeutschland gibt es ein Versorgungsproblem.“ In Kreisen der Branche wurde darauf verwiesen, dass beide ostdeutsche Raffinerien in Schwedt an der Oder und in Leuna auf die Belieferung mit russischem Öl durch die „Freundschafts“-Leitung angewiesen seien. Allerdings lagerten Ölreserven in Tanks für mehrere Tage, in den Häfen Danzig und Rostock könnten zusätzliche Ölmengen in das System gepumpt werden.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Vor dem Hintergrund sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, die Versorgung sei gesichert, Reserven müssten nicht angezapft werden. „Wir sind entspannt.“

          Der Rohölpreis stieg dennoch am Donnerstag auf den höchsten Stand in diesem Jahr. Russlands Vize-Ministerpräsident Dimitri Kosak kündigte eine Wiederaufnahme der Lieferung für Montag an.

          Polen hatte die Übernahme russischen Öls am Mittwochabend gestoppt, nachdem starke Verunreinigungen mit Chloriden nachgewiesen worden waren. Unterschiedliche Quellen nannten einen unterschiedlichen Grad der Verschmutzung, allerdings stimmten sie darin überein, dass der zulässige Wert um ein Vielfaches übertroffen worden sei. Öl in dieser Qualität könne technisch von den Raffinerien nicht mehr problemlos verarbeitet werden.

          Alternative Transportrouten möglich

          Einen Öl-Engpass wird es hierzulande laut Experten aber nicht geben. Deutschland habe eine weit verzweigte Logistik-Kette. Zudem seien die Öllager wegen der eher milden Witterung gut gefüllt. Erst bei einem Lieferausfall über viele Wochen könnten sich Probleme einstellen. Das Niedrigwasser im vergangene Sommer habe gezeigt, dass man Versorgungsprobleme durch alternative Transportrouten bewältigen könne, hieß es in der Branche. Allerdings hätten diese dann auch ihren Preis, der sich an der Zapfsäule niederschlage.

          Unklarheit herrschte am Donnerstag zunächst darüber, wie das im Leitungssystem befindliche verunreinigte Öl gesäubert werden und wann die Leitung wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen könne. Vermutlich müsse man das verschmutzte Öl entnehmen und lagern, sodann mit anderem Öl „solange aufmischen, bis die Grenzwerte stimmen“. 

          Bereits Ende vergangener Woche hatte sich der staatliche weißrussische Ölkonzern Belneftechim über einen „abrupten Qualitätsabfall“ des aus Russland stammenden Urals-Öls beschwert: Darin sei ein Anteil von organischem Chlorid gemessen worden, der das zulässige Maß um das Zehnfache übersteige. Organisches Chlorid wird bei der Ölförderung eingesetzt, muss aber vor dem Transport wieder herausgefiltert werden, weil es Schäden in Raffinerien anrichten kann.

          Russland gesteht „technische Probleme“ ein

          Das verunreinigte Öl wurde über die mehr als 5000 Kilometer lange Pipeline „Druschba“ (Freundschaft) geliefert, die noch aus sowjetischer Zeit stammt und über die russisches Öl nach Weißrussland fließt. Dort teilt sich die Pipeline in zwei Stränge: der nördliche führt durch Polen nach Deutschland, der südliche durch die Ukraine, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Kroatien. Nach Angaben von Belneftechim soll verunreinigtes Öl schon am Dienstag in der Ukraine und in Polen angekommen sein.

          Weitere Themen

          Netflix fürchtet neue Konkurrenz nicht

          Videodienst : Netflix fürchtet neue Konkurrenz nicht

          Netflix sagt voraus: Apple und Disney werden das eigene Wachstum nur kurzfristig bremsen. Die Quartalszahlen des Videodienstes sind durchwachsen, aber die Börse ist zufrieden.

          In China lauert die Korruption bis heute

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.