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Zehn Jahre Finanzkrise : Kann es wieder geschehen?

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Einiges ist seither unternommen worden, um die Finanzmärkte transparenter zu machen und neu zu regulieren. Aber wird dies ausreichen? Ja, this time is different, aber auch die Probleme sind heute zumindest teilweise anders gelagert – vor allem ist in Europa die nach wie vor ungelöste Euro- und EU-Krise quasi noch oben draufgekommen. Griechenland ist das geringste Problem. Italien und Frankreich – das sind die Problemländer. Wie sicher wären denn etwa französische Eurostaatsanleihen, falls Marine Le Pen doch Präsidentin würde? Passiert doch nicht? Wer so denkt, schaue nur in die Vereinigten Staaten, wo ein Präsident Trump an die Macht gekommen ist, mit dem kaum jemand ernsthaft gerechnet hatte.

Die beiden bis heute größten ungelösten und auch nicht regulierbaren Bankenprobleme sind allerdings die fehlenden neuen, integrierten Geschäftsmodelle für Investment- und Privatkunden-Banking sowie das fehlende Vertrauen in eine weiterhin nicht selten überhebliche Bankenbranche und in deren Aufsichtsbehörden. Der Aufstieg der Bitcoins ist nicht nur eine Folge des technisch Machbaren, sondern auch eines tiefen Misstrauens in alles, was mit Geld und Staat zu tun hat. Die staatlichen Institutionen haben an moralischer Autorität eingebüßt. Ob die „Denke“ der Banker sich gewandelt hat, bleibt abzuwarten. Mit Ethik-Seminaren für Banker und Sonntagsreden der Chefbanker ist es nicht getan.

„Wir haben in den Abgrund geschaut“

Um zu wissen, wo wir heute stehen, muss man sich vergegenwärtigen, wie dramatisch die Situation im Verlaufe der Jahre 2007 und 2008 wurde: „Wir haben in den Abgrund geschaut.“ So hat der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den Untergang von Lehman Brothers bezeichnet, als in diesem Meiler der globalen Finanzindustrie die Kernschmelze stattfand, in der zu diesem Zeitpunkt viertgrößten Investmentbank der Welt. Die Lehman-Pleite war wie ein Fukushima für die Finanzindustrie, ein größter anzunehmender Unfall, ein GAU, der eigentlich nicht stattfinden darf. Lehman ging über das Wochenende des 13./14. September unter, weil die amerikanische Regierung Lehman die Rettung verweigerte.

Wie ahnungslos, blauäugig oder auch intransparent die Finanzindustrie gewesen sein muss, mag verdeutlichen, dass noch am Tag zuvor, am Freitag, dem 12.September 2008, die Deutsche Bank die Postbank übernommen hatte. Und noch heute „zehrt“ die Deutsche Bank davon. Vor wenigen Wochen hat sie abermals eine große Kapitalerhöhung beschlossen, weil viel Kapital für Rechtsstreitigkeiten verschlungen wurde. Die Postbank steht nun mal wieder nicht zum Verkauf, nachdem man sie fast jedem auf dem Markt feilgeboten hatte. Selbst eine so solide Institution wie die Postbank ist heute unverkäuflich.

Dass die Lehman-Pleite aufgrund der Vernetzung der Banken, Versicherungen, Fonds und anderer Kapital-Kraftwerke nicht überschwappte und die Welt in eine finanz-radioaktive Steinzeit zurückbefördert hätte, ist nur den beherzten Staatseingriffen zu verdanken. „Too big too fail“ kam in aller Munde. Ein solcher beherzter Eingriff war auch die Rettung der Hypo Real Estate (HRE), deren ehemaliger Vorstandsvorsitzender jetzt in München vor einem Strafgericht sitzt, seine Hände in Unschuld wäscht und den schwarzen Peter gerne Finanzminister Steinbrück zuschieben will, obwohl der die HRE gerettet hat.

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