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Rohstoffe in der Arktis : Der 9-Billionen-Dollar-Schatz unter dem Eis

  • -Aktualisiert am

Ein Eisberg im Osten Grönlands Bild: AP

Die Jagd auf die Rohstoffe im hohen Norden ist in vollem Gang. Ausgerechnet der britische Ölkonzern BP will in dem sensiblen Naturraum mitmischen.

          Die Zahlen sind schwindelerregend: 90 Milliarden Fass Öl könnten sich unter dem Eis der Arktis befinden. Das schätzten vor drei Jahren amerikanische Geologen im Auftrag der Regierung in Washington in einer breitangelegten Studie. Der Marktwert für diesen Rohstoffschatz beliefe sich nach dem heutigen Ölpreis auf rund 9 Billionen Dollar. In der Arktis würden demnach mehr als 20 Prozent der vermuteten noch unerschlossenen globalen Öl- und Gasvorkommen lagern.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Jagd auf den Schatz im Eismeer ist in vollem Gang. Ende vergangener Woche gaben der britische Ölkonzern BP und der russische Energieriese Rosneft eine weitreichende Allianz zur Ausbeutung der erhofften Öl- und Gasvorräte im russischen Teil der Arktis bekannt. Gemeinsam wollen sie in der südlichen Karasee nach Öl bohren. Rund 37 Milliarden Fass könnten dort verborgen sein, hoffen BP und Rosneft, dazu große Mengen an Erdgas. Zum Vergleich: Derzeit belaufen sich die gesamten nachgewiesenen Energiereserven von BP auf der ganzen Welt auf 18 Milliarden Fass. Bis zu den ersten Bohrungen werden allerdings noch einige Jahre vergehen.

          Ausgerechnet BP: Die Arktis gilt als einer der sensibelsten Naturräume der Welt, und die Briten haben erst vergangenes Jahr im Golf von Mexiko die schwerste Ölkatastrophe der amerikanischen Geschichte verursacht. Die Bedingungen nördlich des Polarkreises sind viel extremer als am Golf. Sollte Öl dort ins Meer gelangen, würde es sich im eiskalten Wasser des Polarmeers viel langsamer abbauen als im warmen Golf von Mexiko. In manchen Regionen der Arktis ist das Polarmeer mehrere tausend Meter tief und neun Monate im Jahr zugefroren.

          Norwegen hat bislang die meisten Erfahrungen gesammelt

          Der Ölexperte Alec Kemp, Wirtschaftsprofessor an der Universität Aberdeen, hält einen Verzicht auf das Arktisöl angesichts des immer weiter wachsenden Energiehungers der Welt trotzdem für unrealistisch: "Das wäre, als würden sie aus Angst vor Verkehrsunfällen den Autobau verbieten." Allerdings sei das finanzielle Risiko für die Unternehmen enorm. Die bisherigen Prognosen basieren nur auf eher vagen Schätzungen und könnten sich als falsch erweisen. "Bevor nicht Explorationsbohrungen durchgeführt sind, weiß niemand, ob das Öl wirklich da ist", sagt Kemp. Solche Probebohrungen sind in der Arktis jedoch extrem teuer und wurden bisher kaum vorgenommen.

          Die westlichen Ölkonzerne gehen das Risiko ein, denn in vielen anderen Weltgegenden haben sie Mühe, Zugang zu dringend benötigten neuen Lagerstätten zu bekommen. Chevron hat vergangenes Jahr in der kanadischen Arktis eine Bohrlizenz erhalten. In den Vereinigten Staaten dringt unter anderem Shell auf eine rasche Zulassung von Bohrungen vor Alaska. Das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Selbst die von Präsident Barack Obama eingerichtete Untersuchungskommission zur BP-Katastrophe im Golf plädierte vergangene Woche in ihrem Abschlussbericht dafür, "kein De-facto-Moratorium" für die Ölsuche in der Arktis zu verhängen - zu dringend brauche Amerika das schwarze Gold.

          Am meisten Erfahrung mit der Ausbeutung der Bodenschätze im hohen Norden hat bisher Norwegen. Seit drei Jahren ist das Gasfeld Snøhvit (Schneewittchen) in Betrieb, das auf einer geographischen Breite von 70 Grad Nord liegt. Durch eine gut 140 Kilometer lange Leitung auf dem Meeresboden wird das Erdgas zum Festland gepumpt, wo es gereinigt, verflüssigt und auf Tankschiffe verladen wird. Auf 20,8 Millionen Kubikmeter beziffert Statoil, der mehrheitlich staatlich kontrollierte Öl- und Gasförderer, die tägliche Fördermenge.

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