https://www.faz.net/-gqe-9d6st

Rügenwalder-Mühle-Chef : „Die Politik übersieht den Einfluss der Ernährung auf den Klimawandel“

E-Mobility, erneuerbare Energien aus Wind und Sonne werden vom Gesetzgeber gefördert. Was ist mit fleischfreien Alternativen zu Schnitzel, Bratwurst & Co.? All diese Lebensmittel helfen uns dabei, unseren Fleischkonsum zu reduzieren und so klimaschädliches CO2 einzusparen. Der globale Viehbestand ist für ein Fünftel der erzeugten Treibhausgase verantwortlich und damit für mehr als der gesamte Verkehr weltweit. Aber anstatt Hersteller fleischfreier Alternativen zu unterstützen und den Verzehr dieser Produkte zu fördern, gibt es eventuell bald komplizierte und verbraucherfeindliche Vorgaben zur Bezeichnung von vegetarischen und veganen Fleischalternativen. Die Politik übersieht bislang den Einfluss der Ernährung auf den Klimawandel. Bei diesem Thema bietet sich jedoch eine große Chance. Ersetzen wir nur die Hälfte an Fleisch-, Milch- und Eiprodukten, die in der EU jährlich auf unseren Tellern landen, durch pflanzliche Alternativen, so lassen sich unglaubliche 196 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Diese Einsparungen sind rund 245-fach so hoch wie jene, die durch die von der Regierung angepeilten eine Million E-Autos erzielt würden. 

Was macht die Rügenwalder Mühle anders als andere Fleisch-Unternehmen?

Wir haben uns getraut. Natürlich ist die Selbst-Kannibalisierung für die Unternehmen ein steiniger Weg. Man stellt sein altes, erfolgreiches Geschäftsmodell in Frage ohne schon etwas Vergleichbares zu haben. Weder die Inhaber noch die eigenen Mitarbeiter, noch die Zulieferer oder die Gesellschaft freuen sich am Anfang über diese Veränderung. Aber letztlich hat man keine andere Wahl als diesen Weg zu gehen. Und wir bereuen diesen Weg nicht – wir haben uns getraut, darauf sind wir stolz. Und wie man im Markt sieht, folgen uns auch schon viele deutsche und internationale Fleisch- und Wurstunternehmen. Immer mehr Menschen essen ja auch bewusst weniger oder gar kein Fleisch.

Welche Gründe gibt es für den bewussten Fleischverzicht?

Die Gründe sind vielfältig: die eigene Gesundheit, die Sorge um den fortschreitenden Klimawandel, Kritik an der Massentierhaltung oder auch eine Verunsicherung durch Lebensmittelskandale in der Vergangenheit. 

Und was ist in dem fleischlosen Fleisch drin? Verwenden Sie dafür auch chemische Zusatzstoffe oder Gentechnik?

Egal ob mit Fleisch oder ohne – wir achten sehr genau darauf, was in unseren Produkten drin ist. Alle unsere vegetarischen und veganen Produkte sind frei von Geschmacksverstärkern und künstlichen Aromen. Und wir verwenden zudem nur hochwertige Zutaten. Bei unseren Fleischalternativen verwenden wir anstelle von Fleisch und Speck als Basis Eiweiß von Eiern aus Freilandhaltung sowie Rapsöl mit viel Omega-3-Fetten. Zudem setzen wir immer stärker auf pflanzliche Proteine aus Weizen, Soja oder Erbsen.

Wie wird die Landwirtschaft in zwanzig Jahren aussehen?

Wir würden uns wünschen, dass wir die pflanzlichen Rohstoffe für unsere Produkte aus der Region oder zumindest aus Deutschland beziehen könnten. Damit dies klappt, arbeiten wir schon fest daran. So kaufen wir etwa kein Soja mehr aus Südamerika und auch der Anteil aus Nordamerika wird stetig kleiner zugunsten von Soja aus der Donauregion.

Weitere Themen

Reine Kopfsache

Fastenkuren nach Buchinger : Reine Kopfsache

Generationswechsel in den Buchinger-Kliniken: Die Urenkel des Gründers übernehmen die Fastenklinik. Wer hier eincheckt erwartet noch heute, tagelang nichts zu essen – und trotzdem keinen Hunger zu spüren.

Axel Voss auf der Gamescom Video-Seite öffnen

„Dont kill the Messenger“ : Axel Voss auf der Gamescom

Wir haben einen Rundgang über das Kölner Messegelände mit Axel Voss, dem wohl polarisierendsten Besucher der diesjährigen Gamescom unternommen und uns mit ihm über die Debatte um Artikel 13, seine Bekanntheit bei jüngeren Gamern und Minecraft unterhalten.

Topmeldungen

Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
Die Union hat in Dresden die Kohle im Blick

Union und Kohleausstieg : „Es gilt das, was vereinbart ist: 2038“

Die Verunsicherung unter den Bergleuten war groß, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jüngst einen Ausstieg aus der Kohle 2030 ins Spiel brachte. Annegret Kramp-Karrenbauer verspricht nun, am Kohle-Ausstiegstermin 2038 nicht mehr zu rütteln.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.