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Rohstoffe : Der neue Ölrausch in der Nordsee

Eine Ölplattform in der Nordsee: Nach der Entdeckung neuer Ölfelder boomt die Industrie Bild: dpa

Vor den Küsten von Großbritannien und Norwegen rollt eine gewaltige Investitionswelle. Die Nordsee-Ölindustrie floriert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

          Alex Salmond verspricht seinen Landsleuten goldene Jahre: „Es kann wenig Zweifel daran geben“, sagt der schottische Ministerpräsident. Großbritanniens Norden sei auf dem Weg zu einem „zweiten Ölboom“. Die großen Worte sind mehr als das Wunschdenken eines Politikers. 38 Jahre nachdem die Briten das erste Erdöl aus der Nordsee gepumpt haben, erlebt die Branche dort überraschend eine neue Blüte. Während Großbritannien insgesamt auf die dritte Rezession binnen fünf Jahren zusteuert, hat sich Schottlands Ölindustrie vom Rest des Landes abgekoppelt. In der Hafenstadt Aberdeen, dem Zentrum der Nordsee-Ölbranche, brummt das Geschäft wie lange nicht mehr. Vor allem der hohe Ölpreis, aber auch neue steuerliche Anreize der Regierung für die Jagd nach Energie haben eine Investitionswelle ausgelöst.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Branchenverband UK Oil and Gas prognostiziert, dass die Ölförderung im britischen Teil der Nordsee im Jahr 2017 erstmals seit der Jahrtausendwende wieder steigen werde. Vergangenes Jahr waren die Investitionen der britischen Öl- und Gasindustrie so hoch wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr, und 2013 werden sie wohl weiter wachsen. Insgesamt planen Energieunternehmen in britischen Gewässern in den kommenden Jahren Investitionen von umgerechnet knapp 120 Milliarden Euro in der Nordsee und im angrenzenden Nordatlantik. Als die Regierung in London vergangenen Herbst neue Lizenzen für Bohrungen versteigerte, war die Zahl der Gebote so groß wie nie zuvor. 28 neue Förderprojekte hat das britische Energieministerium 2012 genehmigt und damit mehr als dreimal so viele wie noch zwei Jahre zuvor.

          Überraschend große Ölfeld-Funde

          Der norwegische Statoil-Konzern steckt umgerechnet 5,5 Milliarden Euro in die Erschließung des Ölfelds Mariner östlich der Shetland-Inseln - eine der größten Investitionen in der Geschichte der Nordsee-Ölindustrie. Der Konkurrent BP investiert derweil zusammen mit Partnern weitere 3,5 Milliarden Euro in das Clair-Feld westlich der Shetlands. Aus beiden Vorkommen soll bis zur Mitte des Jahrhunderts Öl gefördert werden.

          Im norwegischen Teil der Nordsee eröffnet derweil vor allem das riesige Ölfeld „Johan Sverdrup“ der Branche neue Horizonte. Das Besondere an dem Überraschungsfund: Das 2011 entdeckte Vorkommen von Statoil und deren Partner Lundin Petroleum liegt in einem Bereich der Nordsee, in dem schon seit Jahrzehnten intensiv nach Öl und Gas gesucht wird. Dass dort noch so große neue Lagerstätten aufgespürt werden können, hatte kaum ein Fachmann erwartet. Bis zu 3,3 Milliarden Fass (zu 159 Liter) Öläquivalente enthält „Johan Sverdrup“ den Schätzungen der Geologen zufolge. Benannt ist das Ölfeld nach dem ersten Ministerpräsidenten Norwegens. Es ist der größte Fund in Norwegen seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

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