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Richard Easterlin : Geld allein macht auch nicht glücklich

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Richard Easterlin (geboren 1926) Bild: Archiv

Der Ökonom Richard Easterlin hat den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Glück erforscht. Und erkannt: Die Menschen sind nicht nur aufs Geld aus.

          Man muss sich Richard Easterlin als einen glücklichen Ökonomen vorstellen. Der 1926 geborene Amerikaner, der fast sein ganzes Leben an der University of Pennsylvania unterrichtete, hat erreicht, wovon die meisten Wissenschaftler träumen. Er hat mit der „Glücksforschung“ eine aufstrebende neue Forschungsrichtung auf die Beine gestellt und findet mit seinen Erkenntnissen das Gehör der Regierungen. Ihm sind viele Ehrungen zuteilgeworden, nur der Nobelpreis steht noch aus.

          Bekannt ist Easterlin vor allem für eine empirische Beobachtung und ein vermeintliches theoretisches Rätsel: Wirtschaftswachstum bedeutet nicht, dass die Menschen glücklicher werden (Easterlin-Paradoxon). Dafür gibt es eine Erklärung: Das Glück hängt nicht am Geld allein. Mit dem Wohlstand steigen die Ansprüche. Und wenn schon materielle Aspekte eine Rolle spielen, dann hängt das subjektive Glücksempfinden oft stärker davon ab, ob man reicher ist als die Menschen, mit denen man sich vergleicht, als davon, ob man auf dem eigenen Pfad vorangekommen ist.

          Ungleichheit macht Umverteilung notwendig

          Eine ähnliche Kontext-Betrachtung liegt seiner Erklärung des Babybooms und seines Ende zugrunde – einer Erscheinung, die nicht in das Bild passt, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Fortpflanzung gibt. Die Eltern der Babyboom-Kinder hatten nach Easterlin, der sich ausgiebig mit demographischen Fragen beschäftigt hat, geringe materielle Erwartungen und konnten sich dank der guten ökonomischen Entwicklung reich fühlen. Ihre Kinder seien verwöhnt gewesen, hätten aufgrund ihrer großen Anzahl jedoch schlechtere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gehabt und sich subjektiv erfolgloser gefühlt – weshalb sie ihrerseits weniger Kinder in die Welt gesetzt hätten, obwohl sie objektiv besser lebten als ihre Eltern (Easterlin-Hypothese).

          Die von Easterlin 1974 publizierte Nachricht, dass Geld nicht alles ist, schlug ein wie eine Bombe. Viele Menschen mögen darin die Mahnungen ihrer Großeltern wiedererkannt haben. So weit, so trivial? Zumindest die politischen Folgerungen sind durchaus nicht ohne. Wenn zunehmender ökonomischer Wohlstand gar nicht glücklicher macht, dann kann man es sich schenken, über eine Wirtschaftspolitik nachzugrübeln, die das Wachstum fördert – so die gängige Lesart. Im Gegenteil, wenn es die Leute glücklicher macht, dass es weniger Ungleichheit im Land gibt, dann tut mehr Umverteilung not, vollkommen gleichgültig, was das für das Wachstum bedeutet. Die Kapitalismuskritiker, die in der Wachstumsorientierung ohnehin eine Verrohung der Sitten erblickten, freuten sich: Schluss mit der Ökonomisierung des Lebens!

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