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Rohstoffkonzern : Millionen für die Kali-Söldner

  • -Aktualisiert am

K+S-Abraumhalde im hessischen Philippsthal Bild: Archiv

Der K+S-Chef hat eine Übernahme abgewendet. Aber hat er gewonnen? Die Aktionäre jedenfalls sind sauer, denn die Aktie ist gefallen wie ein Sack.

          Die Schlacht ist geschlagen: Potash, der Angreifer aus Kanada, hat sich verzogen, Deutschlands einziger Rohstoffkonzern von Gewicht, K+S, bleibt selbständig. Nur wem nutzt das? Wer sind die Gewinner der Monate währenden Fehde? Zunächst ist da Norbert Steiner, der Vorstandschef, der einen harten, urlaubsfreien Sommer hinter sich hat. Der Manager ist in jedem Fall ein Sieger, er bleibt auf seinem Posten, wobei er bestreitet, je aus egoistischen Motiven gestritten zu haben: „Das ist kein Argument. Wir haben das vorgelegte Angebot aus drei Gründen ablehnen müssen: Es reflektierte nicht den Wert des Unternehmens, stand nicht im besten Interesse des Unternehmens und räumte zu keinem Zeitpunkt die Befürchtung aus, dass Standorte geschlossen und Arbeitsplätze abgebaut werden.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit fehlte Steiner die Basis für Gespräche. Triumphieren mag der Konzernchef trotzdem nicht, erst recht nicht nachtreten, zumal er weiß: Da kommt noch etwas nach. Dafür gibt es schlicht zu viele Verlierer: All jene Leute nämlich, die in Erwartung der Übernahme K+S-Aktien gekauft haben, 41 Euro hatten die Kanadier in ihrem (allerdings unverbindlichen) Vorschlag geboten.

          Steiner lehnte dies als zu niedrig ab, schrieb zweimal Briefe, samt ausgiebigem Fragenkatalog, an die Gegenseite, die Antworten waren nicht zufriedenstellend („Potash hat nie klare, einklagbare Zusagen gegeben“), folglich hat Steiner ihnen den Zutritt ins Innerste des Konzerns verwehrt, hat auch den Potash-Chef, den Deutschen Jochen Tilk, den er ansonsten schätzt, nie mehr persönlich gesprochen: Der Widerstand wurde organisiert, die Politik ergriff gerne Partei („Das hat uns sehr geholfen“, sagt Steiner). Als dann auch noch Wolken über dem Kali-Markt aufzogen, war das zu viel für die Kanadier: Sie haben ihren Vorstoß abgeblasen.

          Die K+S-Aktie ist daraufhin gefallen wie ein Sack. Statt der 41 Euro, die von Potash in Aussicht gestellt wurden, notiert sie bei rund 25 Euro: Milliarden an Wert wurden vernichtet. Entsprechend sauer sind die Aktionäre, Steiner wird dafür angegriffen, Vermögen veruntreut zu haben, indem er sich gegen den neuen Eigner gewehrt hat. Mit weiteren Protesten enttäuschter Investoren ist zu rechnen. „Wir wissen, dass das Thema auf der Hauptversammlung einen Nachhall haben wird, aber wir haben gewissenhaft gearbeitet und deshalb nichts zu fürchten“, sagt Steiner. „Wir haben absolut sauber agiert, sind materiell und rechtlich auf der sicheren Seite.“

          Und wenn der Zorn der Aktionäre sich schon irgendwo entladen muss, dann bitteschön auf die Gegenseite. „Potash hat den Prozess beendet – und nicht wir. Deswegen lassen wir uns nicht in Haftung nehmen“, sagt Steiner. Will heißen: Wenn die Gegenseite Phantasie schürt, und sich dann verzieht, ist das nicht seine Schuld. Mitleid mit Aktionären, die Geld verloren haben, gehört laut Aktienrecht nicht zu den Pflichten eines Vorstandsvorsitzenden: „Wer an die Börse geht, der weiß: Es gibt keine garantierten Gewinne.“ Und wer auf eine Übernahme wettet, begibt sich eben auf besonders riskantes Terrain.

          K+S-Chef Norbert Steiner

          Trotzdem: Norbert Steiner bleibt gefangen. Wenn er die 41-Euro-Offerte als zu niedrig einstuft, muss er den Aktienkurs schnellstmöglich nach oben drücken, sonst verliert er an Glaubwürdigkeit: Den Hebel dazu sieht er – ausgerechnet – in Kanada: Für mehr als vier Milliarden kanadische Dollar (rund drei Milliarden Euro) läuft dort ein Jahrhundertprojekt des Konzerns, um neue Kali-Vorkommen zu erschließen. Dieses Potential habe der Kapitalmarkt, der die Zukunft kauft, bis heute im Kurs nicht berücksichtigt, argumentiert der K+S-Chef, da Analysten ein – für Großbaustellen nicht unplausibles – Scheitern befürchtet hatten: „Diese Sorgen mögen anfangs berechtigt gewesen sein, heute sind die Fortschritte jeden Tag auf der Baustelle zu sehen. 2016 werden wir das Werk bereits in Betrieb nehmen. Wer also an der Börse auf Zukunft setzt, könnte dann zu spät kommen.“

          Für das laufende Jahr hat Steiner seinen Aktionären 780 bis 860 Millionen Euro Gewinn versprochen, daran hält er fest, allen Stürmen des Marktes zum Trotz: „Das obere Ende ist mittlerweile sehr ambitioniert, aber an der Spanne gibt es nichts zu deuteln: Wir fühlen uns wohl mit der Aussage.“

          Ach ja, noch einen Gewinner gibt es: Die Dienstleister, böse Leute sagen Söldner, die in jeder Übernahmeschlacht ihr Honorar kassieren, egal wie es ausgeht: Investmentbanker, Juristen, PR-Strategen – mindestens zehn Millionen Euro Salär hatte K+S denen versprochen. Nun, da die Schlacht vorzeitig beendet wurde, würde Steiner gerne weniger überweisen: „Wie jeder gute Kaufmann werden wir darüber noch mal reden.“

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