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Gleichberechtigung in Russland : Liebesgrüße aus dem letzten Jahrhundert

Eine junge Russin macht am Roten Platz in Moskau ein Selfie. Bild: AP

Die russische Frau muss sich neben der Arbeit um Kinder und Haushalt kümmern und noch dazu immer perfekt aussehen. Nie stand es um die Gleichberechtigung in Russland so schlecht.

          6 Min.

          Bevor Anastassija Tuman in ihre Werkstatt geht, schminkt sie sich sorgfältig. Sie zieht einen schwarzen Jogginganzug an und neongelbe Plateau-Turnschuhe, setzt ein Käppi auf. Das lange Haar darunter glänzt wasserstoffblond, ihre Fingernägel sind perfekt lackiert. Tuman, eine 29 Jahre alte zierliche Frau, ist Automechanikerin in Moskau. Ihre Mini-Werkstatt, wie sie sie nennt, liegt in einem Gewerbegebiet am Rande eines staubigen Parkplatzes, auf dem Männer an Baufahrzeugen herumschrauben.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Tuman öffnet die Tore zu einer hohen Garage, in die nur ein einziges Auto passt. Kunden kommen ohnehin keine hierher: Der Ort ist bloß Kulisse für Tumans Videos, die auf Youtube bis zu vier Millionen Mal gesehen werden. Darin möbelt sie Gebrauchtwagen auf und verkauft sie weiter; fährt in getunten Autos Taxi und überrascht die Passagiere mit ihrem rasanten Fahrstil, oder sie stellt, in der Serie „Automädchen“, andere Russinnen vor, die Autos lieben, Lastwagen- und Rennfahrerinnen. Dass diese meist ebenso blendend aussehen wie Tuman, die selbst gern in knapper Kleidung auftritt, mag zum Erfolg ihres Blogs beitragen. Zumindest für die weiblichen Fans, die zuletzt mehr geworden sind, dürfte aber etwas anderes ausschlaggebend sein: dass Frauen wie Tuman in Russland eine Ausnahmeerscheinung sind.

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