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Trotz steigender Inflation : Russland erklärt Finanzkrise für beendet

  • Aktualisiert am

Von Krise keine Spur? Der russisches Finanzminister Anton Germanowitsch Siluanow Bild: Reuters

Russlands Währungsreserven schmelzen, und die Inflationsrate steigt weiter an. Dennoch vermeldet die russische Regierung das Ende der Währungskrise.

          Die russische Regierung hat ungeachtet eines kräftigen Inflationsanstiegs sowie des rasanten Schwundes seiner Devisenreserven die Währungskrise für beendet erklärt. Die Turbulenzen auf dem Devisenmarkt seien nach Ansicht der Regierung vorüber, erklärte Finanzminister Anton Siluanow am Donnerstag. Der Verfall der russischen Währung sei vielmehr gestoppt: „Wir sehen eine Tendenz der Rubel-Stärkung“, sagte er.

          Der Rubel war vergangene Woche wegen des rasanten Ölpreis-Rückgangs sowie wegen der westlichen Sanktionen auf den tiefsten Stand seiner Geschichte gefallen. Die Währung erholte sich jedoch tatsächlich wieder etwas, nachdem die Behörden entschieden gegen den Kursverfall vorgegangen waren.

          Jedoch durchlebt Russland wegen westlicher Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts und angesichts eines stark gefallenen Ölpreises derzeit noch immer eine Krise. Der russische Haushalt hängt zum Großteil von den Einnahmen aus dem Ölverkauf ab, weshalb 2015 eine Finanzlücke klafft.

          Chance zur „inneren Erneuerung“

          Kremlchef Wladimir Putin sagte, die Krise sei neben äußeren Faktoren auch auf eigene wirtschaftliche Probleme zurückzuführen. Die Lage biete die Chance für eine „innere Erneuerung“. Putin lobte die jüngsten Schritte der Regierung im Kampf gegen die Krise.

          Die russischen Gold- und Devisenreserven waren durch die Stützungskäufe zuletzt auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen. Die Moskauer Notenbank bezifferte die Reserven auf 398,9 Milliarden Dollar - ein Rückgang von 15,7 Milliarden Dollar innerhalb einer Woche. Zuletzt hatte die Summe im August 2009 unter 400 Milliarden Dollar gelegen. Die Notenbank hat in diesem Jahr insgesamt mehr als 80 Milliarden Dollar zur Stützung des Rubel ausgegeben.

          Nach Angaben der Regierung hat der Wertverlust des Rubel die Inflationsrate zuletzt auf 10,4 Prozent erhöht. Bis Jahresende könne die Preissteigerung sogar auf rund elf Prozent steigen. Die Preissteigerung hatte zuletzt während der Finanzkrise 2009 die psychologisch wichtige Schwelle von zehn Prozent überschritten.

          Aus Angst vor Zahlungsausfällen stellen immer mehr staatliche und private Großunternehmen bereits Anträge auf Garantien, Kredite und andere Hilfsmaßnahmen. Darunter waren bisher etwa der Ölkonzern Rosneft, die VTB Bank und die Fluggesellschaft Transaero. Die Regierung stellte Hilfen aus dem nationalen Wohlstandsfonds in Aussicht, der aktuell mit vier Billionen Rubel (63 Milliarden Euro) gefüllt ist.

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