https://www.faz.net/-gqe-377e

Rücktritt : Fehler und Ränkespiele stürzen Percy Barnevik

  • Aktualisiert am

Tief gefallen - Percy Barnevik Bild:

Er war Europas erfolgreichster Manager der neunziger Jahre. Jetzt tritt der Schwede Percy Barnevik von seinem wichtigsten Posten zurück - er musste.

          2 Min.

          In Schweden geht eine Ära zu Ende. Der frühere Chef des schwedisch-schweizerischen Elektrotechnik-Konzerns ABB, Percy Barnevik, ist am Donnerstag mit sofortiger Wirkung als Chef der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Investor zurückgetreten. Hinter Investor steht die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg, die noch immer einen Großteil der schwedischen Industrie kontrolliert.

          Die Geschichte von Barneviks Niedergang hat einen längeren Vorlauf. Hintergrund ist der offene Streit zwischen Barnevik und dem Schweizer Finanzmogul Martin Ebner. Seit einigen Jahren versucht Ebner seinen Einfluss bei Investor zu stärken - er konnte sich über seine BZ-Gruppe zu Anfang heimlich, später dann ganz öffentlich, zahlreiche Aktienpakete bei der Beteiligungsgesellschaft sichern. Er ist mit 10,3 Prozent mittlerweile der zweitgrößte Eigner bei Investor.

          Der Schweizer Ebner gewann den Streit mit Barnevik

          Bald schon gab es Auseinandersetzungen um die Geschäftsstrategie von Investor. Die Beteiligungsgesellschaft hält Mehrheitsanteile an Ericsson, Electrolux und zahlreichen anderen schwedischen Großunternehmen. In all den Konzernen sitzen Investor-Aufsichtsräte. Ebner kritisierte die Investmentstrategie und Personalpolitik von Investor, kritisierte Barnevik persönlich. Da kam es dem Schweizer sehr gelegen, dass Barneviks historische Leistungen bei ABB immer mehr in Frage gestellt wurden.

          Krise bei ABB

          Der Elektrotechnik-Konzern, einstiger Börsenliebling, krankt unter schlechten Finanzen und einer unklaren Strategie. Barnevik nahm für diese Entwicklungen Ende 2001 die Verantwortung auf sich und trat von seinem Posten als Verwaltungsratsvorsitzender bei ABB zurück. Wenige Wochen später kündigte er auch seinen Rücktritt bei Investor an - zur nächsten Gesellschafterversammlung.

          Dreistelliger Millionenbetrag für Ex-ABB-Chef Barnevik

          Dass Barnevik nun vorzeitig zurücktritt hat er sehr wahrscheinlich auch Ebner zu verdanken. Der setzte sich im ABB-Verwaltungsrat dafür ein, die Pensionsbezüge von Barnevik nach seinem Rücktritt bei ABB an die Presse zu geben - eine absolut ungewöhnliche Maßnahme. Danach erhält Barnevik sensationelle 180 Millionen Mark von dem finanziell stark angeschlagenen Konzern. Auch im egalitären Schweden wurde diese dreistellige Pensionsabfindung mit Befremden aufgenommen.

          „Wir haben heute mit Percy Barnevik den sofortigen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat von Investor vereinbart,“ sagte deshalb Jacob Wallenberg, Sprecher der Wallenberg Stiftung. Die Stiftung ist der grösste Aktionär von der Gesellschaft. Sein Rücktritt sei das beste für Investor, erklärte Barnevik in einer Mitteilung.

          Barnevik - der Top-Manager der neunziger Jahre

          Barnevik galt in den neunziger Jahren als der europäische Top-Manager und war in zahlreichen Aufsichtsräten vertreten. Er setzte 1986 erstmals in Europa eine grenzüberschreitende Großfusion durch - die der schwedischen Asea mit der schweizerischen BBC. Barnevik galt als Verfechter der Globalisierung und setzte sich in der Corporate Governance-Debatte für mehr Transparenz und mehr Internationalisierung in den Aufsichtsräten der Großkonzerne ein. Er prägte den Spruch „Proletarier aller Welt - konkurriert miteinander“. Zuletzt erklärte Barnevik als Mitglied der Attac-Bewegung aber auch seine Sympathie mit einigen Argumenten der Globalisierungsgegner.

          Am Ende scheiterte Barnevik auch an seinen eigenen Ansprüchen: Beispielsweise hatte er immer gefordert, Manager sollten aufgrund des hohen Arbeitsaufwands in maximal zwei Aufsichtsräten vertreten sein - er selbst saß zeitweise in vier Gremien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wieder unterwegs, aber es gibt zu wenig Impfstoff: im „Impfexpress“ in Frankfurt am Main.

          Impfkampagne : Es ist zum Verzweifeln

          Schlange stehen, Engpässe, Impf-Tohuwabohu und nun doch die Impfpflicht. Man möchte laut rufen: Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.
          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.
          Beratungszimmer vor dem Sitzungssaal im Bundesverfassungsgericht

          Urteil zur Bundesnotbremse : Karlsruhes Richtschnur für die Corona-Politik

          Erstmals äußert sich das Bundesverfassungsgericht zu den schwersten Grundrechtseingriffen in der Geschichte der Bundesrepublik – und sagt, dass sie alle zulässig waren. Für die Ampel-Parteien kommt der Richterspruch zur rechten Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.