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Riesiger Markt in China : VW prüft Bau eines Billiglasters

Volkswagen-Produktion bei Schanghai Bild: dpa

Während Volkswagen im Markt für Autos in China die Nummer eins ist, spielt der Konzern bei leichten Nutzfahrzeugen kaum eine Rolle. Bislang wird dieser Markt von den Billigtransportern lokaler Hersteller dominiert, jetzt prüft VW den Einstieg.

          Die Investitions- und Marktoffensive des VW-Konzerns in China könnte auch auf das Geschäft mit Nutzfahrzeugen abstrahlen. Wie berichtet, will Volkswagen seine Produktionskapazitäten in China nahezu verdoppeln (F.A.Z. vom 15. März). Außerdem wollen die Wolfsburger das geplante Billigauto im Reich der Mitte bauen. Während VW im Markt für Personenkraftwagen in China die Nummer eins ist, spielt der Konzern auf dem großen Feld der leichten Nutzfahrzeuge kaum eine Rolle. Dieser von Umweltstandards noch weitgehend befreite Markt wird von den Billigtransportern lokaler Hersteller dominiert - und ist mit einem Volumen von 2,5 Millionen Einheiten der größte der Welt. Daher prüfe VW nun den Einstieg in diesen Markt, sagte Eckhard Scholz, der seit wenigen Monaten die VW-Nutzfahrzeugsparte führt, auf einer Pressekonferenz in Hannover. Mit dem bestehenden Angebot an Lieferwagen und Transportern kann VW preislich nicht mit den lokalen Herstellern konkurrieren. Daher diskutiere man intensiv mit den beiden Gemeinschaftsunternehmen, mit denen VW in China seine Geschäfte betreibt, über den Bau eines preiswerten Einstiegsmodells im Segment der leichten Nutzfahrzeuge. Dieses werde im Ernstfall aber keinesfalls unter der Marke VW auf den Markt kommen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Überlegungen sind Teil einer neuen Internationalisierungsstrategie, mit der Scholz die Abhängigkeit vom schwierigen europäischen Nutzfahrzeugmarkt reduzieren und so wieder mehr Wachstumsdynamik entfalten will.

          Neuer Crafter für Amerika

          Noch größere Perspektiven sieht Scholz in dieser Hinsicht in Nordamerika, wo VW mit seinen Transportern noch gar nicht präsent ist. Der frühere Skoda-Entwicklungschef hält es allerdings nicht für erfolgversprechend, bestehende Modelle über den großen Teich zu schicken. Vielmehr soll ein neues Fahrzeug entwickelt werden, das die spezifischen Anforderungen des amerikanischen Marktes erfüllt. Dabei handelt es sich um eine Neuauflage des Crafters. Diesen Großtransporter baut VW bislang gemeinsam mit Mercedes-Benz. Doch die Kooperation mit den Schwaben, die das weitgehend baugleiche Modell Sprinter nennen, läuft 2016 aus und soll offenbar nicht verlängert werden. Ausgerechnet im profitabelsten Fahrzeugsegment den Juniorpartner zu spielen, entspreche nicht seiner Grundhaltung, sagte Scholz. Für den Vertrieb eines eigenständigen Produkts in Amerika und andernorts würde er gerne das globale Händler- und Servicenetz der Lastwagenbauer MAN und Scania nutzen, die beide mehrheitlich zu VW gehören und fortan enger kooperieren sollen. Wo der neue Crafter produziert werden soll, sei noch vollkommen offen, sagte Scholz.

          Im Geschäft mit seinen leichten Nutzfahrzeugen und Pritschenwagen hat Volkswagen 2012 den Umsatz um gut 5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro erhöht. Trotzdem sank das operative Ergebnis um 6 Prozent auf 449 Millionen Euro. Den Rückgang der Umsatzrendite um einen halben Prozentpunkt auf 4,5 Prozent begründete der Vorstand mit den Anlaufkosten für den Amarok in Hannover und der „Aggressivität der Wettbewerber“. Mit anderen Worten: VW hat sich den Zugewinn an Marktanteilen mit Rabatten und günstigen Finanzierungsangeboten erkauft. Auch im laufenden Jahr sind die Preise unter Druck. Im Januar und Februar sind die Auslieferungen vor allem wegen der Marktflaute in West- und Südeuropa um fast 7 Prozent gefallen. Scholz kündigte an, die Kosten zu senken und mehr Komponenten aus den Baukästen des Konzerns verwenden zu wollen. Personal abzubauen sei nicht geplant.

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