https://www.faz.net/-gqe-a3pam

F.A.Z. exklusiv : Tichy gibt Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab

Roland Tichy (l.) übergibt in seiner Funktion als Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung am 20. September 2016 Altkanzler Gerhard Schröder den Ludwig-Erhard-Preis. Bild: dpa

Der Publizist Roland Tichy stellt sich im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl und wird somit die Leitung der Ludwig-Erhard-Stiftung abgeben. Er war heftig in die Kritik geraten, nachdem in seiner Publikation „Tichys Einblick“ ein Artikel erschienen war, den viele Leser als frauenfeindlich betrachten.

          1 Min.

          Der Publizist Roland Tichy wird sich nach Informationen der F.A.Z. im Oktober nicht mehr zur Wiederwahl stellen und somit den Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung abgeben. Auch der stellvertretende Vorsitzende Oswald Metzger und Schatzmeister Alexander Tesche wollen nicht mehr antreten. Tichy war in die Kritik geraten, nachdem in seiner Publikation „Tichys Einblick“ ein Artikel erschienen war, den viele Leser als frauenfeindlich betrachten. Daraufhin hatte am Mittwoch Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) ihre Mitgliedschaft in der Ludwig-Erhard-Stiftung gekündigt.

          Kritik an Tichy äußerte auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der, allerdings nicht in seiner Funktion als Bundesbankpräsident, ebenfalls Mitglied der Stiftung ist. In einem Schreiben an die anderen Mitglieder der Stiftung schreibt Weidmann, „als Mitglied schätze ich die Stiftung, weil sie der Fortentwicklung marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Denkens eine Plattform bietet. Ein Ziel, das gerade in der heutigen Zeit in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Dazu gehört aus meiner Sicht ein Debattenklima gegenseitigen Respekts, nicht nur innerhalb der Stiftung, sondern auch darüber hinaus.“

          Weidmann hält sich mit Kritik an Tichy allerdings nicht zurück: „Unser derzeitiger Vorsitzender hat die Arbeit der Stiftung befördert, er spielt aber zugleich eine medial sichtbare Rolle als Herausgeber von „Tichys Einblick“. Dort herrscht ein zuspitzender, oft polemischer Debattenstil und es ist wiederholt zu beleidigenden und verletzenden Äußerungen gekommen, die sich mit den Idealen der Stiftung nicht vertragen und eine negative öffentliche Berichterstattung über die Stiftung ausgelöst haben. Mitglieder haben der Stiftung den Rücken gekehrt und vorgeschlagene Preisträger die Annahme einer Auszeichnung durch die Stiftung abgelehnt.“

          Daher zeigt sich Weidmann mit dem bevorstehenden Rückzug Tichys sehr zufrieden: „Ein personeller Neuanfang ist deshalb wichtig und ich begrüße, dass Roland Tichy bereit ist, den Weg dafür frei zu machen. Denn seine Rolle als Herausgeber verträgt sich nicht mit seiner Rolle als Vorsitzender der Stiftung. Noch in diesem Herbst haben wir in einer Mitgliederversammlung die Möglichkeit, eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden zu wählen, die oder der die Arbeit der Stiftung voranbringen und ihre Ideale verkörpern kann.“

          Auch der CDU-Politiker und Kandidat für den Vorsitz der Partei, Friedrich Merz, äußerte sich positiv zum angekündigten Rückzug Tichys: „Die einzig richtige Entscheidung!“, kommentierte er auf Twitter.

          Weitere Themen

          Die Kunstfigur

          FAZ Plus Artikel: Sawsan Chebli : Die Kunstfigur

          Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli kämpft gegen Rassismus und für Frauenrechte. Nun will sie in den Bundestag. Viele Genossen finden das unerhört, andere schwärmen für sie. Wer ist die Frau?

          Topmeldungen

          Mit einem Schild vor der Tür können Amerikaner ihre politischen Vorlieben ausdrücken.

          Durch Dörfer in Ohio : Von Tür zu Tür auf Stimmenfang

          Der Republikaner Rob Weber möchte für Ohio in den Kongress einziehen. Dafür sucht er den Kontakt zu den Wählern. Politisch steht er hinter Präsident Trump. Auf einen Corona-Schutz verzichtet er.

          Hamstereinkäufe : Was, wenn die Nachfrage weiter steigt?

          Im Frühjahr bunkerten die Deutschen vor allem eins: Toilettenpapier. Nun nehmen mit steigenden Infektionszahlen und Beschränkungen auch die Hamsterkäufe wieder zu. Was das für uns bedeutet.
          Einheitsfreude auch in Coronazeiten: Ein schwarz-rot-goldenes Herz am 3. Oktober in Potsdam

          Allensbach-Umfrage : Die Ostdeutschen sind selbstbewusster

          Die deutsche Einheit macht langsam Fortschritte. Die gegenseitigen Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen sind weniger groß, als es in der öffentlichen Debatte oft scheint. Überraschend ist das Selbstvertrauen in den neuen Ländern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.