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VW-Bauteile : Prevent – weit mehr als ein Autozulieferer

Die Heimat der Prevent-Gruppe: Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Hercegovina Bild: Foto Look

Die bosnische Familiengruppe Hastor kauft sich in Unternehmen, Banken und Versicherer ein. Auch die Prevent-Gruppe gehört dazu. Welchen Einfluss hat der mächtige Clan aus dem Osten?

          Die Prevent-Gruppe, mit der sich Volkswagen streitet, ist weit mehr als nur ein Autozulieferer. Die bosnische Industriellenfamilie Hastor, die dahintersteckt, gehört zu den mächtigsten und reichsten Unternehmensclans im ehemaligen Jugoslawien. Nach Informationen dieser Zeitung erwirtschaftete der Industriezweig Prevent 2015 einen Umsatz von mehr als 471 Millionen Konvertiblen Mark (BAM), umgerechnet 240 Millionen Euro. Der Überschuss betrug rund 40 Millionen BAM (20 Millionen Euro). Der Dienstleistungszweig ASA erlöste zusätzlich mindestens 80 Millionen Euro mit einem Nettogewinn von 28 Millionen Euro.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Wichtigste Einzelgesellschaft der Gruppe war die Autosparte Prevent BH, die unter anderem zu 42 Prozent am VW-Werk in Sarajevo beteiligt ist. Sie erlöste zuletzt 181 Millionen Euro und erzielte einen Nettogewinn von 21 Millionen Euro. Keine Zahlen liegen vor für die Finanzaktivitäten der Gesellschaften ASA Finance und der Beteiligungsgesellschaft mit dem komischen Namen Prevent Invest (auf Englisch wörtlich: Investitionen verhindern).

          Der Zulieferer Prevent BH beliefert auch BMW, Opel, Ford, Peugeot oder Citroën. Das Geschäft mit VW ist und bleibt indes das wichtigste Standbein für die Gruppe. Weil es mit den Niedersachsen aber schon in der Vergangenheit zu Zerwürfnissen gekommen ist, verbreitert Hastor seine Basis: Die spektakulärsten Vorstöße der jüngsten Zeit sind der Kauf einer Lokalbank und der Versuch, die letzte staatliche Versicherung zu übernehmen.

          Angespanntes Verhältnis

          „Das Verhältnis zwischen den Hastors und VW ist seit längerem angespannt“, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Person in Sarajevo. „Die Hastors fühlen sich von VW ausgebootet und setzen deshalb auf andere Branchen.“ Vielleicht hänge der derzeitige Streit um die Zulieferungen auch damit zusammen, „als eine Art Vergeltung“. Als Hintergrund wird genannt, dass Volkswagen den Import und das Händlernetz auf dem Westbalkan seit langem komplett übernehmen wolle. In Mazedonien hätten die Wolfsburger den vormaligen Exklusivhändler schnell herausgekauft, heißt es. ASA Auto aber habe sich lange geweigert, aus der Einfuhr und dem Kraftfahrzeughandel auszusteigen. VW teilte dazu am Montag mit, es habe im Juni 2015 den Autohandel von Asa übernommen. Dieser laufe wie in anderen Ländern Osteuropas jetzt über die Tochtergesellschaft Porsche. In den Häusern von Porsche BiH werden seitdem auch Fahrzeuge von VW, Skoda und Audi angeboten. Die Hastor-Familie will dieses Geschäft nicht kampflos aufgeben: Einfuhr und Verkauf der Volkswagen-Marken trugen einen beträchtlichen Anteil zum Umsatz und Nettogewinn von Asa bei.

          Unabhängig von dem Zerwürfnis mit den Deutschen ist die Diversifikationsstrategie von ASA-Prevent unübersehbar. Der jüngste Coup war die Übernahme der Bank Investiciono Komercijalna (IK Banka) in Zenica, der viertgrößten Stadt des Landes. Käufer sind die Vehikel ASA Finance, Prevent Invest sowie die Moja Bank, welche allesamt der Familie Hastor gehören. Nach dem Kauf wurden Moja und IK Banka verschmolzen.

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