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Rosen aus Kenia : Ostafrikas gefährliche Blüten

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Die Kühe ernähren als Milch- und Fleischlieferanten die Massai-Familien. Zudem schätzen die Stammesangehörigen Rinderblut als Getränk. Überschüssige Tiere werden auf Viehmärkten verkauft - so kommt das nötige Bargeld für den täglichen Bedarf und die Schulgebühren der Kinder zusammen. Das Gleiche gilt auch für Schafe und Ziegen. Die sind zwar nicht heilig, lassen sich aber auch prima essen und verkaufen.

Noch dazu gehört das Land, auf dem heute Blumen gezüchtet werden, eigentlich den Massai. Ende des 19. Jahrhunderts nahmen die britischen Kolonialherren dem Stamm mit einem umstrittenen Vertrag das Land ab und verkauften es. Das alles ist Vergangenheit, weiß auch Mwake. Aber er fordert: „Die Farmen müssen endlich ihre Abwässer korrekt entsorgen.“

Das werde längst getan, versichert Sunita Saarkar, Geschäftsführerin des Anbauverbandes Lake Naivasha Growers Group. Die Abwässer würden nie ungefiltert in den See gelangen. Viele Farmen arbeiteten sogar mit einem geschlossenen Wasserkreislauf und recycelten das Wasser. „Viele Unternehmen sind von Umweltschutzorganisationen ausgezeichnet worden.“ Einige dürften gar das Fair-Trade-Siegel tragen. Das Fazit der Verbands-Chefin: „Keines unserer Mitglieder verletzt die Regeln.“

Enormer Rückhalt in der Politik

Die Regeln, von der Saarkar spricht, hat die nationale Umweltbehörde NEMA aufgestellt. „Es wäre gut, wenn die Blumenindustrie beweisen würde, dass sie die Regeln einhält“, sagt Nema-Sprecher Muusja Mwinzi. Denn seine Behörde hat zu wenig Personal, um zu kontrollieren, ob nur zugelassene Pestizide verwendet und Abwässer richtig entsorgt werden. Ein einziger Umweltinspektor ist für die gesamte Naivasha-Region zuständig. „Das führt dazu, dass jede Farm nur alle zwei Jahre kontrolliert wird. Zudem müssen wir Kontrollen ankündigen“, sagt der Nema-Sprecher. Für ihn ist klar, dass die Blumenindustrie dem See schadet. Als Indiz wertet er die Ausbreitung der Wasserhyazinthe. Das Unkraut, das dem See Sauerstoff entzieht und andere Pflanzen und Tiere verdrängt, gedeiht besonders in überdüngten Gewässern. Im 150 Quadratkilometer großen Naivasha-See floriert es seit 20 Jahren - seit die ersten Blumenfarmen an den Ufern gebaut wurden.

Für den Farmer-Verband ist das kein Beweis. „Naivasha war schon immer ein nährstoffreicher See. In den See fließt viel sedimenthaltiges Wasser aus dem Malewa-Fluss“, sagt Geschäftsführerin Saarkar. Für sie ist die Ausbreitung der Wasserhyazinthe eher eine Folge der globalen Erwärmung.

Früher sorgten Papyrus-Biotope und Akazienwälder für eine natürliche Reinigung des Gewässers, an dessen Ufer sich 495 Vogel- und 55 Säugetierarten tummeln, darunter eine große Kolonie Flusspferde. Doch gegen Dünger und Pestizide sind natürliche Filter machtlos. Der Naivasha-See ist zwar zum Schutzgebiet erklärt worden. „Aber es fehlt der politische Wille, uns mehr Schlagkraft zu verleihen“, sagt Nema-Sprecher Mwinzi. „Die Blumenindustrie legt goldene Eier für Kenia. Deshalb hat sie einen enormen Rückhalt in der Politik.“ Zumal viele Parlamentsabgeordnete Gesellschafter von Blumenfarmen sind. Und so fließen einige der Euros, die deutsche Verliebte am Valentinstag in Rosen investieren, direkt in die Hände kenianischer Politiker.

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