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F.A.S. Exklusiv : Tennisstar Federer: „Ich weiß, was ein Schuh wiegen darf“

Ballgefühl: Tennisstar Federer während eines Spiels in Brasilien Bild: EPA

Wimbledon-Rekordsieger Roger Federer spricht im Interview über seine Beweggründe für den Einstieg in ein Sportschuh-Start-up – und wie er mit seiner Erfahrung das Sportartikelgeschäft bereichern kann.

          2 Min.

          Herr Federer, warum beteiligen Sie sich an dem Schweizer Laufschuhunternehmen On?

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Ich habe schon vor ein paar Jahren mitbekommen, wie stark sich dieses Unternehmen entwickelt. Und nachdem mein Ausrüstervertrag mit Nike 2018 ausgelaufen war, wollte ich nicht wieder einen klassischen Deal mit einer anderen großen Marke abschließen. Dann bin ich irgendwann mit den Gründern von On ins Gespräch gekommen. Das sind tolle Jungs. Wir haben uns auf Anhieb hervorragend verstanden und die Idee entwickelt, gemeinsame Sache zu machen.

          Wie viel Geld investieren Sie?

          Das werde ich nicht sagen, aber es ist ein signifikanter Betrag. Ich bin stolz, dass ich mich bei On beteiligen durfte. Ich freue mich, dass ich auf Augenhöhe mit den Jungs diskutieren kann, obwohl ich nur mit einem kleinen Anteil an Bord bin.

          Sie halten also weniger als 10 Prozent der Firmenanteile?

          Ja.

          Wie sehen Sie Ihre Rolle bei On? Werden Sie ein aktiver Aktionär sein, der sich mit eigenen Ideen einbringt?

          Ja, auf jeden Fall. Das ist ein langfristiges unternehmerisches Engagement, das über den finanziellen Einsatz hinausgeht. Mit meinem Knowhow, meinem Bekanntheitsgrad und meinen inzwischen gesammelten Erfahrungen im Marketing möchte ich dabei helfen, die Marke international noch bekannter zu machen. Die gemeinsame Arbeit hat bereits begonnen. Als Athlet habe ich ein gutes Gefühl für den Komfort, das Gewicht und die Steifigkeit von Schuhen. Diese Erfahrung kann ich bei der Entwicklung neuer Modelle einbringen. On baut tolle Schuhe, aber es geht ja immer weiter. Man muss innovativ bleiben.

          Federer, aktuell Weltranglistendritter, vergangene Woche auf dem Tennisplatz.
          Federer, aktuell Weltranglistendritter, vergangene Woche auf dem Tennisplatz. : Bild: AFP

          Wird On mit Ihrer Hilfe bald auch Tennisschuhe anbieten?

          Wer weiß? Gesprochen haben wir darüber schon. Aber momentan spiele ich weiter mit Nike-Schuhen, weil die seit vielen Jahren genau auf meine Füße abgestimmt sind. Wenn ich eines Tages nicht mehr aktiv Tennis spiele, werde ich sicherlich auch mal mit einem On-Schuh auf den Tennisplatz gehen. Bis dahin haben wir vermutlich genug Zeit, ein solches Modell zu bauen. Aber noch ist in dieser Hinsicht nichts entschieden.

          Versprechen Sie sich von Ihrer Beteiligung auch eine Rendite?

          Ja, wir erhoffen uns alle auch eine Rendite. Aber das ist nicht die entscheidende Triebfeder. Ich mache das, weil ich überzeugt bin, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Wenn dabei auch finanziell etwas herausspringt, ist das super – wenn nicht, ist das aber auch kein Problem.

          Trauen Sie bei Investitionsentscheidungen eher Ihrem Bauch oder Ihrem Kopf?

          Das Bauchgefühl ist ganz wichtig für mich. Der Einstieg bei On ist wohlüberlegt, aber am Schluss war es eine Bauchentscheidung.

          Aber als Perfektionist haben Sie On vor Ihrem Einstieg doch gewiss von Finanzprofis durchleuchten lassen, oder?

          Ja, ein paar Leute, denen ich vertraue, haben sich das genau angeschaut.

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