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Heimliche Telefonate : Neue Hürden für Headhunter

„Können Sie gerade frei sprechen?“ Bild: dpa

Dürfen Headhunter auf dem Handy potentieller Kandidaten anrufen – auch wenn das deren Arbeitszeit stiehlt? Richter haben die Regeln jetzt präzisiert.

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          Aus Sicht von Arbeitgebern ist es eine ärgerliche Unsitte, die in Zeiten von professionellen Karrierenetzwerken wie Xing oder LinkedIn stark zu genommen hat: Abwerbeversuche von Headhuntern am Arbeitsplatz. „Können Sie gerade frei sprechen?“ Die Frage kennt jeder, der schon einmal von einem Personalvermittler während der Bürozeit angesprochen wurde. Sie gehört zum Jargon der Headhunter, dient aber der Diskretion des Auftraggebers und des potentiellen Bewerbers. Für Abwerbeversuche am Arbeitsplatz gelten strenge Regeln. So ist es etwa Unternehmen untersagt, fortlaufend Akquise neuer Mitarbeiter bei der Konkurrenz zu betrieben, indem man sie direkt auf ihrer Dienst-Durchwahl anruft. Was aber gilt, wenn ein Mitarbeiter seine private Mobilnummer über soziale Netzwerke preisgibt – mit dem Hintergedanken, einmal doch „gesucht und gefunden“ zu werden?

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die strengen Maßgaben für die Kontaktaufnahme via Diensttelefon hat das Oberlandesgericht Frankfurt nun überwiegend auch auf Privathandys übertragen. In dem Ausgangsfall hatte ein Headhunter einen offenkundig wechselinteressierten Mitarbeiter innerhalb von fünf Tagen sieben Mal auf dessen Handy angerufen. Der Arbeitgeber klagte nun erfolgreich auf Unterlassung.

          Denn dieses Geschäftsgebaren störe die internen Betriebsabläufe, argumentierten die Frankfurter Richter. Ein Arbeitgeber hat ein berechtigtes Interesse, dass seine Mitarbeiter sich während der Arbeitszeit auf ihre Tätigkeit konzentrieren; denn diese schulden sie laut Arbeitsvertrag. Lediglich eine erste Kontaktaufnahme zur Vereinbarung eines Folgetermins fernab des Arbeitsplatzes soll zulässig sein, heißt es in der Entscheidung des Oberlandesgerichts vom Mittwoch. Wenn Personalvermittler Wechselwillige auf ihrem Handy anrufen, muss die erste Frage also künftig lauten: „Sind Sie gerade am Arbeitsplatz?“

          Der Branchenverband sieht das Urteil gelassen: „Es ändert sich für uns wenig“, sagt Wolfram Tröger, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU. Entscheidend sei, dass die telefonische Kontaktaufnahme weiterhin zulässig bleibe. Der Verband habe für seine Mitglieder schon länger in einer Richtlinie festgelegt, dass potentielle Kandidaten nur kurz angerufen werden, vertiefende Gespräche aber außerhalb der Arbeitszeit des Kandidaten zu führen sind. „Das dauert nicht länger als drei Minuten“, sagt Tröger. Wenn gegen diese Grundsätze verstoßen würde, sei ein Rüffel auch angemessen. Headhunter seien aber weiterhin sehr häufig auf Anrufe am Arbeitsplatz zur Kontaktaufnahme angewiesen, weil die Ansprache über betriebliche E-Mails „völlig tabu“ sei.

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