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Rüstungsindustrie : Indien bevorzugt französisches Kampfflugzeug

Der französische Hersteller Dassault Aviation darf sich große Hoffnungen machen, mindestens 126 Jagdflugzeuge vom Typ Rafale nach Indien zu verkaufen. Bild: AFP

Weiterer Tiefschlag für EADS: Statt des Eurofighters will Indien 126 Jagdflugzeuge bei der französischen Konkurrenz kaufen. Um den derzeit größten Rüstungsauftrag der Welt an Land zu ziehen, soll Paris auch Hilfe beim Ausbau der Atomenergie versprochen haben.

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          Eine Vorentscheidung über den derzeit größten Rüstungsauftrag der Welt ist gefallen. Indien hat den französischen Hersteller Dassault Aviation mit seinem Rafale als niedrigsten Bieter für mindestens 126 Jagdflugzeuge der indischen Luftwaffe ausgemacht. Damit sind die Franzosen nun alleiniger Verhandlungspartner Indiens für den Großauftrag im Schätzwert von bis zu 15 Milliarden Dollar. Verlierer ist einmal mehr der Eurofighter Typhoon, der mit dem Rafale in der Endausscheidung war. Der niedrige Außenwert der indischen Rupie und das langwierige Auswahlverfahren könnten die Auftragsvergabe allerdings noch über Jahre verschieben oder gar abermals in Frage stellen.

          Bislang alle Kaufentscheidungen in Asien verloren

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Eurofighter-Konsortium aus Deutschen, Briten, Italienern und Spaniern hat bislang alle Kaufentscheidungen in Asien verloren. Diesmal aber machten sich die Europäer unter Führung Deutschlands besonders große Hoffnungen, weil sie Indien zum Industriepartner für den Eurofighter machen wollten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte gerade erst in einem Brief an den indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh einen „umfassenden Transfer modernster Technologien“ aus Europa versprochen. Intern ließ das europäische Quartett keinen Zweifel daran, dass es die Inder als zahlungskräftige Partner brauche, um angesichts leerer Kassen in Europa die Weiterentwicklung des Eurofighters zu sichern. Der Hersteller EADS verwies am Dienstag darauf, dass Delhi bislang nur eine Vorentscheidung getroffen habe.

          Die Franzosen, die schon U-Boote und Dassaults Jäger Mirage 2000 an die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens liefern, versprachen hinter verschlossenen Türen, Indien auch beim Ausbau der dringend benötigten Atomenergie behilflich zu sein. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy teilte mit, dass sich der Rafale dank seiner geringeren Kosten und seiner erwarteten Lebensdauer durchgesetzt habe. Der französische Staat werde „einen erheblichen Technologietransfer garantieren“. Kommt der Verkauf nach den nun folgenden Verhandlungen über Details, Lieferbedingungen und Kreditlinien zustande, wäre dies ein großer Gewinn für die französische Regierung, die sich in Delhi für den Rafale eingesetzt hatte. Allerdings scheiterte Dassault in Endverhandlungen sowohl in Brasilien wie in Saudi-Arabien.

          Aktie schießt in die Höhe

          In dieser Entscheidungsrunde bewerteten die Inder vor allem den Preis. Nach Einheiten berechnet sei der Rafale „deutlich billiger“ als der Eurofighter, hieß es in Delhi. Doch wird sich der Preis noch verschieben, da nun erst mit Dassault über die Ausgestaltung des Vertrages gesprochen wird. „Das ist ein langer Prozess, ich habe die Akten noch nicht mal auf den Tisch bekommen“, sagte Verteidigungsminister Arackaparambil Kurien Antony. Auch das indische Kabinett und der Ministerpräsident müssen die Entscheidung noch absegnen.

          Für die Franzosen wäre der Auftrag aus Delhi der erste Verkauf des Rafale ins Ausland. Die Aktie des Verteidigungskonzerns Dassault schoss am Dienstag in Paris um mehr als 20 Prozent in die Höhe und erhöhte den Marktwert des vergleichsweise kleinen Unternehmens um rund 1,2 Milliarden Euro. Dassault Aviation gilt in Frankreich als das bevorzugtes Verteidigungsunternehmen der französischen Regierung. Im Gegensatz zum europäischen Konkurrenten EADS ist Dassault ein rein französischer Hersteller in mehrheitlichem Familienbesitz.

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