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Reich durch Philosophie : Die Precht-AG

Millionär durch Bücherverkäufe und Vorträge

Das Verrückte ist, dass Richard David Precht schon so aussah wie heute, als noch kein Hahn nach ihm krähte. („Und wenn meine Lebensgefährtin mich darum bittet, schneide ich mir morgen die Haare ab“, behauptet er. „Wer überall eine Marketingstrategie wittert, der lebt in einer traurigen Welt.“) Dass er selbst zwar als Denker ernst genommen werden will, der üblichen Kritik an mangelnder philosophischer Tiefe oder Schärfe aber großzügig entgegenkommt. („Für das, was ich mache, gibt es keinen Nobelpreis.“) Dass er, klugerweise, nicht etwa die eigene Brillanz, sondern den glücklichen Zufall als wichtigste Voraussetzung für seinen Erfolg bezeichnet. („Ungefähr alle zwei Jahre treffe ich Elke Heidenreich irgendwo bei einer Veranstaltung. Dann vergesse ich nie, mich bei ihr zu bedanken.“) Und dass er kein Hehl daraus macht, wie intensiv er seinen Markt seit diesem Glücksfall beackert.

Denn darin besteht in Prechts Fall die eigentliche Leistung: Er hat sich nicht damit begnügt, ein einziges Mal ganz oben auf der Bestseller-Liste zu stehen. Precht hat vielmehr ein ausgefeiltes Geschäftsmodell daraus gemacht, ein florierendes Kleinunternehmen. Zwar wehrt er sich dagegen, als Marke oder Firma beschrieben zu werden. („Ich habe keine Angestellten und auch keinen Aufsichtsrat.“) Aber dass ihn das öffentliche Philosophieren reich gemacht hat, bestreitet er nicht. Er hat nach diesen zehn fulminanten Jahren ausgesorgt, das sagt er selbst. Schon die konservativste Rechnung führt dazu, dass er allein mit seinen Büchern Millionär geworden ist: Der zu Bertelsmann gehörende Goldmann-Verlag, in dem Prechts Bücher erscheinen, spricht von 3,2 Millionen verkauften Exemplaren für die zwölf lieferbaren Titel. Das macht bei einem angenommenen durchschnittlichen Ladenpreis von 20 Euro mehr als 60 Millionen Euro Umsatz. Im Buchgeschäft bekommen Neulinge 10 Prozent davon; Granaten wie Precht werden besser bezahlt.

Die Bücher sind aber längst nicht das einzige Geschäftsfeld. Dazu kommt erstens das Fernsehen, sechsmal im Jahr läuft im ZDF im Spätprogramm die Talkshow „Precht“. Zweitens sind die Honorarprofessuren zu nennen, die zwar nicht bezahlt werden, aber das Prestige und den Austausch mit dem jungen Publikum fördern. Und drittens, nach Prechts eigener Einschätzung am wichtigsten, die vielen Vorträge. Öffentlich sind davon die wenigsten, die meisten hält er auf Einladung von Firmen, Verbänden, Organisationen. Es waren schon mal an die hundert im Jahr, inzwischen sind es nicht mehr ganz so viele. Aber in der Bundesliga der Welt-Erklärer, die fünfstellige Beträge für eine Stunde auf dem Podium verlangen können, spielt Precht immer noch weit oben mit, auf Augenhöhe mit dem SPD-Rebellen Peer Steinbrück und dem ewigen Bergsteiger Reinhold Messner.

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