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Nationalsozialismus : Roland Berger lässt Biografie seines Vaters untersuchen

Roland Berger Bild: dpa

Bislang hielt der Unternehmensberater Roland Berger seinen Vater für ein Opfer der Nationalsozialisten. Doch sein Vaterbild gerät ins Wanken.

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          Der Unternehmensberater Roland Berger lässt die Vergangenheit seines Vaters während der Zeit des Nationalsozialismus von Historikern aufarbeiten. Sein Vater war 13 Jahre lang Mitglied der NSDAP und stieg in den dreißiger Jahren zunächst zum Kassenverwalter der Hitler-Jugend auf, später leitete er in Österreich eine Großbäckerei und wohnte als Generaldirektor des Unternehmens offenbar in einer von jüdischen Eigentümern beschlagnahmten Dienstvilla in Wien.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Berger, der zu Kriegsende keine acht Jahre alt war, hatte seinen Vater bislang in Interviews eher als Opfer der Nationalsozialisten dargestellt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2012 beschrieb er seinen Vater als Mann, dessen Menschenwürde gebrochen worden sei. Sein Vater habe sich zwar zunächst auf die Nazis eingelassen, nach der Reichsprogromnacht wäre er aber aus der Partei wieder ausgetreten: „Unter Gefahr seines Lebens hat er gezeigt: Mit mir nicht“, sagte Roland Berger damals über seinen Vater.

          Nach neuen Erkenntnissen des Handelsblatts stellt sich der Sachverhalt aber anders dar: Georg Berger hatte zwar wohl tatsächlich in späteren Jahren Ärger mit nationalsozialistischen Beamten, allerdings wohl nicht, weil er zum Gegner des Regimes geworden war, sondern weil er in seiner Dienstvilla laut Handelsblatt-Recherchen in „Saus und Braus“ gelebt habe. Georg Berger war nach seiner Zeit bei der Hitler-Jugend Generaldirektor der Ankerbrot-Werke geworden, einer Großbäckerei in Österreich. Die einst von einem jüdischen Brüderpaar gegründete Brotfabrik hatten die Nationalsozialisten 1938 beschlagnahmt. Die ursprünglichen Eigentümer flüchteten erst in die Schweiz, später nach Amerika. Das Blatt zitiert einen Polizeibericht aus dem Jahr 1942, nach dem Berger seine Villa „mit einem unerhörten, in einem krassen Widerspruch zu den durch die Kriegslage gebotenen Sparmaßnahmen stehenden Aufwand“ ausgebaut habe. Mitten im Krieg hätten mehr als 20 Mitarbeiter damit verbracht, seine Dienstvilla zu verschönern. Die Kosten seien mit 80.000 Reichsmark veranschlagt worden, was nach heutiger Kaufkraft 300.000 Euro entspräche, von denen Georg Berger nur ein Zehntel selbst bezahlt habe, den Rest sein Unternehmen. Obwohl er den Vorstand des Unternehmens im Juli 1942 verlassen habe, sei er nicht aus der Dienstvilla ausgezogen, an der offenbar auch ein anderer Nazi Interesse hatte, der aber nicht einziehen konnte, weil Georg Berger nicht auszog.

          Roland Berger hatte 2012 gegenüber der Sonntagszeitung gesagt, sein Vater sei 1942 zum ersten Mal verhaftet worden „Wir hatten alle paar Wochen die Gestapo im Haus: Die Gesichter dieser Typen könnte ich heute noch beschreiben.“ Sein Vater sei 1944 endgültig weggesperrt geworden.

          Nachdem Roland Berger mit den neuen Erkenntnissen über seinen 1977 verstorbenen Vater konfrontiert wurde, hat er sich nun entschieden, die Geschichte von dem renommierten jüdischen Historiker Michael Wolffsohn und Sönke Neitzel von der Uni Potsdam untersuchen zu lassen: „Ich will die Wahrheit wissen – und dann auch mein Vaterbild verändern“, sagte Roland Berger dem Blatt in einem Interview. Falls er falsche Dinge behauptet habe, bereue er das aufrichtig. Sein Bild, dass er sich bislang über seinen Vater gemacht habe, stamme aus dessen eigenen Erzählungen. Die neuen Recherchen hätten sein Vaterbild „nachhaltig erschüttert“. Sein Vater sei nach dem Krieg ein gebrochener Mann gewesen, es sei ihm erbärmlich gegangen. Die Ergebnisse der Historiker will Roland Berger veröffentlichen. Der Historiker Michael Wolffsohn ergänzte in einer ersten Einschätzung, Georg Berger, sei, soweit es sich bisher feststellen lasse, „in der Tat Profiteur des NS-Regimes gewesen“, aber nach derzeitigem Wissensstand sei er kein Täter gewesen.

          Mit der Unternehmensberatung Roland Berger hat Georg Berger nichts zu tun. Sein Sohn gründete die Gesellschaft erst 1967. Aus dem Tagesgeschäft des Beratungshauses hat sich Roland Berger schon lange verabschiedet, ihm gehören allerdings noch knapp 3 Prozent des Unternehmens. Roland Berger engagiert sich seit 2008 über die „Roland Berger Stiftung“, die jedes Jahr einen Preis für Menschenwürde vergibt. Die nächste Preisvergabe steht am kommenden Montag im Berliner Jüdischen Museum an, Wolfgang Schäuble wird die Festrede halten. Nach Auskunft der Sprecherin der Stiftung soll sich daran nichts ändern, die Preisträger sollen im Vordergrund stehen. Roland Berger werde sich aber wohl in seiner Rede zu den neuen Erkenntnissen äußern.

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