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Zehn Jahre Finanzkrise : Kann es wieder geschehen?

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Das ist die schmerzliche Lehre, an der auch Marktwirtschaftler nicht vorbeikommen: Am Ende kann nur der Staat retten (und die Steuerzahler bezahlen), weil keine Bank genügend Mittel zur Verfügung hätte und viele Institutionen systemrelevant sind. Sie dürfen nicht kaputtgehen. Daran hat sich nichts geändert. Deshalb macht man Stresstests, schreibt Bankentestamente und erhöht die Eigenmittel.

Konsens über die Ursachen

Die Volumina an verbrieften, verpackten, gerateten Hypothekenkrediten in den Zweckgesellschaften hatten ein solches Ausmaß erreicht, dass schon kleinere Störungen große Erschütterungen hervorrufen konnten. 2006 wurden minderwertige Kredite in der Höhe von 450 Milliarden Dollar vergeben. Im selben Jahr überschritt das Volumen aller Kredite außerhalb der Bilanz in den Vereinigten Staaten das Bilanzvolumen der amerikanischen Banken – eine Summe von 10 Billionen Dollar. Bis zum GAU im September 2008 hatten nur wenige diese „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ (Warren Buffett) überhaupt verstanden.

Um daher heute die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, braucht es zunächst Konsens über die Ursachen. Hier besteht durchaus Übereinstimmung. Viele Beobachter würden die folgenden drei Thesen unterstützen:

Erstens neigen Kreditzyklen prinzipiell zur Übertreibung, sowohl im Aufschwung wie in Krisenzeiten. Die Zentralbanken können die Ausschläge ein Stück weit glätten, aber nicht zum Verschwinden bringen. Außerdem besteht für jede Zentralbank die wichtigste Aufgabe darin, Preisstabilität zu sichern. Da eine Kreditzunahme nicht zwingend mit einer höheren Inflation verbunden ist, erfolgen Zinserhöhungen während eines Kreditbooms oft zu spät. In der Krise können Zentralbanken nur den Kollaps des Finanzsystems verhindern und den Geldkreislauf erhalten, aber nicht Kredite reduzieren.

Einfachste Regeln wurden missachtet

Eine theoretische Begründung für die Instabilität des Kreditzyklus ist nicht schwer zu erbringen. Real existierende Finanzmärkte sind unvollständig und können deshalb keine effiziente Zuteilung der Liquidität gewährleisten. So kann in bestimmten Segmenten des Finanzmarkts zu viel Liquidität vorhanden sein, was die Preise über die fundamental gerechtfertigte Höhe treibt. Solange es aufwärtsgeht, besteht kein Anreiz, auszusteigen. Bei einem Abschwung tritt dann das umgekehrte Szenario ein: Es fehlt überall an Liquidität. Es tritt ein Marktversagen ein, was den Staat zum Eingriff zwingt, wenn er nicht eine schwere Wirtschaftskrise in Kauf nehmen möchte.

Zweitens haben viele Banken und bankähnliche Finanzinstitutionen die einfachsten Regeln missachtet, die man in einer Banklehre lernt: Beurteilung des Vermögenswertes und der Tragfähigkeit des Hypothekennehmers; Bewertung durch interne Experten und Risikoadjustierung für die Bilanz; klare Zuordnung im Falle einer Verbriefung und fristenkongruente Rückfinanzierung. Stattdessen zielte man auf eine abenteuerliche Maximierung der Eigenkapitalrendite über so eigenkapitalschonende Konstrukte wie die Zweckgesellschaften.

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