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Ifo-Index stark gesunken : Die Rezession hat begonnen

Insolvent: Der Schuhhändler Görtz Bild: Maximilian von Lachner

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft stürzt ab. Es ist völlig unverständlich, warum die Regierung den Unternehmen nicht endlich einen Weg durch die Krise aufzeigt.

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          Bislang war es eher eine böse Vorwarnung, jetzt gibt es keine Zweifel mehr: Die größte Volkswirtschaft Europas stürzt in die Rezession. Im laufenden Quartal wird die Wirtschaftsleistung um fast einen halben Prozentpunkt schrumpfen, die deutschen Unternehmen blicken mit größter Sorge auf das kommende halbe Jahr.

          Das zeigt der Ifo-Index, das wichtigste Stimmungsbarometer für die Konjunktur, mit erbarmungsloser Klarheit. Der Index ist unerwartet stark gesunken, auf den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Corona-Krise. Die Aussichten sind sogar noch düsterer als im Mai 2020.

          Besorgniserregend ist, dass der Einbruch quer durch alle Branchen geht. Die hohen Energiepreise treffen die energieintensiven Branchen, die ihre Produktion zum Teil schon drosseln, zwar besonders. Mittelbar verderben sie aber auch anderen Unternehmen das Geschäft. Am stärksten war der Stimmungsknick in diesem Monat deshalb bei den Dienstleistern. Sie fürchten, dass die Verbraucher wegen der absehbar hohen Energierechnungen ihr Geld zusammenhalten werden.

          Leider machen auch die Lieferkettenprobleme der deutschen Wirtschaft weiter arg zu schaffen. Die aufkeimende Hoffnung, dass diese Baustelle bald behoben ist, ist schon wieder passé, klagen die Unternehmen. Und der italienische Wahlausgang mit all den Unsicherheiten für den Euroraum ist in den neuen Zahlen noch nicht einmal eingepreist.

          Eine Rezession ist kein Weltuntergang

          In dieser heiklen Lage, ist es einmal mehr wichtig zu betonen: Es besteht noch kein Grund zur Panik. Eine Rezession ist für Deutschland kein Weltuntergang. Die Unternehmen und der Staat haben Reserven, um Härten abzufedern und massenhafte Arbeitslosigkeit zu verhindern. Allerdings wird es höchste Zeit, Verbrauchern, aber vor allem Unternehmen jetzt mehr Planungssicherheit zu geben.

          Das Gewürge um die Gasumlage muss aufhören. Stattdessen braucht es ein schlüssiges Konzept, wie das zum Energiesparen nötige Preissignal erhalten bleiben kann, Bäcker, Industrieunternehmen und Handwerker aber Licht am Ende des Tunnels sehen.

          Die Konzepte und Erfahrungen aus der Corona-Krise liegen auf dem Tisch. Es ist völlig unverständlich, warum die Regierung zaudert und zögert, bis in den Unternehmen die Hoffnung aus bessere Zeiten stirbt.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

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