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Rüstungsindustrie : Deutsch-französische Panzerfusion auf der Kippe

KMW-Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 in voller Fahrt Bild: dpa

Paris sorgte in der vergangenen Woche mit der Nominierung eines Nexter-Chefs für einen Paukenschlag. Das scheint den geplanten Zusammenschluss mit dem deutschen Konkurrenten KMW völlig durcheinander zu bringen.

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          Die geplante deutsch-französische Panzer-Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Nexter droht in letzter Minute an Personalfragen zu scheitern. Aufgrund der überraschenden Abberufung des Nexter-Vorstandsvorsitzenden Philippe Burtin sind neue Spannungen aufgetreten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der 63 Jahre alte Burtin sollte zusammen mit dem KMW-Vorstandsvorsitzenden Frank Haun das geplante Gemeinschaftsunternehmen der beiden Panzerhersteller führen – zumindest in der Anfangszeit bis zu der Ende 2016 erwarteten Pensionierung von Burtin. Der Franzose hatte in jüngster Zeit aber auf seinen Verbleib an der Doppelspitze für fünf Jahre bestanden. Die französischen Ministerien für Wirtschaft und Verteidigung waren damit nicht einverstanden. Daher trat Burtin ab. Sein Nachfolger soll der 52 Jahre alte Franzose Stéphane Mayer werden, der viele Jahre lang das französische Luftfahrtunternehmen Daher-Socata leitete. Doch offenbar sind die Verträge zwischen Mayer und dem französischen Staat als Eigentümer von Nexter nicht in trockenen Tüchern, wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist.

          Philippe Burtin

          Dies ist nun zu einem Stolperstein für die als historisch bezeichnete Fusion geworden. Am kommenden Dienstag soll sie eigentlich amtlich gemacht werden. Doch die deutsche Seite ist dem Vernehmen nach nicht zu einer Unterschrift bereit, solange auf französischer Seite die Führungsfrage nicht offiziell geregelt ist. KMW-Chef Haun und die deutschen KMW-Aktionäre waren ohnehin erstaunt, dass sie kurz vor dem Abschluss der Fusion mit einem neuen französischen Vorstandsvorsitzenden konfrontiert wurden. Haun bestand auf ein rasches Kennenlernen des neuen Mannes. Am vergangenen Freitag trafen sich Haun und Mayer für anderthalb Stunden am KMW-Sitz in München. Das Gespräch soll atmosphärisch gut verlaufen sein, hieß es. Das Verhältnis von Haun und dem Mayer-Vorgänger Burtin galt als ordentlich, aber nicht als hervorragend. Mayer und Haun sind Ingenieure, die unter Umständen leichter zu einander finden können, heißt es.

          Das fein austarierte Fusionsschema könnte durcheinander geraten

          Auf deutscher Seite bestand eine Weile wohl auch die Hoffnung, dass Haun nach der Pensionierung von Burtin KMW-Nexter alleine führen könne – freilich in enger Abstimmung mit dem künftigen Aufsichtsratspräsidenten. Für diesen Posten ist der 67 Jahre alte Belgier Christian Jourquin vorgesehen, der früher das Chemieunternehmen Solvay führte. Die Hoffnung auf eine alleinige operative Führung durch die Deutschen hat sich nun jedoch zerschlagen. Denn der künftige Nexter-Chef Mayer, der jünger ist als sein Vorgänger Burtin, dürfte sich nicht mit einer Juniorrolle zufrieden geben. Haun „hat künftig einen Ko-Chef an seiner Seite, der das Profil eines Rivalen hat und den er nicht kennt“, schreibt die Wirtschaftszeitung „Les Echos“. Die Zeit drängt. Wenn die Verträge nicht mehr in diesem Jahr unterzeichnet werden, dann könnten sich die ganzen Unternehmensbewertungen wegen des neu angebrochenen Jahres ändern. Das fein austarierte Fusionsschema geriete durcheinander. Offenbar hat die französische Seite vorgeschlagen, dass die Führungsfrage für die geplante Unterzeichnung am Dienstag aus dem Vertragspaket herausgenommen werde. Dies lehnen die Deutschen ab, wie in Verhandlungskreisen zu hören ist. Nur noch ein Fenster ist damit offen: Sollte der französische Staat mit seinem neuen Kandidaten bis Dienstag handelseinig werden, könnte die Fusion wie geplant über die Bühne gehen.

          Ein fahler Nachgeschmack würde wegen der Unstimmigkeiten in letzter Minute dennoch bleiben. In der französischen Presse hatte es geheißen, dass der nun geschasste Burtin schon vor einem Jahr unter Druck stand. Er gilt als Technokrat ohne Dynamik. Aber Präsident François Hollande, der wie er die Wirtschaftshochschule HEC besuchte, stärkte ihm damals noch den Rücken. Dies war in den letzten Tagen nicht mehr der Fall.

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