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Roman Abramowitsch : Ein neues Stadion für Londons reichen Russen

Backstein-Kathedrale an der Themse: Pink Floyd hat das Kohlekraftwerk „Battersea Power Station“ einst auf einem Plattencover verewigt. Bild: AP

Der Russe Roman Abramowitsch will ein altes Kraftwerk an der Themse zum Chelsea-Tempel umbauen. Das bisherige Chelsea-Stadion ist dem Klub-Besitzer zu popelig.

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          Roman Arkadjewitsch Abramowitsch ist auf vielen Feldern unterwegs: Öl hat er gefördert und Gold suchen lassen. Auch eine Baufirma besitzt der Unternehmer, dessen Vermögen auf 13 Milliarden Dollar geschätzt wird, was ihn zum neuntreichsten Russen macht. In Sotschi etwa, dem Badeort am Schwarzen Meer, lässt Abramowitsch Sportanlagen für die kommende Winterolympiade errichten. Nun steht eine weitere Sportarena auf der Projektliste, in London dieses Mal - und die Anregung für das Projekt holt sich Abramowitsch am kommenden Samstag in München.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Dort wird der Russe in seiner Eigenschaft als Besitzer des Fußballclubs FC Chelsea um spätestens 20.45 Uhr auf der Ehrentribüne der Allianz Arena Platz nehmen, um dem Finale der Champions League gegen Bayern München beizuwohnen. Bei seinem Sitznachbarn Uli Hoeneß, Bayern-Präsident, kann sich der Russe dann schon mal erkundigen, was man beim Stadionbau so alles beachten sollte: So wie die Bayern mit der Allianz-Arena will Abramowitsch dem Chelsea-Club in London eine neue Spielstätte errichten - an einem der exponiertesten Plätze der Stadt.

          Roman Abramowitsch

          Die Battersea Power Station ist ein altes Kohlekraftwerk, an dem sich schon viele Investoren versucht haben - kein Wunder, liegt das denkmalgeschützte Objekt doch auf 16 Hektar am Südufer der Themse in allerbester Innenstadtlage. Bekannt wurde die Backstein-Kathedrale durch ein Plattencover der Rockband Pink Floyd aus dem Jahr 1977, was das Bauwerk weltweit so bekannt gemacht hat wie den Buckingham Palast. Doch die vier Schornsteine der Ruine aus den dreißiger Jahren ragen nicht nur als Denkmäler verblichener industrieller Blüte in den Himmel, sie künden auch vom Scheitern hochfliegender Pläne: Ein überdachter Freizeitpark sollte hier einst entstehen, ein Veranstaltungszentrum, eine Wohnanlage mit Hotels, Restaurants und Kinos, ein Einkaufszentrum, ein Museum - ja sogar Elektrizität sollte das alte Kraftwerk wieder liefern, mit Biomasse. Trotz alledem: Passiert ist seit 1983, als das Kraftwerk abgeschaltet wurde, nichts. Die beiden Banken, denen die Ruine gehört, suchen weiter einen Käufer, der eine halbe Milliarde Pfund zahlt.

          Nun will Abramowitsch an der Themse das „legendärste Fußballstadion der Welt“ mit 60000 Plätzen bauen - das bisherige Chelsea-Stadion an der berühmten Stamford Bridge im Westen Londons ist 20000 Plätze kleiner. Zu popelig für Abramowitschs Geschmack, der mit den Stadtrivalen Arsenal und Tottenham gleichziehen will und dem ein Umbau der Wirkungsstätte an alter Stelle zu zeit- und zu kostspielig ist, zudem könnte der Boden lukrativer genutzt werden. Seit 2008 kursieren in der Stadt Gerüchte über einen Umzug Chelseas an die Themse - jetzt macht der Club Ernst. Einen Zuschlag hat Chelsea von Banken und Stadt zwar noch nicht, aber Pläne: Die vier Schornsteine der Ikone will Abramowitsch stehen lassen, das Stadion ins Kraftwerk integrieren. Der Russe hat sich in den Platz an der Themse verliebt - bietet die Lage doch nicht zuletzt eine nicht zu unterschätzende Annehmlichkeit: die Nähe zu einem Hubschrauberlandeplatz.

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