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Rüstung : A400M kann durchstarten

  • Aktualisiert am

A400M: Deutschland hat 53 Maschinen bestellt Bild: REUTERS

Der Poker um den Milliarden verschlingenden Militärtransporter A400M scheint endgültig ein Ende zu haben. Der lange Streit um die Finanzierung des Projekts hinterlässt aber tiefe Spuren. Deutschland wird wohl nur 53 Maschinen bestellen.

          Monatelang kreiste die A400M in der Warteschleife, nun kann der europäische Militärtransporter offenbar in die Serienproduktion. Mit dem am Freitag beschlossenen Finanzierungskonzept zwischen dem EADS-Konzern sowie Deutschland und seinen Partnerländern endet ein unrühmlicher Milliardenpoker um das Rüstungsprojekt. Beide Seiten müssen nun die Lehren aus einer peinlichen Zitterpartie ziehen und tiefe Gräben zuschütten.

          Wie meistens bei heftigen Streits, ging es vor allem ums liebe Geld. Missmanagement und technische Probleme führten zu Milliarden- Mehrkosten und erheblichen Verzögerungen bei dem Militärtransporter. Airbus hatte selbstbewusst eine „Eier legende Wollmilchsau“ angeboten. Der angebliche „Wundervogel“ soll auf Sand und Wiesen landen wie kleinere Propellermaschinen, dabei aber auch schweres Räumgerät oder Hubschrauber befördern können. Das alles wurde teurer als geplant.

          Von Erpressung und zähen Verhandlungen war die Rede

          Das Feilschen über die Aufteilung der Mehrkosten brachte das Projekt zwischenzeitlich an den Rand des Abgrunds. Airbus-Chef Thomas Enders drohte immer wieder mit dem Stopp des europäischen Prestige-Projektes, falls die sieben Käuferstaaten nicht mehr Geld lockermachen. Auch schimpfte er über immer neue Sonderwünsche seiner Kunden, die den A400M-Ingenieuren das Leben schwer gemacht hätten.

          Kommt nach langen Verzögerungen offenbar in die Serienproduktion: Der Militärtransporter von EADS

          Damit zielte der als „Major Tom“ bekannte Deutsche klar auf die Bundesrepublik ab. Die hatte sich eine vollautomatische Tiefflugfähigkeit für die A400M gewünscht. Im Rahmen des am Freitag unterzeichneten Vertrags wurde darauf zähneknirschend verzichtet. „Um Mehrkosten für den Bund zu vermeiden“, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums anmerkte.

          Bittere Lehrstunde für EADS und Airbus

          Bereits nach der Einigung auf die Grundsatzvereinbarung im März hatte Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) von Erpressung, harschem Tonfall und zähen Verhandlungen gesprochen. Er reduzierte nun auch die deutsche Bestellung von 60 auf 53 Maschinen. Auf die anderen sieben gibt es nur noch eine Option. „Mit diesen Maßnahmen wird der deutsche Anteil an der Preiserhöhung von rund 670 Millionen Euro kompensiert“, hieß es am Freitag aus dem Ministerium. Ursprünglich war mal von Zusatzkosten für den deutschen Haushalt von einer Milliarde Euro die Rede gewesen.

          Als bittere Lehrstunde wird das Projekt auch bei EADS und seiner Tochter Airbus in die Geschichte eingehen. Zum ersten Mal hatte der Konzern einen so großen Rüstungsvertrag genauso wie einen Zivilauftrag zum Festpreis geschlossen. Und ließ sich dann noch von Kundenländern vorschreiben, was wo zu bauen ist. Berlin wollte unbedingt MTU Aero Engines mit im Boot haben, Paris die französische Rüstungsschmiede Safran.

          Jahrelange Verzögerungen für die beteiligten Nato-Partner

          „Die Auswahl war eine politische Entscheidung. Wir bedauern das“, sagte Enders in der Vergangenheit. EADS nimmt im neuen Vertrag in Kauf, dass sich die Zahlungen der Regierungen nun weiter nach hinten verlagern als bisher erwartet.

          Nicht weniger folgenreich als das finanzielle Desaster ist der völlig aus dem Ruder gelaufene Zeitplan. Die jahrelangen Verzögerungen sind für die beteiligten Nato-Partner mehr als nur ärgerlich. Gerade für Einsätze wie in Afghanistan wird der nun etwas abgespeckte Alleskönner A400M dringend gebraucht. Die aktuellen Flugzeuge vom Typ Transall C-160 oder Hercules C-130 sind teilweise Jahrzehnte alt.

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