https://www.faz.net/-gqe-91iz6

Gesperrte Rheintalstrecke : Die Bahn schlittert von einer Misere in die nächste

  • Aktualisiert am

Für den abgesenkten Bahntunnel Rastatt wird eine Betonplatte gegossen, um ihn zu stabilisieren. Doch die Miseren der Bahn sind noch nicht beendet. Bild: dpa

Die Bahn hat angefangen, eine erste Betonplatte für die Reparatur an dem gesperrten Bahntunnel in Rastatt herzustellen. Doch die Probleme nehmen kein Ende.

          2 Min.

          Fast einen Monat nach der Sperrung der wichtigen Rheintalbahn wegen einer Baupanne sind die Reparaturarbeiten in eine entscheidende Phase getreten. Über dem beschädigten Tunnelabschnitt bei Rastatt begann die Bahn damit, eine erste Betonplatte herzustellen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

          Insgesamt würden 1100 Kubikmeter Beton in den rund 100 Meter langen und 10 bis 11 Meter breiten Abschnitt eingearbeitet, sagte Projektabschnittsleiter Frank Roser am Donnerstag. Die Platten sollen den Tunnel stabilisieren und den Zugverkehr darüber ermöglichen. Die hochfrequentierte Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden ist seit dem 12. August gesperrt.

          Löscht man das Feuer auf der einen Seite, fängt es auf der anderen wieder an zu brennen

          Beim Tunnelbau der wichtigen Nord-Süd-Achse waren Wasser und Erde eingedrungen, woraufhin die Schienen absackten. Der beschädigte Teil wurde mit Beton stabilisiert. Parallel zu den Arbeiten auf der Ostseite laufen oberhalb der Weströhre Vorarbeiten für weitere Betonplatten, hieß es. „Wir halten am 7. Oktober fest, ab 00.01 Uhr sollen die Züge wieder rollen“, sagte Roser.

          Darauf hoffen viele. Derzeit nehmen die Probleme kein Ende: Bei Bauarbeiten am Riegeler Bahnhof hat heute ein Bagger ein die Oberleitung spannendes Richtseil abgerissen und dabei einen Kurzschluss ausgelöst, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei. Ein zu diesem Zeitpunkt durchfahrender ICE ist daraufhin auf freier Strecke liegen geblieben. Dies führte zu einer weiteren Sperrung – diesmal bei Kenzingen zwischen Offenburg und Freiburg. Der mit etwa 250 Reisenden besetzte ICE sei „relativ zügig“ evakuiert worden. Die Reisenden seien dann mit einem Ersatzzug nach Offenburg gebracht worden, sagte die Sprecherin. Demnach konnte der Schaden an der Oberleitung etwa drei Stunden nach dem Unfall wieder beseitigt werden.

          „Das System der europäischen Bahnlogistik steht vor dem Kollaps“

          Wegen der Sperrung der Rheintalbahn haben Betreiber des Schienengüterverkehrs nun der Deutschen Bahn schwere Vorwürfe gemacht. Knapp vier Wochen nach der Sperrung der Strecke sehen diese wegen der Sperrung einen dauerhaften Schaden.

          „Das System der europäischen Bahnlogistik steht vor dem Kollaps“, heißt es in einem offenen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und EU-Transportkommissarin Violeta Bulc, der in der Mittwochsausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ als Anzeige erschien. „Jahrzehntelange Investitionen in das System Schiene werden geschädigt beziehungsweise zunichtegemacht.“ Der Verkehr werde für Jahre auf die Straße verlegt.

          Unterzeichner sind zwei Dutzend Verbände und Unternehmen aus dem Transportsektor und dem Naturschutz. Die Verbände sprachen von der folgenreichsten Vollsperrung der letzten Jahrzehnte und Schäden in Milliardenhöhe. Es gebe nicht genug Umleitungsstrecken, derzeit sei darüber nur ein Viertel des eigentlichen Volumens zu bewältigen, heißt es in dem Brief. Gefordert wird ein Krisenstab auf Minister- oder EU-Ebene, die Freistellung zusätzlicher Lokführer für die Umleitungsstrecken und vereinfachte Betriebsverfahren – sowie eine Sonderkommission zur Aufarbeitung der ganzen Miseren.

          Weitere Themen

          VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Bericht: : VW vertagt Entscheidung über Werk in der Türkei

          Ursprünglich hatte VW der Türkei einen Vertragsabschluss über das Werk für Oktober in Aussicht gestellt. Aufgrund der Invasion türkischer Truppen im Norden Syriens könnte der Deal möglicherweise platzen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.