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Rushhour des Lebens : Zwischen 30 und 40 muss alles passieren

  • -Aktualisiert am

„Die überforderte Generation“

Zwischen 30 und 40 kommt es aber umso härter. Junge Paare leisten sehr viel mehr in kürzerer Zeit als ihre Eltern. „Die überforderte Generation“ nennt Bertram diese Kohorte, die in zehn Jahren beruflich erfolgreich, privat glücklich und auch noch kinderreich werden soll, damit die Rente stimmt. „Das ist ganz schön viel, was die Gesellschaft da einfordert“, sagt Bertram.

Für die Jüngeren zeigt sich aber ein Silberstreif am Horizont: Sie kommen viel früher auf den Arbeitsmarkt. Wer mit 17 Abitur macht und mit Anfang 20 den Bachelor-Titel hat, dessen Zeitfenster für Familie und Karriere öffnet sich weiter. „Heute sieht man viel mehr junge Leute in Führungspositionen“, sagt Sörge Drosten, Personalberater bei Kienbaum. „Mit 26 Jahren die Verantwortung für ein paar Dutzend Leute und ein großes Budget zu haben, das ist keine Seltenheit mehr.“ Die anstrengendste Phase der Karriere könnte bald nicht in den späten 30er Jahren liegen, sondern früher. „Dann könnten sich junge Frauen nach den ersten Karrierestufen früher Zeit für die Familienplanung nehmen.“ Umgekehrt könnten die endgültigen Zielposten der Karriere schon mit 45 erreicht werden, sagt Drosten. „Dann kann man sich auch um Teenager-Kinder intensiver kümmern.“

Weniger Hausarbeit, schneller essen

Doch noch wird zwischen 30 und 40 geackert, und die Rush Hour wird zur Last. Psychologen haben ermittelt, dass Paare mittleren Alters viel gestresster sind als junge oder ältere Paare. „Wenn man gar nicht abschaltet, läuft der Organismus ständig auf Hochtouren“, erläutert der Schweizer Stressforscher und Psychologieprofessor Guy Bodenmann. „Das hält er auf Dauer nicht aus.“ Erst zeigen sich körperliche Symptome, dann mentale oder psychische Folgen bis zu Angststörungen und Depressionen.

Auf der Überholspur des Lebens sind die Deutschen sparsamer als davor oder danach - sie sparen Zeit. Mütter, die Vollzeit arbeiten, verbringen täglich eine Stunde und 40 Minuten weniger mit ihren Kindern als Hausfrauen, heißt es im jüngsten Familienbericht der Bundesregierung. Die Statistiker fanden auch heraus, dass berufstätige Eltern vor allem an sich sparen, um die Kinder zu schonen: Mütter mit Fulltime-Jobs sparen täglich eine Stunde Hausarbeit und essen 20 Minuten schneller als andere Mütter. Sie schlafen weniger, und selbst elementare Dinge wie Duschen werden flott erledigt - und seltener. Dafür leiden fast 80 Prozent der arbeitenden Mütter an Schlafstörungen.

„Inseln zur Regeneration“

Hier reicht Organisationstalent nicht, sagt der Psychologe Bodenmann. Man müsse sich im Alltag „Inseln zur Regeneration“ schaffen. „Ein Instrument spielen, ins Theater gehen oder joggen“ - und das regelmäßig, geplant und ohne Zeitdruck. Auch der Partner will gepflegt sein, sonst werde die stabilste Beziehung „unterhöhlt“. Es reiche nicht, nur mit dem Partner zu essen oder in einem Raum jeder für sich zu lesen. „Was hilft, ist, sich über den Tag auszutauschen, etwas Schönes miteinander zu erleben.“

Wer sich fragt, wie er dies auch noch schaffen soll, dem hilft vielleicht dieser Tipp von Bodenmann: „Die Menschen, die die Anforderungen dieser Zeit als Herausforderung nehmen und als eine Phase definieren, die vorbeigeht, die kommen besser durch die Rush Hour.“

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