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Reich durch Philosophie : Die Precht-AG

„Es gibt keine Alternative zum Optimismus“

Werbeverträge, das wäre natürlich auch eine lukrative Angelegenheit für einen Sympathieträger wie Precht. („Neunzig Prozent im Publikum finden mich gut“, sagt er selbst. „Der Rest sind mitgebrachte Ehemänner.“) Es habe genug Anfragen gegeben, nicht nur von Shampoo-Herstellern. Aber darauf lasse er sich nicht ein, er wolle unabhängig bleiben. Wenn es um bezahlte einmalige Auftritte geht, ist Precht bei der Auswahl seiner Auftraggeber hingegen nicht zimperlich. Wer ihn deshalb als prinzipienlos beschimpfen will, den lässt er elegant ins Leere laufen: Ist es nicht eine Tugend, fast schon eine demokratische Pflicht, auch mit denen das Gespräch zu suchen, deren Überzeugungen man ablehnt? Precht hat schon vor der Fleischindustrie-Lobby über das Elend der Massentierhaltung gesprochen und das Honorar nachher gespendet. „Ich würde auch zu Pegida oder zur AfD gehen und dort einen Vortrag halten“, sagt er. Vorausgesetzt, man lasse ihn ausreden.

Warum so viele, die mit Philosophie im strengen Sinn nichts am Hut haben, Precht für so viel Geld als Redner buchen, lässt sich leicht erklären. Er ist eloquent, spricht frei – egal zu welchem Thema. Er belegt seine Thesen aus dem Stand mit Verweisen zu den Klassikern der Philosophiegeschichte – von den alten Griechen bis zu Adam Smith und Karl Marx. Er prangert Missstände an, auf die sich fast alle schnell verständigen können: So geht es nicht weiter mit der Umweltverschmutzung, der Bildungsmisere und der Vermögensverteilung! Und dann kommt sein bester Trick: Er ruft nicht etwa mit geballter Faust zur Revolution auf, mahnt nicht zu Verzicht und Askese, prophezeit auch nicht plump den Weltuntergang, sondern bekommt die Kurve zum Positiven hin, macht Lösungsvorschläge. Schließlich will er ja auch „Gesellschaftsscout“ sein: Einer, der den anderen den Weg aus dem Schlamassel weist. Das ist tröstlich. Und ein bisschen weise. „Es gibt keine Alternative zum Optimismus“, sagt er dazu. „Pessimismus ist Lebensfeigheit.“

Jeden Tag fünf Seiten

Zehn Jahre von Vortrag zu Vortrag, von Festakt zu Festakt, von Empfang zu Empfang: Das geht auf den Rücken. Aber es funktioniert, wenn Richard David Precht davon erzählt, auch wie ein Perpetuum mobile der Ideen. Vor oder nach ihm seien meistens auch noch andere Redner eingeladen, Politiker, Wissenschaftler oder Unternehmer, die über ihr jeweiliges Spezialgebiet sprechen. Denen höre er zu, und meistens bleibe er lange genug, um ihnen nachher bei einem Glas Wein auch noch das zu entlocken, was sie sich in der Öffentlichkeit nicht zu sagen trauten. Daher sein schier unendliches eigenes Themenspektrum, er schöpfe dafür einfach aus all den Powerpoint-Präsentationen, die er gesehen habe, und setze sie im Kopf neu zusammen.

Daher auch sein Gespür dafür, welche Fragen gerade in der Luft liegen, welches Buch gerade dran ist. Versteht sich, dass er das nächste schon in Arbeit hat. Um die Digitalisierung und ihre Folgen wird es darin gehen, um die nach seiner Ansicht drohende Massenarbeitslosigkeit und die bevorstehende Herrschaft der Silicon-Valley-Konzerne. Damit das Buch im Frühjahr fertig ist, gilt es nun jeden Tag fünf Seiten zu schreiben: Eine Schicht zu Hause am Schreibtisch am Morgen, eine Siesta nach dem Mittagessen, dann weiterschreiben bis zum Abend, so monoton verbringe er zurzeit seine Tage, sagt Precht. „Man muss jetzt die Weichen stellen, dass die Digitalisierung nicht die Hölle wird.“

Klar, dazu haben andere auch schon viel gesagt. Sie haben davon vermutlich auch mehr Ahnung. Aber Richard David Prechts Buch wird sich besser verkaufen.

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