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Reich durch Philosophie : Die Precht-AG

Zum verabredeten Treffpunkt in einem Düsseldorfer Restaurant kommt Precht trotz der Rückenschmerzen. Er entschuldigt sich höflich für seine Verspätung und bestellt Bratkartoffeln mit Spiegelei, ausdrücklich ohne Salat. Echte Intellektuellenspeise.

Schöner Rebell

Im Nachhinein lässt sich leicht erkennen, was für Prechts steilen Aufstieg alles zusammenkommen musste. Es verhält sich damit so ähnlich wie mit dem iPhone von Apple, das auch erst vor zehn Jahren auf den Markt kam, heute vielen aber schon wie ein Teil der öffentlichen Grundversorgung vorkommt. Hinter dem Gerät steckt keine brillante Erfindung, die Grundlagen hatten andere schon entwickelt. Aber ein derart nutzerfreundliches Design hatte außer Apple keiner im Angebot. Die Kundschaft war reif dafür – und hatte genug Kleingeld in der Tasche für ein neues Statussymbol.

Bei Precht: Er verbreitet nichts, was andere nicht schon vor ihm gedacht und aufgeschrieben hätten. Aber keiner drückt es so verständlich aus, weiß so geschmeidig davon zu erzählen. Und die Kundschaft ist reif dafür. Das ökologisch grundierte, solide finanzierte Bildungsbürgertum braucht Ersatz für ideologische Positionen aus der Vergangenheit, die nicht mehr zum eigenen Lebenszuschnitt passen. Die Sinnsuche insgesamt liegt im Trend, sogar die Studentenzahlen im Fach Philosophie steigen seit dem Jahr 2007.

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Heute gibt es auch das „Philosophie Magazin“ und das Kölner Philosophie-Festival, aber anfangs füllte nur Richard David Precht diese Marktlücke. Und zwar so perfekt, als ob der Bertelsmann-Konzern ihn aus dem Marketingbaukasten eigens dafür zusammengesetzt hätte. Das fängt mit den Inhalten an, der Kritik am Kapitalismus etwa, die für jeden Smalltalk taugt, aber keine allzu unangenehmen persönlichen Konsequenzen verlangt. Man schimpft auf die Manager, die von München nach Berlin fliegen und damit die Luft verpesten, düst aber selbst guten Gewissens für ein langes Wochenende mit Galeriebesuch nach Florenz, weil man da ja ohne Flugzeug angeblich nicht hinkommt. Aber wer das Erfolgsmodell Precht verstehen will, muss natürlich auch auf das Äußerliche achten. Er ist groß und schlank, mit blitzenden blauen Augen und schulterlangem Haar, mit Lederstiefeln, Jeans und aufgeknöpftem Hemdkragen. Ein bisschen rebellisch, aber dabei schön anzusehen: Mit dieser Mischung wurde Jon Bon Jovi in den Neunzigern zum Weltstar. Wer dachte, was in der Popmusik funktioniert, das würde in der Philosophie nicht aufgehen, weil es da um weltfremde Denker in staubigen Studierzimmern geht, den hat das Phänomen Precht eines Besseren belehrt.

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