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Rohstoffe : Brasilien auf dem Weg zur Ölmacht

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Vor der Küste Brasiliens könnte das drittgrößte Erdöllager der Welt entdeckt worden sein. Eher beiläufig, in einem Fachseminar, gab ein brasilianischer Regierungsbeamter am Montag Informationen bekannt, die dem Erdölgeschäft in Südamerika nach Einschätzung von Fachleuten neue Horizonte eröffnen könnten. Im Atlantik etwa 280 Kilometer vor Rio de Janeiro soll die staatlich kontrollierte Erdölgesellschaft Petrobras ein Lager mit Reserven von möglicherweise 33 Milliarden Fass Erdöl gefunden haben, sagte Haraldo Lima, Chef der brasilianischen Erdöl-Regulierungsbehörde Agência Nacional de Petróleo. Er beziehe sich bei seiner etwas überraschenden Mitteilung auf „halboffizielle“ Informationen aus Kreisen der Unternehmen, die das Ölfeld im Rahmen einer Konzession erforschen, erklärte Lima.

          Neben dem Konsortialführer Petrobras, der 45 Prozent der Anteile hält, sind British Gas und die spanische Repsol an der Konzession beteiligt. Sollten sich die Mitteilungen Limas bestätigen, würde es sich um den weltweit größten Ölfund seit dreißig Jahren handeln. Das neue Vorkommen würde Brasiliens Ölreserven verdreifachen und das Amazonasland unter die zehn Länder mit den höchsten Ölreserven katapultieren - vor Libyen, Nigeria und den Vereinigten Staaten, nicht allzu weit hinter Russland und Venezuela.

          Weitere Studien erforderlich

          Brasiliens Energieminister Edison Lobão wollte die Mitteilungen Limas weder bestätigen noch dementieren, bat aber um „Vorsicht“ bei dem Umgang mit solchen Informationen. Weniger zurückhaltend gab sich die Kabinettschefin Dilma Rousseff. „Wenn sich der Fund bestätigt, wird Brasilien ein Ölexporteur auf einem Niveau wie die arabischen Länder und Venezuela“, jubelte sie. Petrobras sah sich gezwungen, eine Mitteilung an die Börsenaufsicht zu machen. Darin heißt es, „schlüssigere Daten über das Potential des Fundes werden erst nach Abschluss des Evaluierungsprozesses vorliegen und dem Markt zu opportunem Zeitpunkt mitgeteilt“. Es seien weitere Bohrungen, Langzeitproben und geologische Studien erforderlich. Der Aktienkurs von Petrobras stieg um 6 Prozent, auch die Aktien der Partnerunternehmen zogen stark an.

          Ölplattform der Firma Petrobras
          Ölplattform der Firma Petrobras : Bild: dpa

          Dass vor der brasilianischen Küste noch riesige Öl- und Gasvorkommen existieren, vermuten Geologen schon lange. In den vergangenen Monaten werden diese Vermutungen nach und nach bestätigt. Das Feld BM-S-9, besser bekannt unter dem Namen Carioca, liegt im Santos-Becken etwa 5000 Meter unter dem Meeresspiegel. Es gehört zu dem Gebiet Pão de Açúcar, in dem weitere Förderblöcke erforscht werden.

          „Wenn sich das bestätigt, ist es wirklich groß“

          Vergangenen November hatte Petrobras einen Fund von 5 bis 8 Milliarden Fass Öl im benachbarten Block Tupi bekanntgegeben, im Januar wurde ein riesiges Gasfeld entdeckt. Die Erforschung in solchen Meerestiefen ist sehr aufwendig. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Öllager unter einer dicken Schicht von Salzgestein befinden. Doch „bei diesem Umfang hat man solche Größenvorteile, dass diese die geologischen Herausforderungen ohne weiteres kompensieren können“, kommentierte Sophie Aldebert von Cambridge Energy Research in Brasilien. „Wenn sich das bestätigt, ist es wirklich groß“, so Aldebert. Die Erschließung des Feldes bis zur Produktionsreife wird nach Einschätzung von Fachleuten noch viel Zeit und viel Geld erfordern. Petrobras gilt mit 20 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet jedoch als eines der technologisch führenden Unternehmen in der Offshore-Ölindustrie. Die Qualität des vorhandenen Öls soll gut sein, besser jedenfalls als das bisher in Brasilien vornehmlich geförderte Schweröl.

          Mit den neuen Öl- und Gasfunden würde Brasilien neben Venezuela zur zweiten Ölmacht Südamerikas aufsteigen. Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva hatte schon nach dem Ölfund im November angemeldet, dass Brasilien in einigen Jahren Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) werden könne. Auf längere Sicht würde Brasilien auch seine Abhängigkeit vom Gasimport aus dem politisch unstabilen Nachbarland Bolivien verringern können. Einstweilen bleibt Brasilien aber auf den Import angewiesen.

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