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Digitalisierung : „Sprechen Sie nie wieder von Massenarbeitslosigkeit“

Ein Arbeitstag mit drei Stunden – Anlass zur Freude oder Grund zur Angst? Richard David Precht und Jens Südekum auf dem Dach der F.A.Z.-Redaktion. Bild: Jana Mai

Die Digitalisierung bedroht die Gesellschaft, sagt der Philosoph Richard David Precht. Der Ökonom Jens Südekum widerspricht: Sie bringt viel Wohlstand. Ein Streitgespräch.

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          Freuen Sie sich auf die Zukunft, Herr Südekum?

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Südekum: Eindeutig ja. Es werden tolle neue Produkte und Dienste entstehen. Zum Teil nutzen wir die ja schon, aber da kommt noch mehr. Und was die Situation auf dem Arbeitsmarkt angeht: Es gibt viele kreative Berufe, die nur schwer digitalisierbar sind, und für die anderen kann man Lösungen finden, wenn der politische Wille da ist. Niemand muss zum Verlierer der Digitalisierung werden.

          Macht Ihnen das Mut, Herr Precht?

          Precht: Ich habe ein gewisses optimistisches Grundnaturell. Das führt dazu, dass ich mich auch auf die Zukunft freue. Aber es ist wie damals, als das erste Maschinenzeitalter begann und die menschliche Hand ersetzt wurde. Nur werden jetzt Teile des Gehirns ersetzt. Ich glaube, dass wir wie damals in sehr turbulente politische Zeiten kommen. Das war beim ersten Maschinenzeitalter das Ende von 2000 Jahren kirchlicher Herrschaft, der Beginn des bürgerlichen Zeitalters und der Beginn von vielem, das heute für uns selbstverständlich ist, zum Beispiel die Leistungsgesellschaft und Entlohnung für Arbeit. Und jetzt kommt das zweite Maschinenzeitalter, etwas ganz, ganz Neues, eine gewaltige Umwälzung.

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