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Rheintal-Strecke : Die Züge fahren wieder, die Fragen bleiben

Zug bei Rastatt: Während der Sperrung der Strecke wurden Güterzüge über Frankreich und sogar Österreich umgelenkt. Bild: dpa

Die Rheintal-Strecke ist wieder offen. Was die Tunnelhavarie ausgelöst hat, ist nicht geklärt. Und auch nicht, wer für den Schaden aufkommt. Es könnte um Milliarden gehen.

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          Nach 51 Tagen Sperrung ist der Bahnbetrieb auf der Rheintalbahn wieder gestartet, ein paar Tage früher als ursprünglich angekündigt, und zwar, wie die Bahn am Montag wenige Stunden nach Freigabe der Strecke vermeldete: „reibungslos“. Soweit damit der Eindruck erweckt werden soll, dass damit das Thema Rastatt abgehakt werden kann, ist dieser falsch. Die Frage, welche Schäden entstanden sind und wer diese bezahlt, ist noch nicht geklärt. Und erst recht nicht die Frage, was eigentlich die Ursache dafür war, dass eine der wichtigsten Bahnstrecken Europas unbenutzbar wurde.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Am 12. August hatten sich die Gleise in Rastatt-Niederbühl deutlich gesenkt, nachdem im Tunnel Wasser und Erdreich eingebrochen waren. Wie es zu diesem Vorfall kam, den die Bahn als „Tunnelhavarie“ bezeichnet, dürfte noch viele Gutachter beschäftigen. Und vielleicht auch Richter: Gegen die Verantwortlichen von Bahn und den Bauunternehmen wurde Strafanzeige gestellt wegen „gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr“.

          Die Anzeige stammt vom Anwalt Eisenhart von Loeper, der als Sprecher des Aktionsbündnisses gegen „Stuttgart 21“ fungiert und in dieser Sache auch schon Ermittlungen gegen Bahnvorstände wegen Untreue erwirkt hat. Es gebe eine „unglaubliche Fahrlässigkeit der Verantwortlichen“, sagt von Loeper. Und es gebe eine klare Parallelität zwischen der Rheintalbahn und dem Projekt S 21, das unter anderem beinhaltet, den Hauptbahnhof und zahlreiche Gleise in Stuttgart unter die Erde zu verlegen: „In beiden Fällen gibt es vorhersehbare Gefahren, aber die Bahn lässt sich auf riskante Tunnelbauverfahren ein.“

          Schon Tage zuvor Zwischenfälle

          Die Havarie in Rastatt sei im Übrigen auch kein plötzliches Ereignis gewesen, betont von Loeper. Schon Tage zuvor habe es Zwischenfälle gegeben. Über eine erste Gleissenkung am 3. August werde berichtet, auch über Arbeiten im Umfeld der Gleise, von denen nicht ganz klar sei, ob sie der Vorsorge dienten oder schon eine Reaktion auf Bewegungen im Erdreich waren. Um entsprechende Beweise zu sichern sei es notwendig, dass die Staatsanwaltschaft Baden-Baden Vorermittlungen aufnehme, so die Erwartung von Loepers. Leib und Leben seien gefährdet gewesen. „Nicht erst der Eintritt des Schadens ist dabei maßgeblich, sondern eine Situation bei der der Nicht-Eintritt des Schadens nur noch ein Zufall ist. Eben dies ist hier der Fall.“

          Auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen bestätigt, dass der Schaden im Tunnel kein plötzliches Ereignis war: „Nach Mitteilung der DB AG hat sich die Gleisabsenkung zwischen dem 12. August und dem Vormittag des 15. August sehr langsam entwickelt“, heißt es da. Unabhängig davon, was in jenen Tagen im August passierte und ob das Vorgehen der Verantwortlichen fahrlässig war, erklärt die Bundesregierung eindeutig: „Die Verantwortung für Havarien auf Baustellen liegt bei den bauausführenden Unternehmen und nicht bei der Bauherrin.“ Allerdings ist diese Zuweisung offenbar nicht unumstritten – denn ein Schiedsverfahren zwischen der Bahn als Bauherrin und den am Bau beteiligten Unternehmen ist schon im Gang. Es soll innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen sein, heißt es. Damit soll es den Geschädigten erleichtert werden, Ansprüche wegen der Folgen der Strecken-Sperrung geltend zu machen.

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