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Kommentar : Wie die Roboter unsere Rente sichern

Roboter können immer mehr Dinge, die wir Menschen können - davor brauchen wir keine Angst zu haben. Bild: AP

Der Aufstieg der Roboter beinhaltet eine große Chance: Mehr Wohlstand für alle. Dadurch könnte sich sogar jedes demographische Problem lösen.

          Armar räumt die Spülmaschine ein, Bonirob jätet Unkraut, Wall-Ye erntet Trauben, Atlas kontrolliert Eintrittskarten, und Asimo serviert Getränke. Bis alle diese Roboter in Serie vom Band laufen oder rollen, wird noch einige Zeit vergehen. Vielleicht heißen die Modelle, die dann ebenjene Arbeiten ausführen, auch ganz anders. Sicher aber ist: Roboter werden immer intelligenter, können immer mehr Arbeiten übernehmen, die heute noch Menschen erledigen.

          Und sie können es in der Regel schneller, präziser, ausdauernder. In Fabriken rund um die Welt zählt die International Federation of Robotics 1,6 Millionen Industrieroboter – noch einmal eine Million kommen in den nächsten drei Jahren hinzu, erwarten ihre Fachleute. Die vielen denkbaren Anwendungen als Dienstleister sind da noch gar nicht einbezogen.

          Die Folgen werden gravierend sein. Nicht zufällig regen die ranghöchsten Fachleute des Weißen Hauses gerade jetzt in einem breit angelegten Aufsatz dazu an, sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der künstliche Intelligenz eine dominante Rolle spielt.

          Forscher um Andrew Berg vom Internationalen Währungsfonds, der nicht für utopische Träumereien bekannt ist, haben in der nüchternen Sprache der Ökonomen jüngst erläutert, was für Wohlstand und Wirtschaft folgt, wenn sich Roboter Menschen in dem, was sie können, immer stärker ähneln. Grob zusammengefasst: Die Wirtschaftsleistung wird dann (wesentlich) schneller wachsen. Zumindest in der Theorie könnte dies auch jedes demographische Problem lösen.

          Es lohnt, dem dahinterliegenden Gedankengang zu folgen. Wirtschaftswachstum entsteht in den Vokabeln der zugehörigen Wissenschaft so: Menschen stellen mit Hilfe von Maschinen und Fertigungstechniken alle Güter und Dienstleistungen (Bruttoinlandsprodukt) her, die dann verbraucht werden können. Werden die Menschen nun weniger oder älter (oder beides), sinkt auch die Wirtschaftsleistung – wenn sonst alles bleibt, wie es ist.

          Wenn Roboter immer menschenähnlicher werden, funktioniert das genau umgekehrt: „All dieses traditionelle Kapital und die Roboter – mit einem schrumpfenden Beitrag menschlicher Arbeit – produzieren mehr und mehr. (...) Also gibt es einen immer größeren Güterberg, den sich die Menschen aufteilen können“, schreiben die Währungsfonds-Ökonomen. „So eine Technologie würde klarerweise alle Grenzen für das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt einreißen“, urteilte auch der Wirtschaftsnobelpreisträger und Science-Fiction-Fan Paul Krugman schon vor Jahren. In einfachen Worten: mehr Wohlstand für alle also.

          Eine mögliche Folge: Jedes Alterungsproblem löste sich quasi von selbst. Wer später real wie viel Rente bekommt, hängt ja stark von der dann vorhandenen Wirtschaftsleistung ab – viel mehr übrigens als davon, wie hoch heute oder morgen die Zinsen sind.

          Klar: Roboter, die nahezu all das können, was Menschen können, sind noch Zukunftsmusik; Fachleute für künstliche Intelligenz oder Kognitionswissenschaftler stellen uns eher auf Jahrzehnte als Jahre ein. Aber selbst unter der Annahme, dass Menschen in Bereichen, die sehr viel Kreativität und Empathie erfordern, bis auf weiteres uneinholbar bleiben für Maschinen, ändert sich an den gewaltigen Chancen gar nicht so viel. Auch deswegen ist schade, dass in diesem Zusammenhang sehr viel von möglichen Problemen gesprochen wird. Davon etwa, dass Maschinen unzähligen Menschen die Arbeitsplätze wegnähmen oder dass besonders derjenige leiden werde, der schlecht oder gar nicht ausgebildet ist. Außerdem wird behauptet, dass die Ungleichheit dadurch immer größer würde.

          Natürlich ist entscheidend, wem die schlauen Roboter gehören, wer also ihre „Rendite“ bekommt. Aber hat es das nicht immer wieder gegeben, dass eine neue Technologie die Arbeitswelt verändert, manches Berufsbild ab- und andere dafür erschafft? Auch Verteilungskonflikte sind weder neu noch unlösbar.

          Richard Freeman, ein angesehener Ökonom der Harvard-Universität, hat zum Beispiel viele Möglichkeiten ausgeführt, wie entweder Mitarbeiter in einem Unternehmen oder die Allgemeinheit insgesamt an der Roboter-Rendite beteiligt werden könnten. Allesamt Möglichkeiten, die weder an einer naturgesetzlichen noch einer technischen Grenze scheitern.

          Und Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, sagte über die Chancen für Geringqualifizierte gegenüber dieser Zeitung unlängst: „Jetzt erhalten wir die Möglichkeit, sie mit neuer Technik zu höheren Leistungen zu befähigen – und das eröffnet auch neue Verteilungsspielräume für die Entlohnung vergleichsweise einfacher Tätigkeiten.“

          Es gibt also genügend Gründe, zuversichtlich zu sein und ohne Angst auf den Aufstieg der Roboter im Besonderen und der künstlichen Intelligenz im Allgemeinen zu blicken. Erfolgreiche internationale Unternehmen wie Alphabet (Google), Apple, IBM, Bosch, Toyota oder Honda geben enorme Summen aus, um hier voranzukommen. Die Erfahrung zeigt, dass sie das nicht tun würden, wenn es nur um Hirngespinste oder Risiken ginge – oder zu befürchten stünde, dass die Menschen diesen Fortschritt gar nicht wollten.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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