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Energie-Embargo : Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren, jetzt!

  • -Aktualisiert am

Wie lange reicht der Vorrat noch? Erdgasspeicher im niedersächsischen Rehden Bild: dpa

Notfallpläne zu beschließen, die erst bei Knappheit greifen, reicht nicht. Jede Kilowattstunde Gas, die nun eingespart wird, mildert die möglichen Unbilden eines späteren Embargos. Die Bundesregierung muss Anreize setzen. Ein Gastbeitrag.

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          Deutschland steht vor einer neuen energiepolitischen Herausforderung. Neben der Bekämpfung des Klimawandels geht es nun, im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, um die Knappheit an Kohle, Öl und vor allem Gas. Schon jetzt sind die Preise für fossile Brennstoffe, vor allem Erdgas, deutlich höher als vor einem Jahr. Dabei hatten wir noch das Glück, dass der Februar überdurchschnittlich warm und stürmisch war. So war der Heizaufwand in diesem Monat relativ gering und die Windstromproduktion hoch. Ohne diese Sonderentwicklung hätten die Vorräte in den Gasspeichern vielleicht nicht gereicht. Deren Füllstände sind seit Anfang 2021 gesunken, zum Teil, weil die Unternehmen auf ein Absinken der Preise spekulierten, zum Teil, weil das russische Unternehmen Gazprom den ihm gehörenden Speicher Rehden, den größten deutschen Speicher, seit dem Frühjahr 2021 überhaupt nicht mehr befüllt hat.

          Die Bundesregierung lehnt ein Embargo für russisches Gas ab. Man kann aber die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Russland von sich aus zu einem strategisch gewählten Zeitpunkt den Gasexport nach Deutschland stoppt. Im Winter, wenn der Energiebedarf sehr hoch ist, könnte ein solcher Stopp massiven Schaden anrichten. Wir sollten nicht erwarten, dass wir dann wieder Wetterglück haben. Vielmehr sollten wir uns schon jetzt auf die Möglichkeit eines Lieferstopps vorbereiten, um die Gefährdung der deutschen Volkswirtschaft möglichst gering zu halten. Dies gilt auch dann, wenn wir nicht von uns aus ein Embargo verhängen wollen.

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