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Rückgang bei Neuzulassungen : Automarkt in Europa bricht abermals ein

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In Deutschland wurde Daimler am stärksten in Mitleidenschaft gezogen: Dort denkt man jetzt über Kurzarbeit nach Bild: dpa

Die Pkw-Neuzulassungen in Europa sind infolge der anhaltenden Finanzkrise im Oktober abermals erheblich zurückgegangen - um 14,5 Prozent. Es war das sechste Minus in Folge. In Deutschland traf der Abwärtssog Daimler besonders hart. Dort denkt man offenbar schon über Kurzarbeit nach.

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          Die Pkw-Neuzulassungen in Europa sind infolge der anhaltenden Finanzkrise im Oktober um 14,5 Prozent zurückgegangen. Dies war schon der sechste monatliche Rückgang in Folge, wie der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) am Freitag in Brüssel mitteilte. Im Oktober wurden in Europa insgesamt 1,134 Millionen Autos neu zugelassen.

          In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres betrug das Minus 5,4 Prozent. Zwischen Januar und Oktober wurden in Europa 12,852 Millionen Neuwagen zugelassen.

          General Motors mit den stärksten Rückschlägen in Europa

          In Westeuropa ging der Absatz im Oktober um 15,5 Prozent auf knapp 1,035 Millionen Fahrzeuge zurück. Mit Ausnahme von Österreich waren alle Märkte rückläufig. In Irland und Spanien hielt der Abwärtstrend der vergangenen Monate mit Einbußen von 54,6 Prozent beziehungsweise 40,0 Prozent an. Zweistellige Rückgänge zeigten auch die Märkte in Großbritannien und Italien. In Deutschland wurden im Oktober mit 258.814 Pkw 8,2 Prozent weniger Fahrzeuge neu zugelassen, nach zehn Monaten ergibt sich noch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent.

          Auch in den neuen EU-Mitgliedsstaaten waren die Neuzulassungen im Oktober in Summe rückläufig. Vom Negativtrend abkoppeln konnte sich lediglich der polnische Markt, der seine Position als größter Markt der Region mit einem Plus von 12,3 Prozent auf 27.658 festigte.

          Die stärksten Rückschläge in Europa musste General Motors (GM) verkraften. Der Absatz des amerikanischen Konzerns, zu dem auch der deutsche Autobauer Opel gehört, fiel um ein Viertel auf 94.479 Fahrzeuge. Aber auch der japanische Hersteller Toyota kam mit einem Absatzeinbruch um 24 Prozent nur noch auf 54.612 Autos - ein herber Rückschlag.

          Daimler denkt über Kurzarbeit nach

          In Deutschland sieht der Trend ähnlich düster aus - bis auf eine Ausnahme. Die VW-Tochter Audi hat im Oktober als einziger großer deutscher Autohersteller in Europa mehr Autos verkaufen können als im Vorjahr. Audi habe europaweit 57.803 Autos abgesetzt und damit 3,3 Prozent mehr als 2007, ging aus dem Bericht des ACEA hervor.

          Am schlimmsten traf der Abwärtssog Daimler mit einem Rückgang von 16,6 Prozent auf 61.754 Fahrzeuge. Angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie schließt Vorstandschef Dieter Zetsche auch bei Daimler Kurzarbeit nicht aus. Man müsse die Produktion der gesunkenen Nachfrage ständig anpassen, sagte er der „Bild“-Zeitung (Freitagsausgabe). „Es macht keinen Sinn, Autos auf Halde zu bauen.“

          Durch Arbeitszeitkonten sei man bei Daimler zwar flexibel. „Je nachdem wie es weitergeht, könnten Arbeitszeitverkürzungen ein weiterer Schritt sein.“ Zurückhaltend äußerte er sich zu Forderungen nach staatlichen Finanzhilfen für die Autoindustrie. Daimler wolle die Krise alleine meistern. „Aber auch das gesündeste Unternehmen muss sich am Finanzmarkt mit Kapital versorgen. Wenn dies längerfristig nicht möglich ist, wäre es auch für die Automobilindustrie notwendig, den Staat um Unterstützung bei der Finanzierung zu fragen“, sagte Zetsche.

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